Steinklingen selber herstellen

  • Hallo.


    Letztes Wochenende habe ich bei einem ausgedehnten Waldaufenthalt mal versucht, eine Klinge aus Stein herzustellen, die wirklich verwendbar ist.


    Natürlich ist es einfach, mit einer scharfen Kannte eines Steines irgendein Material "aufzureissen" oder aufzuschneiden. Das meinte ich aber nicht.
    Ich hab versucht eine Art Klinge herzustellen, die auch als solche zu erkennen wäre, und bei der man den Griff z.B. mit Paracord umwickeln hätte können und so ein nettes Steinmesser erzeugt hätte.


    Meine Versuche waren eher kläglich. Wie gesagt, "Schneidewerkzeuge" kamen dabei sicherlich heraus, allerdings nichts, was wirklich Begeisterung in mir erweckt hätte.
    Entweder waren die Steine so bröselig, dass sie sehr schnell auseinander brachen, ich mit einem anderen Stein darauf schlug oder es ging fast gar nicht und wenn dann etwas abbrach, dann so ein großes Teil, dass der Versuch dahin war...


    Habt ihr Tipps hierzu oder sogar Bilder von eigenen Versuchen?

  • Da kommts natürlich primär auf die Steinart an, es gibt ja verschiedene.
    Am besten eignet sich Feuerstein (Flint), fast alle anderen Steinsorten sind zu spröde oder zu weich. Lass dich aber nicht von den ersten Versuchen demotivieren, das braucht seine Zeit. Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Es gibt nicht grundlos Kurse zum Steinhauen bzw Bearbeiten von Flint - es ist eben eine Kunst für sich.
    Ich habs auch noch nicht gemeistert (liegt primär daran dass bei uns so wenig Feuerstein zu finden ist) aber gib nicht auf!



    edit:

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    könnte auch helfen

  • Früher hat man für Steinklingen u.a. neben Flint, auch Obsidian, Onyx, Bernstein, Chalzedon... verwendet.
    Solcherlei Steine mit primitiven Mitteln zu bearbeiten ist echt eine längerfristige Übungssacke. Für den Anfang würde ich zum probieren mit Pfeilspitzen beginnen, um ein Gefühl zu bekommen, wie sich das Material bearbeiten lässt.
    Zahnungen zB lassen sich mit Nägeln ins Gestein schlagen. Wichtig ist, dass das Werkzeug, ggf der Stein den Du dafür nimmst härter ist (Moos Skala) als das Klingenmaterial.
    Hab leider nix da, um das zu verdeutlichen, hoffe aber das bringt Dir bißchen was.

  • Früher hat man für Steinklingen u.a. ................ Bernstein... verwendet.


    Nichts für Ungut mein Lieber, aber DAS halte ich für nen Gerücht.


    Fenris: wenn du bei deinen Steinen mittels Abschlägen nichts erreichen kannst, versuche es doch einfach mal mit schleifen.



    LG Ilves

  • Hallo!


    Das mit den Nägeln kommt nicht in Frage, da ich, wenn ich Nägel hab, ja mehr oder minder unnatürliche Hilfsmittel zur Hand nehmen würde, was mir bei diesem "Spiel" - selbstauferlegt - nicht erlaubt ist... ;)


    Danke für den Tipp! Aber worauf schleifen? Auf einem anderen Stein?


    MFG,


    Fenris

  • Ja Ilvi, ich schäm mich grad für, Bernstein wurde für Griffe verwendet oder für Einlegearbeiten ;) Als Klinge eher sehr selten und eher zu rituellen zeremoniellen Zwecken :unschuld


    Jade oder aber versch. Quarze fanden Verwendung.
    Zum schleifen zB Granitbrocken, Sand o.ä.
    Du kannst ja mal unter experimenteller Archäologie nachschauen, ob sich da was finden lässt.

  • Also ich habs grad letzte Woche mit Kindern probiert... STEINKLINGEN sind nicht ganz einfach und erst recht nicht unproblematisch... feuerstein braucht sehr viel Übung oder sehr vviel glück um brauchbare klingen in entsprechender länge zu bekommen ( und vieleicht ach noch besseres Ausgangsmaterial als das welche ich hatte...)


    was wir aber mit gutem erfolg hinbekommen haben waren klingen aus Schiefer. Diese haben wir in ein Aststück eingefasst ( Spalt geritzt und reingesteckt, besser wäre es wohl gewesen dieses mit Birkenpech einzukleben, ging aber auch so.) HACKEN geht mit einer soclhen Klinge nicht, die bröselt weg. Schneiden (Kräuter etc) geht aber sogar besser als mit dem dort forhandenen Kräutermesser aus Edelstahl...

  • @ Fenris:


    Als Rohmaterial, Feuerstein, aber das weißt Du ja.


    Zum schlagen suche Dir am besten einen halbwegs runden/ovalen Stein aus Quarzit, mindestens Hühnerei-groß.


    Dann schlage an einer geeigneten Stelle ein Stück Feuerstein ab, damit Du erstmal eine ebene Schlagfläche erhältst!


    Nun benötigst Du am Feuerstein einen Leitgrat.


    Entweder ist bereits ein halbwegs natürlicher vorhanden oder Du legst einen an.


    Da wirds dann knifflig.


    Ohne Leitgrat wirst Du keine vernünftigen Klingen abschlagen können.


    Idealerweise haben Deine Klingen dann einen dreieckigen- oder trapezförmigen Querschnitt.


    Laß es Dir zeigen oder schaue Dir im Vorfeld Videos an und übe übe übe.


    Das wird schon!


    Viel Erfolg!


    Gruß!


    fichte

  • Ok also mal ganz von vorne. Was ich schreibe ist unter Survival und Behelfgesichtpunkten ausgewählt, nicht unter Experimantalarchäologischen oder Kulturhisotrischen.


    Viele Leute denken dass sich jedes Gestein wie Feuerstein bearbeiten lässt, aber das geht nicht. Alle Gesteine die aus SiO2 bestehen lassen sich im Prinzip zu den scharfkantigen Werkzeugen herstellen deren bekannteste aus Feuerstein sind und haben ein ähnliches Bruchverhalten.
    Hier in Europa dürfte der bekannteste der blaue nordische Feuerstein sein, der an der Ostseeküste vorkommt. Dazu kommt noch Maßgeröll und Hornstein der vor allem in Süddeutschland vorkommt.
    Selbst Quarzit, den man als die typischen Rheinkiesel kennt, kann man zu sehr groben, aber dennoch wirkungsvollen Werkzeugen verarbeiten. Es gab zu allen Zeiten neben den begehrten und weitgehandelten Feuer und Honrsteinen auch sehr grobe lokale Werkzeuge aus Quarzitgeröll. Dieses ist aber schon zäher und bricht deutlich weniger kontrolliert.
    Diesen groben Abschlag habe ich aus einem Rosenquarzgeröll herausgeschlagen. Er hat 2 scharfe Seiten die zum schneiden taugen.


    Steingeräte


    Es ist wichtig dies zu wissen, denn reinen Feuerstein wird man draussen mal "so eben" nicht unbedingt finden. Dies betrifft vor allem die Survivalsiatuation oder weniger extrem immerhin einen Fall wo man sich aus lokalem Gestein ein Schneidewerkzeug improvisieren möchte oder muss. Nicht ohne Grund wurde Feuerstein bereits seit dem Paläolithikum weit gehandelt und seit dme Neolithikum sogar in großem Stil in Bergwerken abgebaut.
    Sandsteine und die meisten anderen Sedimente auch, taugen nichts als Klinge. Sie sind zu brökkelig und weich und sie lassen sich auch nicht so kontrolliert brechen wie die SiO2 Gesteine. Interessant wird es erst wieder bei metamorphen oder bestimmten magmatischen Gesteinen, vor allem Basalt. Diese wurden früher vor allem für Beilklingen benutzt weil sie extrem zäh sind. Die Technik ihrer Bearbeitung unterscheit sich sehr von der, der Feuersteine. Einen Beitrag dazu habe ich hier schon einmal geschrieben.
    Äxte und Beile aus Felsgestein


    Ist man also vor Ort und will wissen was man aus dem lokalen Gestein machen kann, welches man nicht kennt, testet man dies am besten durch ihr Bruchverhalten. Bricht der Stein bröckelig und sandig, kann man ihn höchstens noch als Schleif oder Mahlstein benutzen. Bricht er mehr oder weniger Glasartig mit sehr scharfen Kanten ist man möglicherweise auf eine gute Quelle gestoßen. Bricht er gar nicht so sehr man sich auch abmüht hat man wahrscheinlich ein sehr zähes metamorphes Gestein.


    Hat man tatsächlich etwas Feuersteinartiges vor sich sollte man ein paar Regeln kennen wie man aus dem Stein möglichst viel herausholen kann. Zumeist treten solche Steine in Form von runden Kieseln auf. Um ihn zu bearbeiten ist die einfachste Technik die harte Schlagtechnik mit einem anderen Stein. Der muss nicht unbedingt härter sein.
    Es gibt zwei Arten von Geräten.
    1. Kerngeräte
    Diese sind wie der Name schon sagt aus einem Kern geschaffen in dem Abschläge abgetragen werden. Der typische Faustkeil ist so ein Gerät.
    Hier habe ich ein typisches Kerngerät. Im Fachjargon wäre es etwas wie ein "Chopping tool" Ich habe es mit einigen wenigen Schlägen herausgearbeitet und benutze es wie der Name schon sagt als grobes Hackgerät.
    Steingeräte


    Steingeräte


    Man sieht vor allem auf dem obersten Bild die typischen Merkmale wo die Abschläge aus der Knolle herausgeschlagen wurden. Der beste Schlagwinkel ist ca. 60°. Niedrigere und höhere Winkel sind für spezielle Arbeiten und eher für fortgeschrittene Gedacht.


    2. Abschläge
    Das was aus einem Kern herausgeschlagen wird sind die Abschläge. Diese können wie bei Homo Erectus auf dem Müll landen, oder wie später, der eigentliche Sinn der Sache sein. Aus Abschlägen lassen sich viel vielfältigere Formen herstellen.
    Steingeräte
    Dieses Allzweckwerkzeug ist ein typisches Abschlaggerät. Seine Klinge ist wie man sehen kann einseitig retuschiert, dies bedeutet, dass mit einem Presswerkzeug winzige Stücke aus der Schneide bricht. Diese wird damit eher Sägeförmig und vor allem sehr viel länger haltbar.


    Es ist sinnvoll alle Abschläge auch den vermeintlichen Müll zu sammeln und zu sehen was man daraus machen kann.
    Steingeräte
    Diese beiden kleinen Abschläge sind unretuschiert und scharf wie ein Skalpell. Sie eignen sich zum Schneiden von Fleisch und ähnlichem und feinerer Schnitzerei.
    Hat man bereits ein paar Abschläge aus dem Kern geschlagen, kann man mit einem fast rechtwinkligen Schlag ein Stück mit einem größeren Winkel herausschlagen, so wie dieses
    Steingeräte
    Solche Geräte sind die perfekten Schaber und vor allem für die Holzbearbeitung sehr wichtig.
    Auch ohne große Techniken kann man sich also einen Satz von brauchbaren Werkzeugen schaffen. Man muss sich einfach von der Vorstellung lösen, die perfekten Steingeräte herzustellen, dies kann man ohne das richtig Werkzeug ohnehin nicht. Auch die Stienzeitmenschen hatten ihre Werkzeugsets für die Steinbearbeitung.


    Gerne hätte ich auch etwas über die fortgeschritteneren Techniken wie Levallois berichtet, aber dazu fehlt mir noch die praktische Erfahrung und ich wollte hier nicht bloß aus reiner Theorie schwätzen. Ich bin wohl noch ein Homo Erectus :D

  • Hallo!


    Kurzer Zwischenbericht: Am Wochenende habe ich wieder etwas herumexperimentiert. Das Gestein war verschiedener Art, und entweder so bröselig, dass es zerfallen ist, oder so hart, dass ich es nicht bearbeiten konnte.


    Einmal ist mir eine Art Keil (nach 2 Stunden) geglückt, der durchaus Schneidfähigkeiten besessen haben dürfte. Hinterher ist er mir jedoch, durch einen Schlag zu viel, zerbrochen.


    Werde aber an dem Thema dran bleiben, und berichten bzw. Fotos einstellen, sobald mal was nennenswertes heraus kommt.


    Fenris

  • Hallo zusammen,
    vor ein paar Tagen habe ich mich auch mal kurz wieder über ein paar Steine
    her gemacht, müsste der sog. Hornstein sein, da ich ihn auf der Alb gefunden
    hab. Aber sicher bin ich mir da nicht. Auf jedenfall hab ich kurz ein paar Klingen
    abgeschlagen, damit nen Stock gekürzt und angespitzt und mir dann noch nen
    Pfeil mit Widerhaken gebaut. Eingebunden habe ich die Spitze mit Weidenrinde.

    Sorry für die schlechte Qualität, war ne spontane Aktion und ich hatte nur das
    Handy zur Hand.


    Gruß Bushdoc

    Auch dieses Jahr bietet Bushdoc´s School of advanced Survival and Bushcraft wieder folgende Kurse an:
    -Bushcraft ohne Busch
    -Survival ohne zu überleben


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