Pflanze oder Fleisch

  • Hallo liebe Bushcraftergemeinde,


    da ich noch etwas unerfahren bin und noch nicht allzuviele Nächte unter dem freiem Himmel verbracht habe, hätte ich eine Frage:
    Unter welchen Umständen Jagt ihr Tiere oder ernährt euch unter anderem von Fleisch(nicht von zuhause mitgebracht)?
    Und wenn ihr nur einen "Spaß-Ausflug" macht, jagt ihr dann auch Tiere oder würdet ihr das nur im Notfall tun?
    Mir ist Bewusst, dass man für das erjagen von Tieren einen Jagdschein braucht, es würde mich aber dennoch interessieren ob ihr unter Umständen, wie beispielsweise einem Dreitägigen Ausflug (Den man auch ohne fleischliche Nahrung überleben könnte) dennoch ein Tier, sei es auch nur eine Ratte erjagen würdet?


    mfg Max


    :zunte

    Wenn man kämpft, kann man verlieren.
    Wenn man nicht kämpft, hat man schon verloren.

  • Unter welchen Umständen Jagt ihr Tiere


    Unter KEINEN! Es sei denn ich würde irgendwann den Jagdschein machen, aber da ist auch nichts mit "Ich geh ein Wochenende in den Wald und bolz mir nen Braten von der Heide", da ist man mehr mit Hege und Pflege beschäftigt ^^


    Was ich tue ist angeln, dann aber mit Berechtigungsschein oder eben wenn ich in der Nähe unserer eigenen Teiche unterwegs bin (kein richtiges Angeln... Forellenpuff halt). Ansonsten sind legale Möglichkeiten der Fleischbeschaffung aus der Natur recht begrenzt.


    Gegenfrage(n): Was ist ein "Spaßausflug" und was ein "Ernstausflug" für Dich? Wie kann Deiner Meinung nach ein Notfall aussehen der es erfordert ein Tier zu erlegen? (Was viel Können und Wissen voraussetzt!)

  • Ein Spaßausflug wäre beispielsweise, wenn man mit seinen Freunden einige Tage lang in die Natur geht, dort übernachtet und relativ sicher mit Lebensmitteln versorgt ist, da man weiß, dass in dem Wald bestimmte essbare Pflanzen wachsen.
    Ein Ernstfall wäre, wenn man z.B. mit einem Jeep durch die kanadischen Wälder fährt und eine Panne hat oder das Benzin ausgeht (aus irgendeinem Grund) und man 1,5 Wochen bräuchte um die Zivilisation zu erreichen. Wie gesagt war nur ein Beispiel, ich weiß nicht wie lange man von dort aus wirklich in die Zivilisation braucht.

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    Wenn man nicht kämpft, hat man schon verloren.

  • In Deutschland nicht nein. Das hat auch seine Gründe. Bei einer Bevölkerung von 80 Millionen wäre ratzfatz alles weg, wenn jeder es macht.
    Im Prinzip Roadkills ja, wobei auch vom Gesetz verboten.


    In anderen Ländern hat man natürlich andere Möglichkeiten ;)

  • Hallo Max,


    es nennt sich Wilderer, solange man nicht der Jagdzunft angehört und nicht die entsprechenden Genehmigungen hat. Nur eine Notsituation könnte es rechtfertigen, doch wenn man in Deutschland die Energie aufbringt zu jagen, könnte man schon in Sicherheit sein. Man kann sich hier nicht Tage oder gar Wochen durch die "Wildnis" schlagen ohne jemanden zu Treffen. Zum Spaß also garnicht.


    Um deine Frage konkret zu beantworten: Ich würde kein Tier auf einem Ausflug jagen, es sei denn es sei ein Jagdausflug. Eher würde ich Tiere einsammeln die nicht schnell genug sind. In der Regel nehme ich Proviant mit.

  • Man muß hier auch ganz klar zwischen Survival und Bushcraft unterscheiden,


    Survival ist die Notsituation, die unerwartet eintritt, in der du dann mit Sicherheit versuchen
    wirst, mit allen Mitteln, die dir zu Verfügung stehen, diese zu Überleben.
    z.B. Wüste, Benzin leer oder Taiga Jeep kaputt etc..


    Bushcraft ist eine künstlich herbeigeführte Situation, die du bewusst herbei führst,
    um es dir in der Natur heimisch zu machen und deine Skills zu trainieren.
    Auf diese, ist man in der Regel vorbereitet und hat auch genug Nahrung etc. dabei.


    In der Survivalsituation, ist für mich das Wildern ein natürlicher Bestandteil des
    Überlebenstriebes, wobei ich auch eher sammeln würde was zu langsam ist,
    den eine Jagd bedeutet einen enormen Energieaufwand, vom Waffenbau, über die Pirsch,
    bis hin zum Zerlegen des Tieres. Die Jagd beinhaltet auch immer die Möglichkeit des Versagens.
    Außer Spesen nix gewesen.
    Wenn du an das falsche Tier auf deiner Jagd gerätst, kann sich der Spieß auch ganz schnell mal umdrehen. ;)


    Beim Bushcraft scheidet für mich, das Wildern generell aus, da es schlicht weg
    illegal ist und ich nicht aus Spaß töte (siehe oben meine Def. von BC).
    Natürlich sind wir hier sicher auch keine Waisenknaben und der eine oder andere hat in
    Jugendtagen mal schwarz geangelt, aber Wildern ist zumindest in Deutschland kein Kavaliersdelikt.
    In anderen Ländern hingegen, hat jeder Bursche der was auf sich hält, schon mal gewildert.
    Aber das sei jetzt mal so dahingestellt.


    So viel von mir,


    Gruß Bushdoc

    Auch dieses Jahr bietet Bushdoc´s School of advanced Survival and Bushcraft wieder folgende Kurse an:
    -Bushcraft ohne Busch
    -Survival ohne zu überleben


    Edited 5 times, last by Bushdoctor ().

  • Schließe mich meinen Vorrednern uneingeschränkt an.


    Mit Jagen wird es zwar nichts, aber dazu gehört auch Schlachten und das Tier verwerten, und das kann man hierzulande sehr wohl einüben.


    Ich würde erstmal mit Fischen anfangen. Dazu kannst du bestimmt in deiner Nähe einen Angelverein kontaktieren in den du mal reinschnuppern kannst. Die Petrijünger werden dir gerne erklären und zeigen wie das geht.


    Nichts für Zartbesaitete ist die Schlachtung von Säugetieren. Da könntest du bei einem Kleintierzüchterverein anfragen, je nachdem woher du kommst gibts vielleicht auch noch Landwirte die selbst schlachten. In beiden Fällen wirst du sehr wahrscheinlich mit offenen Armen empfangen, da vielen Leuten die Schlachten die Fleisch-kommt-aus-dem-Supermarkt-Mentalität unserer Gesellschaft auf die Eier geht.

  • Ganz vom Gesetz abgesehen halte ich Jagen für kleine Touren völlig sinnlos. Tiere die bejagt werden müssen laufen weg und ohne vernünftiges Equipment (Gewehr, Bogen, Armbrust etc). Ist eine Jagd für den Laien so oder so zum scheitern verurteilt. Halte dich lieber an Pflanzen, es ist viel leichter ein großes Gebiet nach den richtigen Pflanzen abzusuchen, als nach Tieren: denn sie laufen nicht weg, haben keinen Fluchtreflex und beißen nicht! Klar gibt es auch giftige Pflanzen, deshalb sollte man nicht alles essen was lecker aussieht, sondern nur sicher bestimme und als ungefährlich eingestufte Pflanzen zu nehmen. Ich rate dir hier zu Pflanzenbestimmungsbüchern wie dem Kosmos "was blüht denn da". Passt in jeden Rucksack und ist leichter als Essen für 3 Tage ;-)
    Außerdem muss man seinen Ekel nicht so stark überwinden, brauch sich nicht mit Organen auskennen um zu identifizieren ob die Pflanze gesund gelebt hat (da reichen schon Verfärbungen der Blätter) und muss sich (gerade bei Nagetieren) nicht um jede noch so kleine Drüse kümmern ;-)


    Und man kann auch ganz gut länger als 3 Tage ohne Fleisch leben - ich tu das auch seit über 5 Jahren ;-)

  • Kommt drauf an was man alles unter Fleisch versteht...


    Insekten sind kein Problem, grad Heuschrecken und gewisse Larven sind leicht zu fangen und sehr bekömmlich und lecker - aber wenns um größere Tierchen geht gibt's eben gesetzliche Bestimmungen, die einem hierzulande in den Weg kommen. Die Frage ist nur ob der Aufwand dem Ergebnis gerecht wird, also wenn man ohnehin genug pflanzliche Nahrung findet muss man ja nicht jedem Grashüpfer nachspringen.


    Ekel hab ich da keinen, seit ich als keines Kind beim Ausnehmen eines Rehs aus nächster Nähe zugesehen hab - im Endeffekt sind ja alles nur Lebewesen, ob Pflanze, Pilz oder Tier, nur mit unterschiedlichem Bauplan. Ob ich das Leben einer Pflanze zerstöre oder das eines Tieres - in jedem Fall tötet man um zu leben (ausser man ist Frutarier o.ä.) und nimmt die Nährstoffe des Körpers auf. Daher hab ich auch einen sehr pragmatischen Zugang zu Pelz und Leder, bestehe aber darauf, dass man dabei auch fast alles vom Tier verwenden muss und eine entsprechend moralisch vertretbare Haltung sowie eine schmerzfreie Tötung passiert.


    Im Notfall ist aber praktisch alles 'fair game'.

  • Ok, ersteinmal vielen Dank für die zahlreichen Antworten!
    Die Meinung die hier größtenteils vertreten wurde war, dass man Tiere nur in äußersten Notsituationen jagen sollte, aber, dass dies nicht unbedingt lohnenswert ist.
    Dieser Meinung schließe ich mich an, da man auch meiner Meinung nach kein Tier töten muss um Bushcraft zu betreiben. Allerdings musste ich feststellen, dass man in fast jedem Survival oder Bushcraft Buch einige Seiten zum Tiere erjagen, ausweiden, etc. findet und dies hatte mich ein wenig gewundert, da man Fleisch schließlich nicht unbedingt zum überleben braucht und weil wie gesagt das Jagen auch Risiken beinhaltet.
    Daher stammte meine Frage.

    Wenn man kämpft, kann man verlieren.
    Wenn man nicht kämpft, hat man schon verloren.

  • Ok, ersteinmal vielen Dank für die zahlreichen Antworten!
    Die Meinung die hier größtenteils vertreten wurde war, dass man Tiere nur in äußersten Notsituationen jagen sollte, aber, dass dies nicht unbedingt lohnenswert ist.
    Dieser Meinung schließe ich mich an, da man auch meiner Meinung nach kein Tier töten muss um Bushcraft zu betreiben. Allerdings musste ich feststellen, dass man in fast jedem Survival oder Bushcraft Buch einige Seiten zum Tiere erjagen, ausweiden, etc. findet und dies hatte mich ein wenig gewundert, da man Fleisch schließlich nicht unbedingt zum überleben braucht und weil wie gesagt das Jagen auch Risiken beinhaltet.
    Daher stammte meine Frage.


    So würd ich das nicht sagen, im Winter im Norden kommt man ohne tierische Nahrungsquellen nicht weit. Auch hierzulande ists im Winter schwer essbares zu finden.

  • Max das stimmt schon. Jagen ist ein Thema das viele nicht machen dürfen, dennoch erfreut es sich großer Beliebtheit. Jagen ist halt für eine Langzeitperspektive in der Wildnis wichtig, genauso wie essbare Wildpflanzen. Für einen kleinen Ausflug ist die Jagd halt nichts. Dennoch ist es gut sich Wissen darüber anzueignen und evt. schon eine geistige Haltung zu entwickeln. Vielleicht entdeckt du ja auch das du gerne Jäger werden willst. Wer weiß ;)

  • Wir sollten aber auch nicht zu Eurozentrisch denken.


    In vielen südlicheren Ländern finden sich viele größere Reptilien und Amphibien die nicht sehr schnell flüchten können und die man mit einfachsten Mitteln wie Stöcken und Speeren erlegen kann. In Griechenland hab ich eine Hornviper nur mit einem gegabelten Ast festsetzen können. (Musste sie aber wieder freilassen weil meine Reisegruppe nur aus Sissys bestand :mädchen )
    Großsäuger werden auf so einer Tour nicht dran glauben, schon nur weil man alleine gar nicht dieses riesigen Mengen verwerten kann ohne sie irgendwie haltbar zu machen und das erfordert Zeit.
    Aber mal n Leguan am Spieß hier und ein Agamenauflauf dort geht schon.
    Das ist dann vielleicht nicht die Hehre Jagd auf das stolze Wild, wie es gerne verklärt wird sondern eher Zweiteklasseessen. Aber im Busch ist man ja nicht wählerisch ne?

  • @AJ: Also mit der Jagd auf Agamen ob jetzt Agama Agama in Afrika oder in Australien Pagona Vitticeps oder Henrylawsonii wirst du mit Stöckcchen- oder Steinchenwerfen wohl wenig Erfolg haben. Genau so wie auf diverse Wüstengeckos. Von den Halsband und Maskenleguanen will ich jetzt gar nicht erst anfangen, da ja der Halsbandleguan auf 30m eines der schnellsten Tiere der Erde ist und dann ist er ja auch schon in seinem Loch verschwunden.
    Ich habe schon viel mit diesen Tieren gearbeitet und besitze bzw.besaß einige dieser Arten, kannst mir glauben, da wird sich dein Jagderfolg auch sehr in Grenzen halten.


    Gruß Bushdoc

    Auch dieses Jahr bietet Bushdoc´s School of advanced Survival and Bushcraft wieder folgende Kurse an:
    -Bushcraft ohne Busch
    -Survival ohne zu überleben


  • Ich gebe offen und ehrlich zu, auf kleinen und größeren Touren ALLE Nahrungsmittel mitzuführen (meistens zuviel).


    Wenn es am Wegesrand pflanzliche Ergänzung gibt, umso besser (da habe ich aber noch viel zu lernen).


    Zum Thema Jagen wurde ja schon genug gesagt. Außerdem: Warum soll ich mir Gedanken um das Töten von Tieren machen, wenn ich meistens noch nicht mal auf vernünftige Entfernung zum Fotografieren ran komme. ;)

    "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit." Wilhelm Humboldt, 1767-1835

  • Ich gebe offen und ehrlich zu, auf kleinen und größeren Touren ALLE Nahrungsmittel mitzuführen (meistens zuviel).


    Wenn es am Wegesrand pflanzliche Ergänzung gibt, umso besser (da habe ich aber noch viel zu lernen).


    Zum Thema Jagen wurde ja schon genug gesagt. Außerdem: Warum soll ich mir Gedanken um das Töten von Tieren machen, wenn ich meistens noch nicht mal auf vernünftige Entfernung zum Fotografieren ran komme. ;)


    Wennst bzgl Fotografieren von Tieren Tipps brauchst sag bescheid! :unschuld