Drei Tage im Februar

  • Hallo,
    wie einige mitbekommen haben, habe ich das letzte Forentreffen (für mich) relativ kurzfristig abgesagt. Grund war für mich, dass ich ich, nach einigen Vorfällen im privaten Umfeld, nicht sicher war, wie ich mit dem Reizüberfluss von ein Paar Dutzend Menschen klar komme. Um trotzdem mal auf andere Gedanken zu kommen, war ich mit einem Freund unterwegs. Unterwegs ist nicht unbedingt die betse Beschreibung, da wir auf einem bereits vordefinierten Lagerplatz aus waren. Wir haben das Glück, dass ein guter Freund von uns zugleich Forstbesitzer ist, wir daher einen uneingeschränkt (solange nachhaltig) nutzbaren Lagerplatz zur Verfügung haben.
    Unser Ziel war ein lowtech Wochenende. Kein Kocher sondern Feuer, keine Instantsuppen sondern frisches Kochen, keine „Supply Chain“ via Aldi, sondern alles was wir brauchen wird in den 60L Rucksäcken in den Wald getragen.


    Wir kamen am FR gegen 1500 an und gingen raschen Schrittes los, da es zum Lagerplatz ein knapper Kilometer bergan ging. Es lagen ca 20cm Schnee und außer einer Traktorspur kein Zeichen menschlicher Aktivitäten. Vor Ort erwartete uns bereits unser Freund und Gastgeber Martin, der uns auch einwies, welche Totholzbäume wir für Feuerholz schlagen durften. Zuerst wurden die Rucksäcke abgelegt und die Ressourcen gesichtet, da wir immer wieder Mal Ausrüstung direkt am Lagerplatz deponieren. Vom Wetter her bewährte sich tagsüber die Kombination aus Funktionswäsche (schnell trocknend), Woolpower Longsleeve (wärme regulierend/isolierend) und einer PCU Jacke (reiner Windschutz / Nässeschutz) als Torsobekleidung und Softshellhose mit hohen Stiefeln als Beinkleid. Auf dem Kopf sass entweder die leichte Balaclava oder eine Wollmütze.



    Mittels Lawinenschaufel wurden die Lagerplätze und die Feuerstelle (Geschmolzener Schnee + Boden = Matsch) vom Schnee befreit, danach die Tarps gegen den Wind aufgespannt. Da ich vor hatte nur mit Jervenbag und Kleidung zu schlafen, habe ich mich für eine Aufbauvariante mit 270° Windschutz entschieden! Der nächste Schritt war das Feuer. Aufgrund des felsigen Untergrundes, der durch gefroren war, entschieden wir uns, das Feuer auf ebener Erde zu machen. Also wurde zuerst eine Basis aus dicken Scheiten gelegt, darauf Zunderreisig und Kleinholz und darum dann eine Blockhütte aus Scheiten.



    Gegen Abend wurde es deutlich kälter, weshalb die Softshell mit einem Primaloft Pullover „wärmewertgesteigert“ wurde. Das Abendessen bestand aus selbst gekochter Kartoffelsuppe mit Würstchen, Tee und einem Müsliriegel zum Nachtisch. Im letzten Tageslicht / Dämmerlicht wurde noch der Reisig und das Anzündholz für den nächsten morgen vorbereitet. Der Abend klang am Lagerfeuer, bei Kaffee, Schokolade und ein paar Bratwürsten am Spiess aus. Der Plan, direkt am Feuer zu schlafen wurde von heftigem Schneefall zunichte gemacht, sodass wir gegen 2200h in den Schlafsäcken lagen und dem Schnee zuhörten.



    Am folgenden Morgen wurden wir von abgehenden Lawinen auf den Tarps geweckt, es hatte ca nochmals 2cm Neuschnee gegeben und war deutlich kälter geworden. Nach dem Frühstück (Vollkornbrot) und Müsli war klar: Tagesaufgabe ist Feuerholz. An dem Tag wollten wir Fleisch grillen, dafür musste Glut her und das erforderte ein kontrolliertes abbrennen. An Holzwerkzeug hatten wir ein Handbeil, einen „Bush-Hawk“ den ich mir habe fertigen lassen sowie eine Bügelsäge und unsere Messer. Da mit Beilen 30cm dicke Scheite schlecht zu spalten sind und sich ein Feuer auch nicht mit Reisig erhalten lies (jedenfalls nicht nachhaltig) nutzen wir die Chance, einen Bushcrafttrick anzuwenden: Den aus Hartholz geschnitzten Spaltkeil. Es war ernüchternd: Manche Scheite teilten sich, wie Moses das Wasser, andere (und die waren in der Mehrzahl) klammerten sich zusammen wie der Teufel an des armen Sünders Seele! Als unser Kamerad mit einer Spaltaxt erschien sah die Welt wieder Anders aus und bestätigte wieder das alte ITler Motto: Dedizierte Lösungen für dedizierte Probleme! Während weniger aktiver Phasen wurde eine Snugpack Sleeka über gezogen, so kam es nie zu frösteln oder gar frieren. Zwischendurch war auch Zeit, um ein wenig zu basteln, so entstand ein kleiner Teller, in Brandtechnik.



    Das Mittagessen in Form von Erbsensuppe mit Brot wurde von einem unschönen Wetterwechsel begleitet: Der Schneefall blieb, aber das Thermometer stieg auf 2°+. Dennoch nutzte ein Freund den Tag und besuchte uns im Wald. Das Abendmahl bestand diesmal aus Fleisch, gegrillt und gebraten sowie einer Sammlung aus Brat- und Wiener Würsten vom Feuer, in der Glut zubereitet. Nachdem uns unsere Gäste wieder verließen, bereiteten wir wieder das Feuerholz für den letzten Tag vor, ließen den Tag wieder mit Tee ausklingen und waren wieder um 2200 in den Schlafsäcken. Das folgende Morgengrauen war besonders grau, Schneeregen, Nebel und Matsch bestimmten das Lager. So beschlossen wir, den Tag relativ rasch zu beenden, beschränkten das Frühstück auf Brot und Wurst, reinigten unsere Ausrüstung, bunkerten das verbliebene Feuerholz für nach uns kommende Lagernde, löschten das Feuer sorgfältig und machten uns auf die Heimreise.



    Unser Ziel, das LowTech Wochenende, entschleunigtes im Wald sein, haben wir erreicht, es war entspannend aber auch herausfordernd. So zeigte sich, dass bestimmte Techniken sicher im Experiment funktionieren, im Tagesgeschäft aber böse Zeitkiller sein können. Es zeigte uns auch, dass eine Reduzierung auf das Wesentliche eine Potentierung des Angenehmen, in unserem Fall leckeres Essen statt Komfortlösungen, zur Folge haben kann. Auch wurde uns, sehr hart, vor Augen führt, dass nicht die beste, die teuerste oder umfangreichste Ausrüstung zum Ziel führt. Sondern schlicht die, die den Anforderungen am besten und kompromisslosesten entspricht!



    Das Hauptziel, das Abschalten von all dem Trubel, kam eher als Nebeneffekt, was der Erleichterung freilich keinen Abbruch tut!


  • Grimmbold,
    solche Berichte finde ich einfach toll!
    Raus gehen, machen, erzählen.
    Hier sieht man auch mal das du, trotz deines ganze Gearwissens,
    eben doch im Herzen ein Bushcrafter bist.


    Danke!


    Gruß Bushdoc

    Auch dieses Jahr bietet Bushdoc´s School of advanced Survival and Bushcraft wieder folgende Kurse an:
    -Bushcraft ohne Busch
    -Survival ohne zu überleben


  • Der Held des Tages waren eigentlich die Fiskars Axt meines Freundes und die faltbare Kettensäge. Meine Bügelsäge hat aus unerfindlichen Gründen gestreikt.
    Genauer wollten wir das die tage mal bei einem Kaffee bereden, dann poste ich es gerne

  • Über das Drücken des "Bedanken"-Buttons hinaus gefällt mir der letzte Satz deines Beitrages besonders gut!


    Schöner Bericht und schöne Impressionen der Tour!

    "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit." Wilhelm Humboldt, 1767-1835