Tier nicht stören, aber wie konkret?

  • Allen ist klar, dass es ungut ist Tiere in unserer Kulturlandschaft noch mehr zu stressen als sie es ohnehin schon sind. Aber wie soll das konkret gehen? Hier ein paar Erläuterungen zum wie, wann und wo:


    Vorab, man kann die Frage nicht so pauschal beantworten, man muss sich den Lebenswandel der Tiere anschauen. Schutz vor Störung brauchen die Tiere vor allem an den Orten, an denen sie die essentiellen Ressourcen finden - v.a. Ruhe (für sich selbst sowie die Aufzucht der Jungen) und Nahrung.


    Orte die prinzipiell eher gemieden werden sollten sind Dickungen und Suhlen, Gebiete mit hoher Wilddichte (zu erkennen an der Dichte der Wildwechsel und Spurenhäufigkeit), Übergangsbereiche zwischen zwei Lebensräumen wie Waldränder, Feldsäume, größere Windwurf- & Kahlschlagsflächen (dort ist das Nahrungsangebot besonders reich und vielseitig), anderweitige besonders vielseitige Flächen (Brachflächen, Sumpfgebiete, Lichtungen, ...), jagdliche Einrichtungen (Salzlecksteine, Futterraufen, Kirrungen, Wildäcker), sowie Korridore zwischen wichtigen Lebensräumen (Wildbrücken, Feldknicks, schmale Waldstücke die größere Wälder verbinden, etc.).


    Tageszeitlich betrachtet ist bei allgemeinem Aufenthalt im Wald vor allem die Dämmerungzeit interessant, denn dahin haben viele der ehemals komplett tagaktiven Tiere ihre Aktivität verschoben, entsprechend sind sie dort am störanfälligsten. Analog dazu gilt für die Tageseinstände ebenfalls eine hohe Störanfälligkeit am Tage. Jahreszeitlich betrachtet brauchen die Tiere vor allem während und nach in der Brut- und Setzzeit Ruhe um die Jungenaufzucht zu sichern, ebenso sind die Tiere im Winter anfällig, da jede Flucht sehr viel Energie kostet - Energie die in Form von Nahrung in einem strengen Winter durchaus schwer zu beschaffen ist. Eine weitere kurze kritische Phase ist der Beginn der Jagdsaison, da herrscht auch absolute Unruhe in der Natur und die Tiere müssen ihr Verhalten erst an die neue Lage anpassen.


    Das sind jetzt mal so ein paar Ansatzpunkte, wobei es natürlich immer auf die Gegend und die Tierart ankommt. Die vorhandenen Arten sowie die Jahreszyklen der Tiere sind ja recht schnell zusammengesucht, spätestens in der Jagdliteratur wird man fündig. Ansonsten einfach mal den nächstbestend Jäger oder Förster in der Gegend fragen.


    Nun dazu was vermieden werden soll: Aktivitäten an den genannten kritischen Bereichen und Zeiten sollte man etwas einschränken, was allerdings nicht bedeutet, dass man nicht in den Wald darf/soll. Tiere können recht gut differenzieren, wer da gerade lang kommt und haben ein recht genaues Bild vom Verhalten des "Beutegreifers Mensch". Besonders störend ist dementsprechend als grün gekleideter Mensch durch den Wald zu schleichen (was auf einige von uns sicherlich zutrifft) oder etwa seinen Hund (zu) frei laufen zu lassen. Auch wenn ich Hundebesitzer bin muss ich definitiv sagen, dass die an die Leine gehören solange man sie nicht 100%ig im Griff hat und/oder die Situation nicht sicher abzuschätzen ist.


    Das Lagern und Feuermachen ist hingegen kaum eine Beunruhigung für die häufigeren Tierarten - ich hatte schon öfter Besuch von Waschbär, Wildschwein und Co als mir lieb war. Allerdings muss man auch sehen, dass einige Arten wie die Wildkatze sehr sensibel auf kleinste Störungen reagieren.


    Fazit:
    Konkrete Angaben kann man nicht machen, also immer erst informieren was da ist, dann wie die Lebensweise ist, dann überlegen wo man stören könnte und das dann schlussendlich meiden. Das beste ist ohnehin sich mit den Gebieten in denen man so unterwegs ist sowie deren Bewohnern vertraut zu machen. Und außerdem sind Tiere absolute Gewohnheitsmenschen. Da bekommt ma recht schnell ein Bild davon wen man wo findet. Probiert es aus, das Wissen ist da draußen, ihr müsst es euch nur im Wald abholen. ;)


    Ich hoffe ich habe jetzt eher zum Lernen angeregt als verwirrt. :unschuld


    Das Lernen einzelner, isolierter Bushcraftskills ist ähnlich wie das Anhäufen von unbenutzter Ausrüstung:
    ein recht kümmerlicher Ersatz für große Abenteuer...

    Edited once, last by Ravenheart ().

  • Vielen Dank für den Beitrag.


    Ich bin auch jemand, der sich (meistens mit Hund) ruhig und still im Wald abseits der Wege aufhält. Ich liebe es Tiere zu beobachten und habe meine Strategien entwickelt, um mich einerseits ruhig bis auf die jeweiligen Fluchtdistanzen anzunähern und andererseits das Wild nicht zu vertreiben. Selbst der Hund "spielt das Spiel mit". Mittlerweile habe ich ihn soweit, dass er auf Handzeichen ganz still bei Fuß bleibt, sich hinlegt und mit mir alles beobachtet.

    "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit." Wilhelm Humboldt, 1767-1835

  • Interessant durchaus! Ich kann das so unterschreiben auch wenn ich meinen Hund durchaus mal frei laufen lasse (gut, in 90% der Fälle kommt sie auf ein Hier auch direkt zurück, hat sie ihre Dullen 5 Minuten kann ich das Knicken) ABER ich weis inzwischen aus einigen Begegnungen das Hundi Rehe und Hasen uninteressant findet... Sie guckt kurz, schaut mich an, dreht um und kommt zu mir... Es ist immer eine Frage wie ich mich selbst im Wald verhalte! Tiere haben weniger Probleme mit einem Menschen der sich schnell und laut zu erkennen gibt (lauteres unterhalten, mit dem Hund spielen) als mit Schleichern die sie nicht schnell bemerken! Wenn sie einen schon vorher hören sieht eine Flucht anders aus als ein plötzlicher Aufbruch.


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    miteinander-füreinander


    Als ich den Schädel im Wald fand, rief ich zuerst die Polizei. Aber dann
    wurde ich neugierig. Ich hob ihn auf und fragte mich, was das für ein
    Mensch war und wieso er ein Hirschgeweih trug.


  • Ich war ja dieses Jahr in Kanada bei meinem Bruder. Er hat mich gelernt, dass das Wild am wenigsten auf einem aufmerksam wird wenn man sich ebenso verhält. Es nimmt einem dann nicht als Gefahr war.
    Das heisst im konkreten Fall, dass ich nicht hastig im Wald umher laufe sondern mich in etwa dem gleichen tempo bewege ab und an stehenbleibe und nicht laut oder gar nicht rede. Wir werden viel mehr von Tieren beobachtet als wir sie beobachten können. Bei den Tieren gehört es zum leben, beobachten und richtig einschätzen. Tiere die das nicht drauf haben werden nicht mal erwachsen.


    Meine Erfahrung von vielen hundert Kilometern im Wald trainieren ist, dass ich mehr Rehe aus nächster Nähe sehe als wenn ich mit jemandem durch den Wald gehe. Ich glaube, dass die Rehe spüren das ich kein interesse an ihnen habe. Ich hatte mal fast einen Zusammenstoss mit einem Reh. Ich kam um eine Ecke und da stand ein Reh direkt vor mir. Wir haben uns beide dermassen erschreckt dass wir fast hingefallen wären. Das Reh machte ein paar Sprünge in den Wald und schaute mir zu wie ich weiter rannte.


    Liebe Grüsse

  • Ich hab mich schon an Wild bis auf 3-4 m genähert und hatte Rotkehlchen auf meinen Händen. Es ist wie vorher schon gesagt wurde sehr davon abhängig wie man sich verhält und wie man sich bewegt. Keine hektischen Bewegungen, kein "Spannerschleichen". Was ich damit meine ist, dass man nicht mit Sensationslüsternem Geiste sich wie ein Fremdkörper durch die Natur bewegt, sondern mit einem freien Geiste als wäre es das natürlichste auf der Welt mit ebenso natürlichen Bewegungen geht.
    Knallharte Rationalisten sollten ab hier abschalten und nicht mehr weiterlesen: Ich bin der Auffassung, also zumindest so habe ich es erlebt, dass selbst in unserer Kulturlandschaft, es ein überall ein Wachsen in Richtung Einheit gibt, überall wo man sie lässt verheilen alte Wunden. Wildniss entsteht jede Sekunde neu. Jeder Quadratmeter der nicht unter permanenter Bewirtschaftung steht, fängt an sich wieder sich selbst zu überlassen werden. Ich vergleiche es gerne mit alten Häusern. Als diese Häuser gebaut wurden, musste der Boden planiert werden und es entstand eine Narbe in der Landschaft, mit der Zeit jedoch hat sich das Haus organisch in die Landschaft eingefügt, es ist mit ihr verschmolzen. Genauso ergeht es mir wenn ich unten im Sumpf bin die Vögel beobachte oder allgemein eine längere Zeit in der Natur bin. Zuerst bin ich ein Fremdkörper, ich muss mich zuerst akklimatisieren und genauso muss es die Natur tun, je länger ich mich aufhalte und die Natur bitte mich in ihr aufhalten zu dürfen, desto mehr nähern wir uns wieder an. Klingt irgendwie esoterisch und vielleicht ist es das auch aber ich geh jetzt wirklich schon sehr lange in die Natur, hab im Wald und Gebirge fast alle Wetterausprägungen und Jahreszeiten erlebt. Hab gesehen wie Wälder fielen und sie wieder wuchsen, hab gemerkt was sich an den Tieren und Pflanzen verändert. Vieles davon ist intuitiv und lässt sich schlecht bis gar nicht in Worten erklären in einem Forum erst recht nicht. Aber so ist es wie es ungefähr empfinde.

  • Ich verstehe wie du es meinst.
    Wenn ich länger nicht mehr draussen war bewege ich mich wie ein Trampeltier. Je länger oder öfter ich draussen bin verändert sich mein Gang und meine Wahrnehmung.
    Othmar, mein Bruder, sagte mir ich sei am ersten Tag auf der Jagd umher getrampelt dass sicher jedes Tier einen grossen Bogen um uns machte. :)

  • Ich hab mich schon an Wild bis auf 3-4 m genähert und hatte Rotkehlchen auf meinen Händen. Es ist wie vorher schon gesagt wurde sehr davon abhängig wie man sich verhält und wie man sich bewegt. Keine hektischen Bewegungen, kein "Spannerschleichen". Was ich damit meine ist, dass man nicht mit Sensationslüsternem Geiste sich wie ein Fremdkörper durch die Natur bewegt, sondern mit einem freien Geiste als wäre es das natürlichste auf der Welt mit ebenso natürlichen Bewegungen geht.
    Knallharte Rationalisten sollten ab hier abschalten und nicht mehr weiterlesen: Ich bin der Auffassung, also zumindest so habe ich es erlebt, dass selbst in unserer Kulturlandschaft, es ein überall ein Wachsen in Richtung Einheit gibt, überall wo man sie lässt verheilen alte Wunden. Wildniss entsteht jede Sekunde neu. Jeder Quadratmeter der nicht unter permanenter Bewirtschaftung steht, fängt an sich wieder sich selbst zu überlassen werden. Ich vergleiche es gerne mit alten Häusern. Als diese Häuser gebaut wurden, musste der Boden planiert werden und es entstand eine Narbe in der Landschaft, mit der Zeit jedoch hat sich das Haus organisch in die Landschaft eingefügt, es ist mit ihr verschmolzen. Genauso ergeht es mir wenn ich unten im Sumpf bin die Vögel beobachte oder allgemein eine längere Zeit in der Natur bin. Zuerst bin ich ein Fremdkörper, ich muss mich zuerst akklimatisieren und genauso muss es die Natur tun, je länger ich mich aufhalte und die Natur bitte mich in ihr aufhalten zu dürfen, desto mehr nähern wir uns wieder an. Klingt irgendwie esoterisch und vielleicht ist es das auch aber ich geh jetzt wirklich schon sehr lange in die Natur, hab im Wald und Gebirge fast alle Wetterausprägungen und Jahreszeiten erlebt. Hab gesehen wie Wälder fielen und sie wieder wuchsen, hab gemerkt was sich an den Tieren und Pflanzen verändert. Vieles davon ist intuitiv und lässt sich schlecht bis gar nicht in Worten erklären in einem Forum erst recht nicht. Aber so ist es wie es ungefähr empfinde.

    Das ist sehr schoen und richtig geschrieben. Wenn ich auf die Jagt gehe "ruhe" ich mich erst mal aus wenn ich den Truck verlassen und bereit zur Jagt bin. Das geschieht in dem ich mich ruhig irgedwo hinsetze oder stelle die Augen zumache und nur hoere was um mich herum los ist. Langsam wede ich so eines mit der Natur und ich kann fuehlen wie sich in mir eine Wandlung vollzieht in der unsere Zeitmessung keine Funktion hat.


    Dieser Prozess hat am Anfang lange gedauert, bis zu einer Stude. Heute, nach vielen Jahren des Jagens dauert es nur ein paar Minuten. Die Verwandlung zum Jaeger (Predator) ist so stark das ich es fuehlen kann wenn andere Tiere in der Naehe sind ohne diese gesehen oder gehoert zu haben. Auch meine Augen und Ohren weden schaerfer. So sehe ich dinge fuer die ich normalerweise erst meine Brille Aufsetzen muesste auch kann ich Geraeusche hoeren die ich normalerweise als 45% Tauber gar nicht warnehmen kann. Auch gab und gibt es immer wider Faelle wo ich sogar Tiere riechen kann und es sind nicht nur Stinktiere, Hirsche in der Brunst oder Baeren in Hitze.

    Wenn Du nicht für Deine Freiheit kämpfen willst, hast Du auch keine verdient.
    Folge nicht den Spuren Anderer, gehe Deinen eigenen Weg und hinterlasse Deine Spuren.

    Edited once, last by Huntwriter ().

  • Ich glaube dann sollte ich hier am Niederrhein besser zuhause bleiben oder nur im Park basteln, Feuer machen usw. Die "Natur" hier ist ja doch ziemlich kleinräumig.
    Vor allem wird sie bewirtschaftet, da spielt natürlich die Forstwirtschaft eine Rolle, der Freizeitwert (Reitwege führen oftmals quer durch potentielle Ruhezonen) und vor allem die Jagd. Jäger beeinflussen die Natur zu ihren Gunsten: der Fuchs wird stark dezimiert damit die immer wieder eingeschleppten naiven Jagdfasane lange genug überleben, und die essbaren Wildarten werden gerne zugefüttert. Als ob hier überhaupt so viele Rehe leben könnten, wenn es keine Futterplätze gäbe... Das hat alles mit der erwünschten Jahresstrecke zu tun und weniger mit behutsamem Eingreifen in ein funktionierendes Ökosystem; es erinnert schon an Nutztierhaltung.
    Natürlich schäme ich mich, wenn Rehe oder Hasen wegen mir mal ein gutes Stück weit flüchten, und ich muss nicht immer auf Teufel komm' raus die verstecktesten und wildesten Winkel durchstreifen. Aber manchmal reizt mich z.B. die Spurensuche, und wo sucht man wohl nach Spuren? Am besten da, wo das Wild zuhause ist.

  • Da muß ich Schwefelporling Recht geben.
    Wenn man sich die Waldflächen hier am Niederrhein anschaut. die die sind von Wegen durchzogen wie die Stadt New York. Von oben nach unten und von links nach rechts alle 50m.
    Wer das nicht glaubt kann sich das gerne auf Google Earth anschauen z.B. die Leucht in der Nähe von Xanten oder den Bracher Wald bei Brüggen.
    Da sind die großflächigen Waldgebiete in Rheinland Pfalz (Soonwald), in der Eifel oder im Osten der Republik schon ne ganz andere Hausnummer.


    Gruß
    KH


  • Wieso leben hier Fasane?

    ...weil sie eingeführt wurden. Aber darum ging es glaube ich nicht, denn Fasane sind jetzt nicht gerade die klassischen Waldbewohner....


    Zum Rehwild: Ich habe im Abschussplan mittlerweile 18 (!) Rehe stehen, letztes Jahr noch 14, aber hier sind einfach so viele - ohne Fütterung etc. wohlgemerkt! Ich komme da kaum hinterher, bin zwar nicht allein, aber auch mit meinen Mitjägern ist das ne sportliche Angelegenheit. Ist sicherlich woanders anders, aber hier hat das nix mit Nutztierhaltung zu tun, sondern mit nachhaltiger Nutzung des natürlichen Zuwachses an Wild. Fasane haben wir ein paar, werden geschont, aber auch nicht weiter gepäppelt (ebenso Hasen). Den Rebhühnern 8auch geschont) werfe ich ab und an mal etwas Pferdehafer hin im Winter, ansonsten lasse ich die auch nur in Ruhe und erfreue mich dran. Wir haben keine Fütterung, keine Fasanenschütte, nur 2 Kirrungen für Schwarzwild (die wir selten beschicken). Aber wieso nicht einfach pauschalieren und irgendwas verteufeln was man nicht im vollen Zusammenhang versteht? Macht heute doch jeder...

  • Weil die mal ein paar Schwachmaten ausgesetzt haben. Gleiches gilt für Minks, Waschbären, Marderhunde.


    Luchs und Wolf müsste man wohl auch teilweise dazu zählen, zumindest ist das einkaufen im Osten und hier aussetzen nicht unbedingt Öko.


    Eine ganz besondere Gruppe Menschen die sich keinen Kopf gemacht haben und nur an sich gedacht haben.


    Mein Statement gilt nur den Dingen die zur Jagd genannt wurden, da pauschalisierte Aussagen über eine Großgruppe Menschen auch mal etwas vorsichtig gemacht werden sollten. Ansonsten kann ich auch gleich Jeden hier für langfristige Massenvernichtung in der Natur beschuldigen, für Kindermissbrauch und die Verletzung, Gefährdung und Mord an anderen Menschen.


    Jeder Autofahrer ist eigentlich gemeingefährlich, immerhin sterben wegen dem Autofahrer im Jahr über eine Mio. Menschen.


    Das das Wild schon aufgrund unserer Zersiedelung idR permanent beunruhigt ist, sollte klar sein.


    Ich will hier nicht nur als Pro-Jagd-Verfechter dastehen, deswegen werde ich mich in Zukunft was das angeht mal zurück halten.


    Mein Angebot an jeden sieht immer wie folgt aus: teilhaben und Einblick bekommen. Mich hat von Dutzenden Leuten die mich unbedingt auf die Jagd begleiten wollten, teilweise harsche NABU-Leute, nie einer begleitet.

  • Ich wollte auch nicht die Jagd pauschal kritisieren, nur nebenbei bemerken, wie stark von einigen Jägern doch das "ökologische Gleichgewicht" zu ihren Gunsten verlagert wird. Die Tollwut z.B. ist quasi besiegt, man könnte ruhig weit mehr Füchse leben lassen.


    Trotzdem gibt es eine Menge Jäger, die so viele töten, wie sie können; z.B. auch schon die Welpen im Bau. Grund: Vorurteile und extreme Begünstigung etwa der Fasane. Auch läßt man eher mal Schalenwild etwas länger leben, bis die Trophäen stattlicher ausfallen.



    Die je nach Revier zum Teil übermäßig auftretenden Rehe können natürlich nichts dafür, daß man ihnen in der Natur automatisch sehr nahe kommt. Aber so stört man sie ziemlich leicht, vor allem in Flachland- NRW. Was soll man da machen? Wie schon bemerkt wurde, kann man zwar eine Art entwickeln, sich durch die Natur zu bewegen, die Rehe und andere Wildtiere nicht immer in Panik versetzt.


    Ein freilaufender Hund, der schlecht erzogen wurde, ist da schon verheerender. Aber Störungen kann ich nicht ganz vermeiden; die im Eröffnungspost genannten Einschränkungen würden hier bedeuten, daß ich auf den Wegen bleiben soll.


    Das hat mich etwas irritiert... bei allem Respekt für die Natur, entweder man läuft gerne im Wald rum oder man fragt sich "darf ich das überhaupt?", "störe ich vielleicht?" und bleibt dann lieber zuhause. Die Freunde der sonntäglichen Taubenbrust gehen einfach raus in den Wald, ebenso die klönenden Westernreiter, die Kettensägenfraktion... aber ein ruhiger, besonnener Typ ohne Hund, der hier den Krähen zuguckt und da etwas Harz abkratzt, schämt sich dafür?

  • Ich finde, man sollte das ganze Thema nicht allzu sehr verherrlichen oder stilisieren. Unsere (deutschen) Wälder sind nicht nur Ökosystem, sondern auch Wirtschaftsraum, in dem und aus dem viele Menschen ihren Lebensunterhalt erwirtschaften. Unser Kulturraum "Wald" ist durch diese Bewirtschaftung seit Jahrhunderten geprägt und geformt worden. Eine sinnvolle Bewirtschaftung ohne forstliche Monokulturen, ohne übertriebenem Tierbestand ist ohne den dauernden Eingriff des Menschen nicht mehr möglich.


    Ob jetzt Wolf, Luchs und Co. in diesen Wäldern Sinn machen oder nicht, vermag ich nicht zu entscheiden. Es gibt mit Sicherheit den ein oder anderen Jäger, der diese als Konkurrent sieht. Wenn ich allerdings die "Schwarzwildseuche" bei uns in der Gegend anschaue, könnten ein paar natürliche Feinde nix schaden!


    Ich mache mir auch nicht allzu viele Gedanken, wenn mal ein Hase oder ein Reh vor mir flüchtet. Wenn ich es nicht versuche zu hetzen, wird es wohl auch nicht stundenlang vor mir ausbüxen und sich damit selber zu Tode hetzen. Versucht doch einfach vermeintliche Ruheräume und Unterstände zu meiden, nicht mit Absicht Fährten bis aufs Äußerste zu verfolgen und Euch vorallem in strengen Wintern so zu verhalten, wie es Euch (hoffentlich) Euer gesunder Verstand als Bushcrafter sagt! Da muss man nicht endlos über Sinn und Unsinn von Tierbeständen, Jagd als solches usw. diskutieren. Es heißt nicht umsonst "...dem Wild nachstellen". Wenn ich das nicht mache und mich ruhig verhalte, eventuell mich noch etwas mehr ruhig und besonnen zurücknehme, füge ich auch flüchtendem Wild keinen Schaden zu!


    Ich bin kein Jäger, aber ich befürworte die Jagd. Nicht zuletzt aus dem egoistischen Grund, gerne Wild zu essen. ...und ein natürlich gewachsenes Stück Wild ist mir tausend Mal lieber, als das künstlich gemästete Etwas, das uns heutzutage so als Fleisch dargeboten wird!!! Einer gewissen Faszination dieses uralten und traditionellen Handwerks mit der schließlich ältesten Fachsprache der Welt, kann ich mich auch nicht entziehen, da bin ich ehrlich! Der Beruf des "Jägers" ist wohl neben einem anderen, hauptsächlich von Frauen ausgeübten Beruf :unschuld der älteste der Menschheitsgeschichte!


    Man möge mich kritisieren, aber so sehe ich das nun mal und stehe auch dazu!!!


    Lederstrumpf

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    Wer immer mit der Herde geht, kann nur den Ärschen folgen!

  • Lederstrumpft hat den Sprichwortlichen Nagel auf den Kopf getroffen mit diesem Satz "Ich mache mir auch nicht allzu viele Gedanken, wenn mal ein Hase oder ein Reh vor mir flüchtet."


    Tiere sind gar nicht so schnell Gestresst durch uns wie wir immer Annehmen. Wilde Tiere, vor allem Beutetiere, sind es sich gewohnt immer auf der Hut zu sein und wegen jeder Kleinigkeit die Flucht zu ergreifen, es gehoert zu ihrerm Normalen Tagesablauf.


    Als ich noch in Amerika lebte habe ich an einer Untersuching teilgenommen in der man den Stressfaktor von Hirschen waerend der Jagdzeit messen wollte. Dies wurde mit Radio Halsbaendern gemacht um das Fluchtverhalten (Bewegungen) aufzuzeigen. Bei der Auswertung der Daten stellten wir fest das der Stressgrad der Hirsche nicht wesentlich vom Normalen abgewichen ist. Tiere sind Meisterhaft im sich den Gegebnheiten anzupassen, vielmehr so als Menschen.


    Menschen die sich Normal in der Natur verhalten haben keinen Einfluss aus das Befinden der Wildtiere. Auch wenn sie mal ein Reh oder Hase aufscheuchen der dann schnell die Flucht ergreift. Normalerweise rennen Wildtiere nicht sehr weit, sondern jur bi sie aus der "Gefahrenzone" raus sind, von dieser Sicheren Distanz beobachten sie den die richtige oder vermeitliche Gefahr.

    Wenn Du nicht für Deine Freiheit kämpfen willst, hast Du auch keine verdient.
    Folge nicht den Spuren Anderer, gehe Deinen eigenen Weg und hinterlasse Deine Spuren.

    Edited 2 times, last by Huntwriter ().

  • Quote

    Normalerweise rennen Wildtiere nicht sehr weit, sondern nur bis sie aus
    der "Gefahrenzone" raus sind, von dieser sicheren Distanz beobachten sie
    dann die richtige oder vermeintliche Gefahr.

    Stimmt; gerade im Wald halten sie weite Fluchten nicht für nötig, auf dem Feld kann das schon mal anders aussehen. Meistens sieht man im Wald trotz Deckung noch ganz genau, wohin ein Fasan oder Reh geflüchtet ist. Oft weniger als 100m weit.
    Wenn man von Rehen aus über 100m Entfernung gesehen wird, hat man ja noch eine gute Chance, sie gar nicht erst flüchten zu lassen- so lange man sie nicht eindeutig belauert, aggressive Bewegungen macht usw. Die gucken einfach eine Weile, merken sich wo man ist (um fluchtbereit zu bleiben), und fressen dann erstmal weiter.


    Ich wollte weiss Gott nicht eine pro oder contra Jagd- Diskussion vom Zaun brechen, sondern nur anmerken, daß bushcrafter und andere "zivile" Naturinteressierte längst nicht die Einzigen sind, die sich durch die Reviere des Wilds bewegen, und dort auch nicht am stärksten stören oder Einfluß nehmen. Auch und vor allem hier, nahe der Ballungsräume von Rhein und Ruhr.

  • Normalerweise rennen Wildtiere nicht sehr weit, sondern jur bi sie aus der "Gefahrenzone" raus sind, von dieser Sicheren Distanz beobachten sie den die richtige oder vermeitliche Gefahr.


    Das kann ich so nicht bestätigen !


    Letztes Jahr als im Februar bei uns noch Schnee lag, gingen wir Samstagmittags auf die Prisch.


    Wir machten dabei eine Rotte Sauen mit 7 Stücken auf, die vollgas gaben.


    Als wir diese dann fährteten, gingen die durch den halben Wald über Wege und Dickungen bis zu einem anderen Einstand der über 2 Km Luftlinie von dem Erstkontakt entfernt war.


    Weil wir viele Besucher im Wald haben, nimmt das Wild eine laute Person besser wahr, und es wird gemütlich davon ziehen oder bleibt weiterhin stehen und beobachtet.


    Andererseits ist das heimliche anschleichen, dass das Wild nicht klar wahrnehmen und zuordnen kann, der Auslöser für eine Flucht.



    In sehr ruhigen Wäldern reicht das knacken eines Ästchen schon aus, damit das Wild abspringt und sich nicht mehr sehen lässt.




    Quote

    Wenn man von Rehen aus über 100m Entfernung gesehen wird, hat man ja noch eine gute Chance, sie gar nicht erst flüchten zu lassen- so lange man sie nicht eindeutig belauert, aggressive Bewegungen macht usw. Die gucken einfach eine Weile, merken sich wo man ist (um fluchtbereit zu bleiben), und fressen dann erstmal weiter.



    Chance nicht flüchten zu lassen ?


    Ich glaube nicht dass man auf die Entfernung von Rehen gesehen wird, wenn überhaupt gehört oder gerochen je nach Windrichtung.


    Wenn sie etwas wittern oder hören, bleiben die erstmal stehen bis sie den Störfaktor genau lokalisieren können und machen mit einer Scheinäsung weiter.

  • Fuer Wilschweine sind 2 Kilometer keine lange Distanz. Normalerweise gehen aber auch Wildschweine nicht so weit weg, ausser wenn sie verfolgt werden, wie z.B. auf der Pirsch, und dann noch mit mehreren Jaegern, was dem Jagdverhalten von Woelfen gleichkommt.


    Das "heimliche Anschleichen" ist das verhalten eines Raubtieres und darauf reagieren Tiere anderst als wenn sie nur mal eben ueberrascht werden. Daher habe ich schon vor vielen Jahren die schleichende Pirschen aufgegeben und dafuer ein Bewegungsmuster angenommen das mehr dem des Wildes gleicht. Ein paar Schritte laufen und stehen bleiben und wider ein paar Schritte gehen. Seit ich das so mache sehe ich viel mehr Wild als wenn ich Schleiche.

    Quote

    In sehr ruhigen Wäldern reicht das knacken eines Ästchen schon aus, damit das Wild abspringt und sich nicht mehr sehen lässt

    Unsere Untersuchungen haben ergeben das sich Rehe, Hirsche und anedlich ueber fast alles Erschrecken, vom Aestchen knacken ueber die Eichel die aus einem Baum faellt bis hin zum Hasen der raschelnd duchs Laub rennt. Wie in meiner obigen Posting erwaehnt sind Beutetiere sehr Aufmerksam und reagieren auf alle Ueberraschungen mit Flucht. Nur weil sie sich nicht mehr Sehen lassen heisst das noch lange nicht das sie nicht mehr da sind. Tiere sind wahre Meister im sich tarnen. Unsere Untersuchungen haben ergeben das sie selten weit rennen und dann Beobachten. Die selben Untersuchungen haben gezeigt das mehr Menschen von Tieren Beobachted wurden als Menschen Tiere sehen. In vielen Faellen wurden Menschen beobachted von Tieren aus naechster Naehe ohne das der Mensch das Tier gesehen hat oder gar von deren Gegenwart wusste.


    Tiere kennen ihre "Heimat" sehr genau, besser als der Mensch der dort Wandert oder Jagd, und daher Wissen sie sehr genau wo sie hin muessen um Menschen auzuweichen. Auch haben Tiere gelaernt das der Mensch in der Regel ein Gewohnheitstier ist der immer das selbe macht und die selben Wege geht, dieses Wissen nutzen die Tiere zu ihren Gunsten aus.

    Wenn Du nicht für Deine Freiheit kämpfen willst, hast Du auch keine verdient.
    Folge nicht den Spuren Anderer, gehe Deinen eigenen Weg und hinterlasse Deine Spuren.