Pfälzer Sagenweg

  • Wo fängt man an wenn man eine Wanderung gemacht hat die einen 90 Kilometer durch wunderbare Natur geführt hat? Wie erklärt man dem Menschen der es nicht selbst gemacht hat was man alles gesehen hat? Wie beschreibt man seine Gefühle wenn man selbst nicht immer alles so einordnen kann wie man es gerne würde? Am besten fängt man von vorn an, arbeitet langsam alles ab und hofft das die Dinge die man schreibt interessant erscheinen! Ich werde nicht auf alles eingehen was wir gesehenhaben, dafür waren es einfach zu viele Eindrücke! Wer wirklich die volle Bandbreite erfahren will der möge sich mit einem Weizen (und einem Cola Weizen für mich :D) auf einem Treffen bei mir melden und viel Zeit mitbringen!


    Die Planungen für diese Reise waren gelinde gesagt lächerlich. Wir (meine Freundin und ich)hatten eigentlich geplant ein paar schöne Tage auf einem niederländischen Campingplatz an der Nordsee zu verbringen. Für mich sind es einfach diese 0815 Urlaube wie man sie immer haben kann. Man baut sein Zelt auf, guckt sich die Umgebung an, sammelt ein paar Eindrücke und lässt sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Nun frage ich mich bei solchen Urlauben immer was ich von der Umgebung gesehen habe? Ich habe die Touristischen Highlights abgearbeitet,
    durch den einen oder andere Abstecher noch ein schönes Örtchen kennen gelernt aber nicht wirklich über den Tellerrand geschaut! Wie leben die Menschen an einem solchen Ort? Was sind lokale Bräuche? Wo gehen die Einheimischen hin um etwas zu sehen? Was Essen sie? Das mögen einfache Fragen sein aber genau DAS macht einen Urlaub für mich aus! Ich möchte das Land (die Umgebung) in der ich mich bewege bewusst wahrnehmen, erleben und kennen lernen. Da ist es mit einer Stadtrundfahrt nicht getan und auch der Fremdenführer zeigt mir lang noch nicht
    alles! Ferner ist man dermaßen unflexibel das mir allein die Tatsache schon immer unangenehm aufstößt! Man mietet sich 2 Wochen eine Ferienwohnung oder einen Zeltplatz, bucht nen Hotel oder quartiert sich in einem Apartment ein. Gefangen im Urlaub, Pauschaltourismus!


    Wir sahen eine Reportage über die Vogesen, Naturpark Pfälzerwald / Nordvogesen, Deutschland! Meine Freundin bekam glänzende Augen „oder doch da hin?“! Für mich stand der Entschluss eigentlich schnell fest… NATÜRLICH da hin! Man ist flexibel (Backpacker), sieht eine ganze Menge, schaut über den Tellerrand, kommt mit Menschen in Kontakt und ist eben NICHT die Nummer 128563 am Buffet!


    Gut, nun stellte sich die Frage was es noch zu besorgen galt. Klar musste für meine Freundin noch eine gescheite Hose her und auch ein Top für einen solchen Trip will besorgt sein (wenn das jemand mit nem baumwoll T-Shirt machen möchte gut, ich wünsche viel Vergnügen). Hier sollte man anmerken das wir noch genau 4 Tage Zeit hatten bis es los ging. Auch ein zweiter Rucksack (65 Liter) konnte organisiert werden und diverser Kleinkram (den es beim Outdoorausstatter meines Vertrauens zu Hauf gibt) kam auch noch mit in die Einkaufstüte. So hatten wir dann hinterher allerlei Krims und Krams zusammen (wovon ich NICHTS mehr abgeben möchte) und es ging nun an die Nahrungsmittel.


    Was nimmt man mit wenn man sich 4 Tage durch die Vogesen bewegt, wenn man nicht genau weis ob es nun einen Supermarkt auf dem Weg gibt oder nicht, wenn es schmecken soll, nicht zu viel wiegen darf und auch noch umfangreiche Nährwerte abdecken soll? Klaro… Babynahrung, einzeln verpacktes Brot, eine Trangia Dose voll mit diversen Aufstrichen und Kleinkram (etwas Luxus darf schon sein!), Milchpulver, Müsli, Trockenobst, ein paar Asiasuppen, Müslikuchen und Riegel (die sind toll wenn man mal motiviert werden möchte), Kaffee und als besonderes Schmankerl neben Erbswurst noch 2 Packungen „Globe Meal“ (Fertignahrung, Wasser drauf, fertig… aber in vielen verschiedenen Sorten und echt lecker!). Kurz noch mal zur Babynahrung, das war kein Witz… es gab zum Frühstück jeden Tag Grießbrei mit Butterkeksen (das gibt’s schon so zu kaufen) für Kinder ab dem sechsten Monat mit Trockenobst. Das Zeug ist warm, stopft, hat alles was man braucht, ist einfach
    in der Herstellung und schmecken tuts auch noch. Für mich auf der Tour ein Allrounder!


    Neben der Nahrung mussten wir natürlich auch zusehen das wir genügend Wasser dabei haben. Pro Kopf 3 Liter + 1,5 Liter zum Kochen! Das Wasser kann man auf der Tour übrigens wunderbar auffüllen haben wir festgestellt! So kommt dann also ein Kilo zum anderen und ich hatte schließlich stolze 17 Kilo auf dem Rücken (meine Freundin stand mir mit 14 Kilo aber nur unwesentlich nach)… Eine Hausnummer die man sich
    erstmal auf der Zunge zergehen lassen muss und die man auch nicht „mal eben“ von Pontius nach Pilatus durch die Nordvogesen schleppt! Hier kommt es drauf an das alles passt! Der Rucksack muss zu Euch passen, gut anliegen, sich quasi mit Euch verbinden! Tut er dies nicht habt ihr ein Problem, dann wird aus einer solchen Tour nämlich eine Tortour und ihr habt mehr Ärger als schöne Momente (wenn ihr es wirklich durchhalten solltet).


    Der Tag der Abreise konnte also kommen. Das Zelt war verstaut, die Schlafsäcke, Isomatten, das Essen, der Kocher, Nahrung, Spiritus, Wasser, und und und! Jetzt kann ich es schon sagen: mir war in der Nacht vor dem Trip richtig schlecht… ich habe mir nicht zugetraut eine solche Strecke zu laufen! Auch habe ich nicht geglaubt das meine Freundin (die ja noch weniger wandert als ich) die Strecke läuft. Wir dürfen nicht vergessen das wir hier von einer Strecke von 90 Kilometern sprechen. Das ist nicht der kleine Spaziergang von 3 Kilometern durch den
    Stadtwald! Apropos Spaziergang! Man ist ja bekanntermaßen Cacher (ich weis nicht wie es mit Euch so ist aber ich würde mich schon da in die Ecke stellen :D) und da guckt man dann auch mal ob es auf der Strecke EVENTUELL auch den einen oder anderen Cache gibt den man finden kann (das war jetzt genau 12 Stunden vor Abfahrt…) und stellt dann mit erschrecken fest das es einen gibt „Felsenland Sagenweg“. Ein Cache über knapp 90 Kilometer… mit sage und schreibe 31 QTA Stationen + Final. Wenn man schon mal da ist… Ich wollte ja erst auf dem gesamten Sagenweg nur ein paar einzelne Döschen einsammeln, so hatte ich dann gleich noch einen Wanderführer UND eine Motivation… Ich wollte diese Dose finden!


    Am ersten Tag ging es also dann in Dahn los, nachfolgenden Wanderern kann ich nur empfehlen sich die Broschüre „Sagen und Legenden am Sagenweg“ in der heimischen Touristik Info zu besorgen (Kostenpunkt 3,50). Mit dieser Bröschüre macht das Wandern noch mehr Spass denn man weis warum der „Jungfernsprung“ so heißt, was es mit dem „Wachtfelsen“ auf sich hat und was zu tun ist wenn man einer „Elwetritsche“ über den Weg läuft. Hier möchte ich noch mal an den ersten Artikel erinnern. Genau dafür mache ich doch Urlaub… um die Dinge der Umgebung kennen zu lernen, um etwas über das Land zu lernen in dem ich mich befinde. Damit ich verstehe was die Leute in diesen Breiten sich so erzählen. Der gemeine Tourist fährt am „Jungfernsprung“ vorbei, quittiert alles mit einem „Netter Stein“ und vergisst
    es auch schon wieder. Wer liest behält das gelesene länger im Kopf!


    Es war echt eine Qual, das Thermometer zeigte 26 Grad, die Luftfeuchtigkeit war unerträglich hoch und der Rucksack war nach den ersten 100 Metern doch schwerer als erwartet, dennoch gab es einen Weg zu gehen! Man kann ja nicht vorher große Töne spucken das man den Sagenweg läuft und dann doch den Schwanz einziehen… Der Weg führte uns zum Jungfernsprung, einem gewaltigen Felsen in Dahn, zum
    ersten mal setzte ich den Rucksack ab, langsam fand ich Gefallen an dieser Quälerei denn der Blick der sich mir bot entschädigte schon für viel! Wir waren natürlich fast ausschließlich Berg auf gegangen, dementsprechend lag Dahn nun zu unseren Füßen und zum ersten mal keimte zumindest etwas Hoffnung in mir auf diese Wanderung doch bis zum Ende zu laufen.


    Wie ich schon am Anfang sagte kann ich nicht auf jeden Ort einzeln eingehen, das würde auch einfach zu viel! Der Jungfernsprung blieb mir auch nur so in Erinnerung da es der Anfang war, ein Highlight was mir kurz nach dem Start zeigte das es sich lohnt diesen Weg zu laufen!


    Gesehen haben wir eine ganze Menge, die Felsformationen im Pfälzerwald die sich Meterhoch auftürmen und abstrakte Formen annehmen begleiteten uns auf der gesamten Reise, wir liefen durch den Wald, bogen um die nächste Ecke und schon standen wir wieder vor einer solchen „natürlichen Statue“. Klar gibt es hier im Sauerland auch Felsformationen (siehe Pater und Nonne), aber in dieser Fülle habe ich sie
    bisher selten gesehen und jedes mal blieb ich stehen und staunte ob der „natürlichen“ Schönheit! Hier seien besonders die Felsen „Jungfernsprung“, „Sängerfelsen“, „Wachtfelsen und die Formation „Braut und Bräutigam“ genannt, letztere ließen mich besonders staunen!


    Auch Burgen gab es einige, vielmehr waren es Ruinen. Wer mich kennt weis das ich ohnehin ein Fan mittelalterlicher Geschichte bin, hier bot sich Geschichte zum anfassen! Gleich am ersten Tag kamen wir an der Ruine „Neudahn“ vorbei, diese wurde jedoch (wie alle anderen Ruinen der Tour) durch die Ruine „Altdahn – Grafendahn – Tanstein“ in den Schatten gestellt. Hier wusste ich dann definitiv das ich die Tour laufen MUSS! Ich war voll in meinem Element und hatte glaube ich von dem Moment an (als wir von der Ruine abstiegen) ein grinsen im Gesicht (welches von diversen Steigungen und Flüchen gelegentlich allerdings erlosch). Diverse Ruinen kamen mir auch durch die bereits gelaufene „7 Burgentour“ schwer bekannt vor, was nicht heißen soll das sie weniger interessant waren. Ich habe sicherlich noch Dinge gesehen die ich bei meinem ersten besuch nicht wahrgenommen habe.


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    miteinander-füreinander


    Als ich den Schädel im Wald fand, rief ich zuerst die Polizei. Aber dann
    wurde ich neugierig. Ich hob ihn auf und fragte mich, was das für ein
    Mensch war und wieso er ein Hirschgeweih trug.


  • Landschaftlich war es (wie von mir erwartet) auch sehr schön! Es ging nicht nur über Waldautobahnen sondern eben auch über Singletrails
    diverse Berge und Felsen hoch um dann auf Bergrücken mit gewaltiger Aussicht belohnt zu werden. Selten fühlte ich mich der Natur so nah wie
    auf diesem Trip! Man hörte weder den Lärm von Autos noch Flugzeuge, schreiende Kinder oder Wandergruppen. Es war die absolute stille die
    mich faszinierte. Hier und da durchbrochen von dem Gesang einzelner Vögel oder durch die Arbeit eines Spechts, toll! Auch hier fiel mir
    wieder auf das der Wirtschaftswald den wir in Deutschland zu Hauf vorfinden mit überschreiten der Grenze abklingt und man in ganz anderen
    Waldgebieten steht. In Frankreich wirkt der Wald einfach ein Stück weit „Wilder“. Nichts steht in reih und Glied und wenn mal ein baum
    umgefallen ist wird er eben liegen gelassen, hier sind uns die Franzosen vielleicht sogar ein Stück weit voraus und das nicht nur was die
    natürliche Schönheit angeht!


    Die Menschen im Bereich Pfälzerwald waren der Hammer! Egal wo wir lang liefen, wir wurden mit offenen Armen, Gastfreundschaft, Interesse, Wehmut (dazu gleich mehr) und einer Freundlichkeit empfangen die ihresgleichen sucht! Man fragte uns nicht nur einmal ob wir
    Wasserflaschen hätten die man auffüllen könne, gab uns gleich kostenlos eine neue Flasche Wasser im tausch gegen die leere oder lud uns auf
    dem einzigen Campingplatz auf dem wir waren zum Grillen ein, das habe ich noch nie erlebt, ganz neu, aber genial! Auf dem Campingplatz sprach uns auch eine ältere Dame an die wohl schon alle Kontinente bereist hatte. Sie erzählte uns das sie es ja bewundern würde wenn man ein Land mit Rucksack bereist, man sieht mehr, erfährt mehr und wird ganz anders wahrgenommen wie der Pauschaltourist, könne sie noch einmal die Reisen machen würde sie es wohl auf unsere Art tun! Ich habe jetzt noch Gänsehaut wenn ich an das Gespräch denke, auch hier fand ich wieder Bestätigung das „unsere“ Art der Reise genau das richtige war!


    Jedoch gab es nicht nur Glanzzeiten. Ich habe schon das eine oder andere mal eine Dusche vermisst (die meisten Seen an denen wir vorbei liefen waren nicht mehr wie Tümpel, brackige Tümpel…) und auch sonst wäre mal Wasser aus der Wand ganz schön gewesen! Auch hat mich nach 3 Tagen Marsch der ewig gleiche Einheitsbrei (das Essen schmeckt nun mal anders als daheim und zwar nicht immer besser) wirklich
    genervt, im nachhinein vermute ich einfach das ich zu verwöhnt bin was das angeht. Das waren aber auch schon die einzigen beiden Punkte die mir auf Anhieb einfallen…


    Ich habe auf dieser Reise Respekt vor der Natur gelernt! Zum einen lag ich des Nachts im Zelt als plötzlich ein Gewitter über uns hinweg zog. Erst dachte ich es zieht vorüber, dann jedoch wurde es Ohrenbetäuben! Die Blitze zuckten, der Donner ließ das Zelt wackeln und der Regen war so laut das man sein eigenes Wort nicht mehr verstand, ich gebe zu das ich in dem Moment (es war nun mal weit und breit keine Menschenseele) richtig Schiss hatte. Da bekommt man dann mal einen Blick zur Natur den man Daheim im warmen Kämmerchen wahrscheinlich nie so wahrnimmt. Zum anderen wurde ich ob der „natürlichen Schönheit“ hier und dort schier erschlagen. Es gab mir irgendwie ein Stück Freiheit…


    Der Regen hörte auch den Morgen über nicht auf, ich war am Ende, genervt und vor allem Nass bis auf die Knochen! Wir stapften eher Lustlos die nächste Anhöhe hoch und schauten über die dampfenden Wälder, dann jedoch fiel der entscheidende Satz „weiste das wir es geschafft haben? Letzte Station!“. Sofort wich dem langen Gesicht ein Grinsen! Ich hätte fast den Rucksack in den Schlamm geschmissen, habe mir das
    ob der Tatsache das es nicht meiner war aber dann gekniffen und mich einfach so gefreut! Jetzt ging es ans zusammenzählen, ausrechnen, abgleichen… alles passte! Es ging zur Dose welche ich schnell in den Händen hielt.


    Noch einmal überlegte ich was ich alles gesehen hatte, erlebt habe, was für eine Zeit es war, welche Menschen ich sah und mit wem ich sprach. Ich vermute das ich in dem Augenblick ein ganzes Stück gewachsen bin! Ich hatte einen Geocache gefunden der voraussetzt das man 90 Kilometer läuft… eine Tour die mir ewig in Erinnerung bleiben wird! Ein Cache der mir mehr gegeben hat als nur den Punkt auf einer Homepage. Eine Wanderung die mich der Natur ein Stückchen näher brachte!


    Mit Tränen in den Augen signierte ich das Logbuch, (es kann auch Wasser gewesen sein…) schrieb ich einen nichtssagenden Satz hinein, haute meinen Stempel rein und dachte mit Freude und Wehmut an das was hinter uns lag. Danach verstaute ich alles wieder ordentlich, tarnte das Versteck und musste einsehen das unsere Reise hier ein Ende hatte…


    DAS ist URLAUB!












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    miteinander-füreinander


    Als ich den Schädel im Wald fand, rief ich zuerst die Polizei. Aber dann
    wurde ich neugierig. Ich hob ihn auf und fragte mich, was das für ein
    Mensch war und wieso er ein Hirschgeweih trug.