Draussen sein, im Winter

  • Hallo,
    ich möchte hier, in kurzer Form, einen kleinen Leitfaden veröffentlichen, den wir neuen im Team an die Hand geben. Er wurde in Zusammenarbeit mit Alpinisten/Gebirgsjägern und einer Ärztin erstellt, erhebt aber in keinster Weise den Anspruch auf Perfektion oder Vollständigkeit. Es wurde ausschließlich vom Regel/Idealfall ausgegangen, daher gilt wie immer:


    "Ihre pers. Präferenz/Erfahrung kann abweichen, bei riesigen Nebenwirkungen heiraten sie Ihren Arzt und tun sie so als sein sie ein Apotheker!"


    Generelles über Kälte
    Im Winter ist der wichtigste Faktor, den Status Quo der Körpertemperatur von 36,0 bis 37,4 °C zu erhalten. Sinkt die Körpertemperatur unter 35°C reagiert der Körper und produziert Wärme durch automatisiertes Muskelzittern. Dies ist der Beginn der sog. Hypothermie. Dabei ziehen sich Blutgefäße in den Gliedmassen zusammen um die Durchblutung der äußeren Körperregionen zu reduzieren. Sinkt die Temperatur weiter, trübt sich das Bewusstsein ein. Diese Eintrübung kann bis zur sog. Kälteidiotie führen. In dieser Phase tritt bereits eine deutliche Abschwächung der Reflexe ein, das Zittern hört auf. Dies wird in Verbindung mit der Eintrübung oft fälschlicherweise als ein Zeichen der Erwärmung gesehen, in Wahrheit stellt der Körper das Zittern aber wegen Auswegslosigkeit ein. Wenn die Temperatur auf weniger als 28 °C absinkt, kommt es zu Ohnmacht, unter 28 °C fällt der Körper in einen Scheintod-ähnlichen Zustand. Ist man alleine, ist dies im Regelfall das Ende.


    Erkennen von Unterkühlung: Neben dem augenfälligen Zittern ist die Störung der Motorik ein klares Zeichen für Unterkühlung. Ist man nicht mehr in der Lage feinmotirische Fingerübungen zu machen (wie z.b. den "Mr Spock Gruss", oder die Hand flach strecken und kl. Finger und Daumen zusammenführen ohne die anderen 3 Finger zu krümmen), sollte man Massnahmen ergreifen.


    Der Körper kühlt auf vielfache Weise aus. Eine Bauernweisheit, die man auf den Mist werfen kann, ist, dass der Mensch 70% der Hitze über den Kopf verliert. Jederman(n) kann sich selbst ausrechnen, was die am stärksten durchblutete Extremität des Körpers ist.


    Wind ist ein weiterer entscheidender Faktor. Jeder kennt die Angabe "Gefühlte Temperatur" beim Wetterbericht. Diese gibt nicht nur an, wie unbehaglich man sich fühlt, sondern auch wie der Körper die Temperatur wahrnimmt. Wind sorgt extrem für Auskühlung, da er u.a. keine Bildung eines Kleinklimas zulässt. Die erfrischende Brise im Sommer kann im Winter den Unterschied zwischen kalter Nacht und Kältetod ausmachen. Ein Windgeschützter Unterschlupf ist die halbe Miete für eine ruhige Nacht.


    Feuchtigkeit ist ein Killer im Winter. Feuchte Kleidung, im Schneematsch stehen/arbeiten oder Schneeregen mit 15km/h kühlen die ihr exponierten Körperteile bis zu 20x schneller aus, als trockener Wind. Was für eine Belastung durchfeuchtete, verschwitzte Kleidung, die am ganzen Körper anliegt, hat, sollte sich jeder ausmalen können.


    Kontakt mit kalten Oberflächen ist ebenfalls ein Faktor. Ein jeder von uns hat mal als Kind den Satz "Bub, setzt dich nicht auf die kalte Steinplatte, da wirste krank!" gehört. Tatsächlich ist es so, dass vor allem Schnee (und wir reden ja vom Winter) und nasses, gepresstes Laub dem Körper bis zu 15x mehr Energie entziehen wie Holz oder trockener Stein.


    Kleidung
    Die Kleidung ist der essentielle Faktor im Winter, da sie das Fell ersetzt das wir vor Jahrtausenden verloren haben. Kleidung erfüllt 3 Aufgaben: Sie transportiert Feuchtigkeit weg vom Körper, sie isoliert die Körperwärme und sie schütz vor Wind und Nässe. In der Regel erfüllen diese Aufgaben 3 Lagen:


    1. Unterwäsche, aus Wolle oder Synthetikfaser (Baumwolle ist im Winter nicht anzuraten, trocknet zu langsam), die den Schweiss abtransportiert
    2. Eine Isolierende Schicht aus Wolle, Synthetifasern oder Daune, die die Wärme zurückhält
    3. Eine schützende Schicht, aus winddichter, imprägnierter Baumwolle, Laminatgewebe oder anderer Kunstfaser


    Die Kleidung sollte bequem geschnitten sein, leicht zu Beklüften und bedarfsorientiert tragbar sein. Es ist immens wichtig, dass die Kleidung schnell trocknet. Vor allem Unterwäsche wird IMMER klamm werden, sie darf es aber auf keinen Fall bleiben. Baumwolle ist hier, tatsächlich, die schlechteste Option. Auch das im Sport gehypte Coolmax ist zwar sehr gut, aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Moderne Kunstfasergewebe mit extrem geringer Oberfläche (und somit geringem Speichervolumen für Wasser) wie Seide, Polartec oder Lycraverbindungen sind der Baumwolle bei weitem vozuziehen. Aber auch Wäsche aus Merinowolle erfüllt ihren Zweck erstklassig.
    Als Mittelschicht ist eine Lage aus leichter, voluminöser Kunstfaser (oder Daune, dies ist eine Glaubenssache) ideal. Primaloft ist zur Zeit der Platzhirsch der leichten Isolierungen, aber auch GLoft und das mittlerweile in die Jahre gekommene HollowFill erfüllen ihren Zweck. Steppfutter, wie die altbekannte Kälteschutzjacke der BW, wärmen zwar auch, speichern aber auch Wasser wie ein Wischmopp. Ähnliches gilt auch für das Teddyfutter des BW Parkas. Eine Fleecejacke, zum Wechseln bei schwereren Arbeiten sowie ein Windshirt runden die Kombo ab. Softshell eignen sich nur bedingt als MidLayer, das sie die Abgabe der Feuchtigkeit behindern.
    Als letzte Schicht kommt die Aussenhülle, sie sollte stabil, Winddicht, Wasserdicht/Wasserabweisend und weit geschnitten sein. In trocken-kalten Gebieten hat sich auch Baumwollkleidung in Köperbindung, gewachst oder imprägniert, bewährt. Kunstfaser wie GoreTex ist ideal für nass-kalte Szenarien.
    Eine Wollmütze und Handschuhe runden das Set ab.


    Essen und Trinken
    Im Sommer muss man mehr drinken! Wer hätte es gedacht! Ergo, nach Adam Riese muss man im Winter mehr Essen, richtig? Falsch! Sowohl Winter als auch Sommer sind Klimazonen/Jahreszeiten, die erhöhte Flüssigkeitsaufnahme bedeuten. Durch den Kältereiz wird der Harndrang angeregt, man verliert mehr Wasser als sonst. Man kann getrost davon ausgehen, dass man im Winter annäherend soviel Flüssigkeit zu sich nehmen sollte wie im Hochsommer. Wichtig ist hier, dass die Flüssigkeiten erwärmt sind, um nicht unnötig Heizleistung (die durch Nahrungsaufnahme kompensiert werden muss) zu verschwenden. Dadurch dass der Körper mehr Energie zum heizen braucht, benötigt er auch mehr Wasser zur Verdauung. Daher gilt auch hier: Nie Essen ohne Trinken! Das Nahrung, die kalt zu sich genommen wird, den Körper weitere Heizleistung abnötigt, sollte klar sein!


    Unterschlupf / Lager
    Der Lagerplatz sollte windsicher, trocken und in ausreichender Nähe von Feuerholz sein. Es ist zu beachten, dass bei einem Feuer Schnee von den Bäumen fallen/tropfen kann und dem dann bei der Planung des Lagers Folge zu leisten. Wenn es die Umgebung zulässt, sollte das Lager von Schnee geräumt werden, im Idealfall ein Zwischenboden aus Reisig / Streu oder ein Knüppelboden eingezogen werden, um Auskühlung durch permanenten Kontakt mit Schnee zu vermeiden. Ein Fleeceinlett zum Schlafsack minimiert den chlling effect beim Einstig und erleichtert das auslüften / trockenlegen (z.b. bei Schwitzen durch Fieber). Eine gute Isomatte und ein windgeschützter Schlafplatz sind die halbe Miete. Ein herzhaftes, energiereiches Betthupferl (Müsliriegel, am Körper vorgewärmt) und Verzicht auf Kaffe bringen sowohl das innere Heizkraftwerk auf Touren, als auch den Harndrang zum pausieren. Muss man Nachts doch "mal raus", haben sich viele Leute angewöhnt, eine dedizierte Weithalsflasche als "Pinkelpott" in den Schlafsack zu nehmen, sodass sie ihr Geschäfft innen erledigen können. Eine warme Kopfbedeckung / Balaclava ist ebenso sinnvoll, da es nicht opportun ist in den Schlafsack zu atmen, da die Kondensfeuchte den Isolierwert (vom Komfort nicht zu reden) stark herabsetzt.

  • Ich hoffe das ist ok wenn ich etwas ergänze, da das Thema ja genau richtig kommt.


    Überhitzung


    Überhitzen im Sommer? So ein Quatsch! Oder doch? Hitzeschäden im Allgemeinen entstehen aufgrund verschiedener Faktoren, wie Dehydrierung, Elektrolytmangel oder Hitzestau.
    Das Thema möchte ich hier gerne ansprechen, da viele Bergsteiger und Wintersportler bereits bei Unfällen ums Leben gekommen sind, welche auf die direkten Symptome von Hitzeschäden zurück zu führen sind.
    Wie kann sowas passieren? Kleidung im Winter trägt man "dick", aufgrund der hohen Temperaturen nimmt der Körper aber Temperaturdifferenzen nicht mehr genauso sensibel war wie zB bei Plusgraden. Dies führt nun dazu, dass Personen weniger regulieren, also Bekleidungsschichten ablegen oder anlegen. Schon bei leichten körperlichen Bewegungen fängt der Körper nun an zu schwitzen, da er aufgrund der Aktivität der Muskeln Energie umsetzt und Wärme freisetzt.
    Warum kann das jetzt gefährlich werden? Trägt man Kleidung, welche nur schwach oder garnicht atmungsaktiv ist und die Flüssigkeit speichert, wird die Sauerstoffaufnahme der Haut blockiert und der Kreislauf geschwächt. Gleichzeitig wird der warme Schweiß nicht abtransportiert ( Körpertemperatur! ), was nun den sogenannten Hitzstau bewirkt. Der Körper wird durch den eigenen Schweiß zusätzlich gewärmt und isoliert. Peng man fällt um. Der Körper produziert nun wiederum kaum noch Energie und man kühlt aus...


    Vermeiden muss man das entweder durch eine angepasste Aktivität, also schwitzen vermeiden. Oder zB durch ein ausgeklügeltes Kleidungssystem, die vermehrte Aufnahme von Wasser und Elektrolytenm etc. (siehe Grimmbolds Beitrag!).


    Wissenschaftlich reduziert man thermische Betrachtungen gerne auf elektrische Bauelemente, die können sich die meisten auch vorstellen. Jede Kleidungsschicht ist ein Widerstand, welche eine gewisse Wärme und Feuchtigkeit durchlässt. Baumwolle ist dabei ein Kondensator der Wärme und Feuchtigkeit speichert :winken


    Ich hoffe meine Beitrag is ok, falls nicht dann darf er ruhig gemeldet werden und er kommt auzs dem Leitfaden.


    LG

  • Da es bis zum Treffen in Wolterdingen nicht mehr lange geht krame ich das mal wieder hervor. Hier wurde eigentlich das Wesentliche gesagt.


    Warm haben oder nicht besteht eigentlich aus der Summe aller Details. Wurde einem Detail zu wenig Beachtung geschenkt wird man nicht richtig warm haben. Zum Beispiel keine Kopfbedeckung dafür alles andere Perfekt kann reichen um zu frieren.


    Die wichtigsten Punkte aus meiner Sicht.

    • Nicht in einer Senke schlafen.

    • Das Tarp so aufstellen, dass man richtig Windgeschützt ist. Der Wind kann drehen in der Nacht. Am besten auf drei Seiten zu.

    • Isolation von unten. Wenn vorhanden trotz guter Isomatte Laub und oder Zweige darunter packen. Wenn ich am Morgen meine Downmat weg nehme ist das Laub darunter fast trocken. Die Exped Downmat hat bekanntlich einen sehr guten Isolationswert.

    • Die Füllung vom Schlafsack darf nicht zusammengedrückt werden. Seitenschläfer ziehen die Beine MIT dem Schlafsack an. Braucht der Schlafsack eine Isolationsaufbesserung ist es nicht Sinnvoll die schwere Wolldecke auf den Schlafsack zu legen. Besser in den Schlafsack. Dem Loft (Bauschfähigkeit) ist grösste Beachtung zu leisten, ohne Loft keine Isolation

    • Sinnvoll ist es auch die Kleider die man auszieht als Isolation zu verwenden. Zum Beispiel die Jacke nehme ich als Fusssack in den Schlafsack. Die Hose kann man als zusätzliche Isolation auf die Isomatte legen. Bringt nicht so viel aber mehr als nichts. Jedes Detail zählt.


    Erstkaltschläfer können auch schauen und fragen wie es Wiederholungstäter machen. Es wird so viele Meinungen geben wie befragte. Das soll aber nicht verwirren, alle haben Recht. Es gibt eben kein allgemein gültiges Rezept nicht zu frieren. Mein Augenmerk liegt bei den Füssen, ich kriege immer ca. ab fünf Uhr kalte Füsse wenn ich keine zusätzlich Isolation um die Füsse habe. Dafür ist es mir egal wenn ein kalter Wind mein Gesicht streichelt.


    Fröhlich kalte Nächte wünsche ich uns.
    draussen

  • Wenn man auf's Gewicht achten will/ muss: Die trockene Kleidung einfach anbehalten. Was mich tagsüber warm hält, tut es auch nachts. Bei der letzten Schneeschuhtour habe ich einen Satz trockene Fleeceunterwäsche und meine Daunenjacke angezogen. Damit sind die einzelnen Kleidungsstücke multifunktional und ich kann evtl. einen dünneren und leichteren Schlafsack mitnehmen, was wiederum noch mehr Gewicht spart! :) Oder man pimpt mit diesem Prinzip eben seinen dicken Winterschlafsack.



    Grüße Kenny

  • Kenny - das habe ich auch gedacht - ich kann allerdings nur für drei Jahreszeiten sprechen - ich habe in meinem Schlafsack weniger gefroren, als ich die Hose, Socken und Jacke ausgezogen habe. :schlaf

    „Wir gehen eines Tages kaputt, weil wir zu faul sind, zu Fuß zu gehen.“ Reinhold Messner

  • Der Körper kühlt auf vielfache Weise aus. Eine Bauernweisheit, die man auf den Mist werfen kann, ist, dass der Mensch 70% der Hitze über den Kopf verliert. Jederman(n) kann sich selbst ausrechnen, was die am stärksten durchblutete Extremität des Körpers ist.

    diese Weisheit kenne ich auch. Ich habe sie so verstanden, dass man 70% Wärme verliert über den Kopf wenn man im Schlafsack liegt. Da kann es ja hinkommen wenn man ohne Kopfbedeckung schläft. Rundum ein warmer Schlafsack und der Kopf nackt.


    Liebe Grüsse
    draussen

  • @ Affenjunge - es mag sein, dass das subjektive Wahrnehmungen waren - klar ist es eigentlich unlogisch - wie ja draussen sagt -auch eine Kleinigkeit wie die Hose hilft ein wenig. Deswaegen habe ich ja am Anfang auch in voller Montur geschlafen.

    „Wir gehen eines Tages kaputt, weil wir zu faul sind, zu Fuß zu gehen.“ Reinhold Messner

  • Es ist überhaupt ganz und gar nicht unlogisch.
    Was ihr immer im Blick behalten müsst ist, dass nicht Daune, Kunstfaser, Merino, oder was auch immer isolieren. Die Werte dieser Stoffe sind grauenhaft, wenn man sich nur die Materialien beguckt. Was isoliert ist die LUFT die dazwischen gespeichert ist! Aber nur die Luft in kleinen Kammern. Große Luftblasen sind schlecht. Und wenn im Schlafsack zu wenig Luft ist, wird es kalt. Ebenso wenn zu viel Luft im Schlafsack ist. Das Schlimmste was passieren kann ist, dass ihr einen zu kleinen Schlafsack habt, da friert ihr euch alles ab. Einen zu großen kann man verkleinern indem man voluminöse (wieder wegen kleiner Luftkammern) Kleidungsstücke mit IN den Schlafsack nimmt aber NICHT anzieht! Dadurch wird die "Luftblase" im Schlafsack minimiert und es wird wärmer. Winterschlafsäcke sind meistens viel zu groß.


    Aber nicht, weil die Produzenten keine Ahnung haben, sondern weil es im Winter üblich ist, Gaskartuschen, Trinkflasche/Thermosflasche, Stirnlampe, Handy, Zahnpasta, (ggf. Kontaktlinsen), usw. mit in den Schlafsack zu nehmen. Eben alles, was keine Kälte verträgt. Es sieht in so einem Sack dann immer aus als hätte man seine Ausrüstung irgendwo breitgeschmissen und diesem Durcheinender kann man schlafen? Ja! Kann man. Muss man sogar, wenn man nicht früh das Wasser oder den Tee aus der Kanne hacken will oder die Kontaktlinsen (so benötigt) aus dem Eis meißeln... Aber man gewöhnt sich dran.
    An der Stelle noch ein Trick: Wer einwandige Blechtrinkflaschen bevorzugt stelle diese abends ans Feuer. Aber aufpassen, dass sie nicht zu heiß werden!!! Beim zu Sacke gehen mit den Handschuhen Sand und Asche abstreifen und mit in den Schlafsack nehmen. Friert a) nicht ein und fungiert b) als Wärmflasche. Super Sache! :)


    Wie draussen schon schrieb: Auf BODENISOLATION achten! Der Tod kommt von unten! Der beste Schlafsack nützt einen alten Sch***dreck, wenn ihr keine vernünftige Isomatte habt. Wer nicht so auf Gewicht achten will/ kann/ muss oder es einfach nicht tut, kann auch ein Schaffell mitnehmen und es auf die Isomatte unter den Oberkörper legen - es ist saugemütlich sag ich euch ^^
    Darauf achten, dass die Blutzirkulation nicht gestört wird. Wer die Stirnlampe nachts (was zu empfehlen ist) als Halsband trägt aufpassen, dass das nicht zu fest ist und auch nicht zu locker (sonst verheddert man sich drin). Zum empfehlen deswegen, weil man sie schnell zur Hand hat und nicht umständlich danach suchen muss.



    Vorm zu Sacke gehen noch mal die Blase leeren verhilft zu ungemein angenehmen Nächten ;) Nicht nur, weil man dann nachts nicht raus muss, sondern weil sehr viel Energie verloren geht, dadurch dass der Körper den Urin auf Körpertemperatur halten muss.


    BITTE: Falls ihr irgendwo den Tipp mit dem Schnee abreiben gegen Unterkühlung findet - VERGESST DAS!!! (Leider steht es immer noch in einer nicht geringen Zahl an Büchern...) UNFUG!!! Dadurch wird die Durchblutung angeregt, das betreffende Körperteil wird zwar warm, aber die gesamte Temperatur sinkt - ihr kühlt aus!
    Was hingegen ein Trick ist, der angewendet werden darf, aber auch das nur mit Vorsicht ist Chili. Chili fördert die Durchblutung ebenso, deswegen wenn überhaupt dann kurz vor dem zu Sacke gehen und auch NUR (!) wenn genügend Essen und Trinken vorhanden ist, welches zu Energie umgesetzt werden kann. Es wird dann schneller warm im Schlafsack und ihr bekommt die Wärme sozusagen wieder zurück. Aber übertreibts nicht, das geht sonst nach hinten los bzw. wird beim morgendlichen Gang in den Wald ziemlich unangenehm :lol


    Eine Sache noch zu dem Krempel im Schlafsack:
    Es gibt im Weltmaßstab kluge Leute, die im Winter auf Tour zwecks Hygiene diese Feuchttücher mitnehmen (weiß jemand, was ich meine?) Und zweil, werden diese außerhalb des Schlafsackes belassen :D
    Laut der Auskunft desjenigen soll eine Scheibe dieses duftenden Eisblockes in der Benutzung recht unangenehm sein :lol
    (Nicht von mir, stammt aus einem anderen Forum, verdeutlicht aber wie sinnvoll die Sache ist.)
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    Tagsüber kommen Kälteempfindliche Teile (Handy, Stirnlampe, etc. pp.) in die Hosentaschen der INNEREN Hose. In der Thermohose außen nützt das nix. Oder unter die Daunenjacke o.ä.


    Trinkwasser ist dann ein interessanteres Thema. Entweder, man füllt alles in Thermosflaschen, wovon ich persönlich nicht viel halte, da die Teile in meinen Augen etwas zu anfällig sind. Oder man macht die Flasche nur zu drei Vierteln voll und legt sie oben auf in den Rucksack. Dadurch kann das Wasser beim Laufen immer hin und her schwappern und gefriert nicht so fix.
    Selbst erprobt bis -30°C. Drunter muss man härtere Geschütze auffahren. Heißt, die Flasche mit heißem Wasser füllen, eine Jacke o.ä. drumherum wickeln und dann in den Rucksack packen so dass das Wasser schwappern kann.

    (Ohh je... Das ist ja ein Roman geworden. Tschuldigung, ging nicht anders...)

  • Wie soll das gehen? Das ist irgendwie unlogisch

    Aber halt nur irgendwie!


    Was hält wärmer, Fausthandschuhe oder Fingerhandschuhe? Siehste! Die Fausthandschuhe ...


    Zum einen erzeugt der menschliche Körper unter einer umfassenden Hülle ein komplettes Kleinklima, von dem eben auch die Extremitäten wie Beine, Füße und Hände etc. profitieren.


    Zum anderen schläft es sich meiner Meinung nach einfach besser. Ich habe es auch schon mit Thermohose und vor allem dicker Thermojacke probiert. Ich hab in den dicken Klamotten einfach keine erholsame Schlafposition gefunden!


    Die ganze Pimperei bringt viel zu wenig! Ist genau wie Draussen sagt: plattes Loft isoliert nix. In einen sonst grad so passenden Schlafsack noch einen anderen Schlafsack reinzuquetschen heißt meistens, der zweite Schlafsack kann sich nicht entfalten, also nicht richtig isolieren. Und wenn der Außenschlafsack keinen Differentialschnitt hat, also dessen Innenhülle nicht kleiner/enger ist als die Außenhülle, können z.B. Seitenschläfer schnell einen kalten Rücken bekommen, weil sie den Loft da auch platt drücken.


    Die Frage mit feuchten oder nassen Klamotten ist auch interessant! Was macht man morgens mit einer vorher nassen Hose, die man aus dem Schlafsack raus gelassen hat? Man stellt sie weg, weil steif gefroren! Im Kufa-Schlafsack würde ich sie mit rein nehmen, in der Hoffnung, dass die Körperwärme sie etwas trocknet. Auf jeden Fall könnte man sie morgens anziehen. Im Daunenschlafsack würde ich sie in eine Tüte packen. Wäre so morgens zwar noch nass aber wenigstens nicht gefroren.


    Ach ja, zur berühmten Pipi-Flasche: die sollte man nach Benutzung auch nicht außen neben den Schlafsack stellen. Wird dann morgens schwer sie zu entleeren, lieber als Wärmflasche ausnutzen! ;)



    Liebe Grüße, :schlaf


    Westwood

  • Finnwal, ich nehme auch immer Feuchttücher mit auf Tour ( bin auch so ein Schwachkopf :-) ) . Gerade auf den Wintertouren finde ich dieses unerläßlich für mich. Bedingt durch das morgendliche Muesli, Drytech usw. habe ich immer eine weiche Pröttung, dass es sehr angenehm ist, wenn man sich den Arsch richtig sauber machen kann, und der nicht nach Bär riecht. Man nimmt die kleinen, einzeln abgepackten, die werden in der Beintasche in fünf Minuten warm. Auch ist es ein wunderbares Mittel gegen die verschwitzten und stinkigen Füße. Eine Wohltat, wenn man länger als eine Woche nonstop draussen im winterlichen Fjell wandert. Thermoskannen habe ich immer eine dabei. Auf Touren mit Pulka sogar zwei. Ich benutze welche von Alfi, welche die besten in Punkto Isolation und Gewicht sind.


    Wieso sind die zu empfindlich ? Geht die Aussenhülle kaputt, habe ich immer noch eine nutzbare Flasche, geht sie nicht kaputt, was mir noch nie passiert ist, die bekommen zwar Dellen aber egal, dann habe ich die gesamte Zeit heißes Wasser vom morgendlichen Schneeschmelzen.
    Oder auch vom Abend, für das Müesli am Morgen. Stelle es abends schon mit Mug, Löffel, fertig abgepacktes Müesli mit Milchpulver in kleiner Tüte, und die Alfi an das Kopfende. So kann ich morgens ganz einfach im Schlafsack sitzen, meinen heißen Tee trinken, Müesli essen, ohne mich anzustrengen, ist viel bequemer.


    Auch schwitze ich beim ziehen der Pulka sehr stark. Wichtig ist auch, durch die beiden 1 Liter Thermoskannen, habe ich über 4 Liter Wasser zum Trinken in den Pausen. Ich packe in das heiße Wasser einfach Schnee mit rein, zum Durst löschen, so strecke ich die heiße Flüssigkeit und erhalte die doppelte Menge. Und gegen Abend habe ich meist beide Flaschen leer. ;-)


    Pipiflasche habe ich immer dabei, aber nur zum Pipimachen im Liegen, danach wird das Zeug gleich an den Rand des Aussenzeltes gekippt, wo ich gerade im Liegen noch rankomme, ohne aus dem Sack zu müssen.


    Winterschlafsäcke sind nicht automatisch weit. Es gibt welche, die extra dafür konstruiert wurden, damit man mit Bekleidung da rein kann. Hatte auch mal einen von Rab, und einen Feathered friends Peregrine. Der Peregrine war extra für Himalaya / Höhenkletterer gemacht, damit die mit Daunensachen da reinschlüpfen können.


    Mein jetziger Winterschlafsack ist eng geschnitten, je enger, je wärmer. Man schläft im Winter am besten in so einem Schlafsack in Leninlage. Es sit ein Widgeon von Feathered Friends. Um ihn anpassungsfähiger zu machen, kann ich den Wärmekragen raus nehmen, die Zwischenwände existieren nicht. So kann ich die Füllung von unten nach oben schütteln, oder umgekehrt, ganz den Temperaturverhältnissen.
    Der Schlafsack ist nach meinen Wünschen gebaut worden. Enthält 1160gr Daune, eine schwarze Event Membran als Hülle, sowie innen schwarzes Pertex. Die Membran macht ihn unempfindlich gegen Kondenz im Zelt oder Reif von den Zeltwänden. Die schwarze Farbe erleichter das Lüften und etwaiges Trocknen, in der Wintersonne. knapp zwei Kilo Gewicht incl VBL Bag von Feathered Friends, für gemütliches Schlafen bis minus 40 Grad.


    Klamottenmanagement --- sobald man nur fühlt, das man auf einer Wintertour ins Schwitzen kommt, anhalten und etwas ausziehen. Sobald man nur fühlt, das die Handflächen schwitzen, dicke Handschuh aus, Linerhandschuh an. Man geht am besten mit so weinig Kleidung wie möglich, weil unter Last einem schon warm wird, wenn man eine Hardshell an hat.


    In den Pausen dann die Daunenjoppe über die Hardshell, so schwitzt man die Daunenjacke nicht voll.


    Überhaupt alles was nicht nass werden soll, in kleine Plastiktueten, oder Sylbags von Sea to Summit. So erspart man sich viel Trocknerei. wenn es mal in den Schnee fällt, weil der haftet überall an.


    So lang es geht, draussen aus dem Schlafsack bleiben und mittels leichter Bewegung langsam mittels Körperwärme abschwitzen nach dem Laufen und Lager aufbauen. So trocknet man seine Unterwäsche durch und nimmt nicht sowiel Feuchtigkeit mit in den Schlafsack.


    Auch Kunstfaserschlafsäcke können in Tieftemperaturen zuviel Feuchtigkeit nicht ab und gefrieren in der Füllung, da isoliert dann auch nichts mehr ;-)

  • Ich sag ja nix gegen Feuchttücher. (Ich mach das auch :D ) Nur fand ich diese Geschichte eben ganz lustig. Mir ist erst da der Gedanke gekommen, sowas mitzunehmen.



    WAS? Du hast einen Schlafsack ohne Zwischenwände??? Das nehm ich dir nicht ab. Ehrlich. Wenn das so ein Patent wäre, wie du es beschreibst dann würden sich nicht tausende von Konstrukteuren weltweit Gedanken über das beste Kammersystem machen... Im Leben nicht. Das funktioniert nicht. Erst recht nicht mit nur 1160g Daune. Ist genauso wie die Bettdecken, die manch einer vielleicht noch von seinen Großeltern kennt. Einfach ein Sack voll federn praktisch. Da ist immer irgendwo kalt drin.Schlimmer als Kaltnaht ist das!
    Und "je enger desto wärmer" stimmt auch nicht. Wenn zu wenig Luft drin ist wirds kalt. Versuch mal folgendes: Nimm einen Winterschlafsack und ziehe einen zu engen Biwaksack darüber. Dann leg dich bei -15°C oder so raus. Keine zwei Stunden! Die Luft wird zwischen den Daunen rausgedrückt und die Daunen selber isolieren nicht.


    Ich mag Thermoskannen nicht, seit mir mal bei einer der Deckel regelrecht explodiert ist. Und wenn der im A*** ist stehste ganz schön blöde da. Solange es ohne geht (Etwa bis -20/25°C.) geh ich ohne. Danach kommt man einfach nicht mehr drumrum. Aber auch da hab ich die besten Erfahrungen mit "billig" Kannen gemacht.

  • Finnwal, denk mal nach, ohne Seitenabtrennung das Schlauches das oben und unten ein Schlauch sind !!!


    Je enger, desto besser. Deshalb haben gute Daunenschlafsäcke einen Differentialschnitt. Die Innenhülle ist kleiner als die Aussenhülle und kann somit nicht die Isolation zusammendrücken. Ist doch logisch. Jedwede Form der Luft, die Unnötig im Innenraum von Deinem Körper geheißt werden muss, kostet Wärmeleistung.


    Die Thermoskannen haben fast alle die gleichen Deckel, ob Hotstuff oder Alfi, Billig Relax usw. , die kommen imho alle aus dem gleichen Werk.

  • Wo soll es den hingehen? Spitzbergen? Grönland? Zum Pol?


    Das Thema hatten wir übrigens schon mal recht ausführlich...


    http://bushcraftportal.net/for…x.php?thread/209&pageNo=1


    Ganz in der Nähe (naja, ein paar km sind es schon) war ich im Januar 2000 mal für eine Woche zur Häuserkampfausbildung. "Angenehme" -10 bis -17 Grad und das zu einer Zeit als man noch mit dem gesteppten, dienstlich gelieferten Sommerschlafsack unterwegs war. Ging auch, man hat halt den Splitterschutz angelassen .... Was habe ich damals geflucht das ich den mausgrauen Parka abgegeben habe, mit so einem renne ich heute bei -20Grad abwärts rum (wenn einer weiss wo man die noch bekommt würde ich mich über eine PN freuen).


    Lesst mal den alten Thread durch....


    Gruss