Zucker als Wundbehandlung

  • Mich beschäftigt schon seit einiger Zeit das Thema"Zucker als Wundversorgung"Klingt auf dem ersten Blick etwas Komisch.Wie soll denn Zucker bei einer Wunde helfen???
    Aber Fakt ist das schon im alten Ägypten Zucker und Honig zur Behandlung von schwierigen Wunden benutzt wurde mit Erfolg sogar.Auch in der heutigen Medizin werden Cremes auf Zuckerbasis verwendet um schwere Brandwunden zu versorgen.Der hohe Zuckergehalt hat eine positive bakterizide Wirkung.Rechtlich gesehen ist aber unserer Einfachzucker kein zugelassenes Arzneimittel und Medizinprodukt,da dieser nicht steril ist.Trotzdem wurde Zucker auch in den Napoleonischen Kriegen bei Schussverletzungen angewand um die Blutungen zu stoppen.Man hat sich den "Osmotischen Druck"einer starken Zuckerlösung zu Hilfe genommen.Ich denke das dies so in etwa funktioniert.
    :schlaubidie Zellmembranen sind durchlässig für Wassermoleküle jedoch nicht für die darin gelösten Ionen. Wenn die Ionenkonzentration auf einer Seite der Membran ansteigt, strömt Wasser von der anderen Seite hindurch, um dieses Konzentrationsgefälle auszugleichen. Im Blut des Menschen, das hauptsächlich aus Wasser besteht, sind Zucker, aber auch Salze gelöst. Evtl. verändert eine zusätzliche Gabe von Zucker das aus einer Wunde austretende Blut in eine hypotone Lösung, die dazu führt, dass sich die Zellen mit Wasser füllen, sozusagen, gegen den Druck vom Herzen.Ob das nun nur bei kleinen Wunden oder auch bei größeren Wunden funktioniert weiß ich nicht.Vielleicht ist ja eine vom Fach hier der diese Frage "Verstädlich" beantworten kann.
    Kann man Zucker den man draussen dabei hat für diese Zwecke nutzen oder nicht?Und warum? :confused

  • Wie bei allen medizinischen Themen werden Experten vermutlich davon abraten. Was ich jedoch weiß: Mein Schwiegervater hat jahrelang als Rettungssanitäter gearbeitet, bei kleineren blutenden Wunden hat er zwei Zuckerwürfel genommen und diese aneinandergerieben. Die Blutungen stoppten und entzündeten sich nicht und Pflaster waren nicht nötig (das hat er zu Hause so gemacht, nicht im Dienst ^^). Ich selbst habe es noch nicht probiert. Was ich hingegen mal probiert habe ist tatsächlich Honig, bei einem recht tiefen Fingerschnitt in der Küche habe ich Imkerhonig auf die Wunde aufgetragen. Es verheilte sehr schnell und hörte auch sofort aug zu bluten. Was ich erfahren konnte ist, dass echter Imkerhonig (also nicht dieser warmgeschleuderte Industriehonigsirup) antiseptische Eigenschaften hat und Enzyme enthält die beim Zellaufbau förderlich sind. Inwieweit normaler Haushaltszucker unterwegs anwendbar ist kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Bei größeren Brandwunden (wenn schon Blasen entstehen) wäre ich damit auch vorsichtig, da es bei kleinsten Verschmutzungen recht schnell zu einer bösen Sepsis kommen kann, weil die Haut dann recht aufnahmebereit für Keime ist. Solange es blutet, kann ja nichts in die Wunde hineinkommen und diese Art der Verletzung wird dann von innen her "versiegelt". Ich rezitiere meine Aussagen jedoch nur aus dem Gedächtnis und kann daher keinen Anspruch auf Korrektheit erheben :schlaubi

  • Also das mit dem Honig, wie Wildhog schon schrieb sollte es echter Honig sein, kann ich nur bestätigen! Ich mache das immer wenn ich mich mal beim Rasieren geschnitten habe - Also bei relativ kleinen Wunden und die verheilen ganz wunderbar schnell und die Blutung stoppt fast sofort!
    Bei größeren Wunden hatte ich bisher nie Honig zur Hand, von daher kann ich darüber nichts berichten, allerdings wurde Honig, wie ebenfalls bereits erwähnt, schon bei ganz alten Völkern auch für große Verletzungen genutzt - von daher scheint das auch zu klappen - Honig ist ja für seine antiseptische Wirkung bekannt!


    Ich hatte mal ein "unnatürliches Loch" im Körper und der Arzt stopfte da, in der Nachbehandlung, etwas rein das er "Zucker" nannte - In wie weit das nun echt nur ganz normaler Zucker war, er es nur so nannte oder ob es gar eine Art "medizinischer Zucker" war, hatte ich damals nicht hinterfragt - Allerdings will ich eh mal zum Doc, mal sehen ob der was dazu sagen kann - Interessant wäre es auch jeden Fall - Auch wenn ich es mir nicht unbedingt vorstellen kann!!!

    Versteht mich nicht falsch ABER Erbswurst ohne Beef Jerky ist theoretisch möglich - Aber sinnlos!!!

  • Hallo zusammen!
    Honig habe ich auch schon häufiger für kleinere Wunden benutzt. Funktioniert prima. Was auch gut geht ist Bienenwachs. Einfach etwas weich kneten und den Schnitt damit verschließen.
    Zum Thema "mit Zucker Blutungen stillen" habe ich noch nie was gehört :confused . Ist aber schon eine sehr interessante Sache, also wenn jemand weitere Infos hat, dann her damit :winken .


    Evtl. OT, weil ohne Arzt schwer umzusetzen ;)
    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man bei Knie OP's (Kreuzband) sogenannte "Zuckerschrauben" benutzt. Soweit ich weiß bestehen sie aus Milchsäure und Milchzucker. Anfangs sind sie sehr fest, so kann alles An-/Einwachsen. Nach einiger Zeit (ca. 1 bis 1 1/2 Jahre) lösen sich die Schrauben jedoch vollständig auf, sodass eine weitere OP nicht notwendig ist.

    "Die größte Bedrohung für unseren Planeten ist der Glaube, dass jemand anderes ihn retten wird." (Robert Swan)

  • Zucker und Honig funktionieren bei kleineren Schnittwunden tatsächlich, das ist kein Hausmittelchen, keine urban legend sondern ganz einfach Fakt!


    Allerdings stellt sich aus medizinischer Sicht die Frage: Warum? Wunden, die damit behandelt werden können, hören sowieso innerhalb von Minuten zu bluten auf. Und bei größeren Wunden...nun ja, warum zwei Kilo Zucker zur Wundversorgung mitschleppen, wenn 50gr Verbandsmaterial den gleichen Zweck erfüllen?


    Man kann übrigens NICHT beide Methoden kombinieren, also Honig auf die Wunde und dann verbinden, das gibt nur eine schöne Kleberei und reißt wahrscheinlich die Wunde beim Verbandwechsel wieder auf.


    Meine Empfehlung wäre daher Octenisept für die Wundreinigung, Pflaster für die kleinen, Steristrips o.ä. für die mittleren und Nadel und Faden für alle anderen Wunden...


    Ach ja, für Brandwunden ist das alles nicht geeignet

    Ein Seemann ist doch wie ein Wal: kleine Augen, großes Maul, ewig im Tran und die meiste Kraft im Schwanz!

  • Es ging mir auch nicht darum konventionellen Zucker zur Wundbehandlung ab heute zu benutzen,Ich wollte lediglich um deren Möglichkeit wissen.Ob es funktioniert-und wie man es praktisch anwenden könnte.Ich vertraue auch auf die Methodik der Schulmedizin...Teilweise zumindest. ;)

  • Zucker
    zur Wundbehandlung funktioniert eben genau nach dem Prinzip der Osmose bzw. des
    konzentrationsausgleiches zw. 2 Flüssigkeiten und der darin enthaltenen
    Osmotisch wirksamen Teilchen ( Salze, Zellen usw.).Bergiff :Hypoton, (zuwenig )
    Hyperton ,( zuviel ) ,Isoton( gleich).Zucker
    wirkt nur desinfizierend ( Bakterien werden reduziert ) nicht sterilisierend (
    tötet alles ab). Und zwar durch Entzug von Flüssigkeit aus den Bakterienzellen
    bis diese „eintrocknen“ und sterben o. zumindest nicht mehr Reproduktionsfähig
    sind da der Zellhaushalt stark gestört wird. D.h. Wenn Zucker auf die Wunde
    gebracht wird ,habe ich in der sich bildenden Flüssigkeit einen Hypertonen
    Zustand ( außen) Zellwand bildet Barriere so das nur Flüssigkeit austreten/eintreten
    kann Gesetz des Konzentrationsausgleiches bzw. Osmose sorgt dafür das von den
    jetzt in beiden Kompartimenten die gleiche Menge an gelösten Teilchen pro Flüssigkeit
    herrschen muss, da Die Zellmembranen nicht durchlässig ( permeabel ) ist, kann
    sich nur Flüssigkeit bewegen d.h. den Zellen , Bakterien ( innen) wird Wasser
    entzogen und sterben im besten Fall. So lässt sich auch die leicht
    Blutstillende Wirkung erklären da ich quasi den gekappten Blutgefäßen die Flüssigkeit entziehe „knubbeln“ sich die
    Blutzellen und die Gerinnung wird schneller Ausgelöst..vereinfacht gesprochen.



    Aber
    !! Blut + Zucker bilden nach dem Konzentrationsausgleich
    die Beste Nährgrundlage um jedes auch besonders gefährliche Bakterien an zu züchten,
    Zucker als Univ. Nährstoff .Deshalb nichts dauerhaftes bzw. später die Wunde säubern. Auch nicht
    unter Verband da eben genau das abtrocknen verhindert wird und mit der sich
    bildenden Wärme das Bakterienwachstum noch deutlich beschleunigt wird.



    Honig
    wirkt etwas besser da diese zusätzlich Wasserstoffperoxid und div. Vit. enthält
    die die Wundheilung fördern. Aber es bleibt die höhere Infektionsgefahr bei
    längerer Anwendung und mangelnder Wundhygiene.



    Im
    Vergleich zu anderen Desinfektionsmöglichkeiten würde ich Zucker eher deutlich
    schlechter beurteilen da Jod/Chlor/Wasserstoffperoxid/hochproz. Alkohol o zb. Octinisept
    viel stärker wirken und länger und regelmäßig angewendet werden können.



    Hoffe
    das hilft etwas , Grüße milvusmigrans :eek