FRAGE: Futtermais und Energiemais?

  • Ich bin vermutlich nicht der einzige, der ab und an mal einen Maiskolben vom Feldrand erntet um ihn zu verzehren. Der Futtermais schmeckt mir ehrlich gesagt auch besser als der im Handel erhältliche, da er nicht so süß schmeckt und auch nach dem Kochen noch etwas Biss hat.


    Jetzt wird ein Großteil des Maises ja nicht mehr verfüttert sondern "biovergast". Das heißt ja eigentlich müsste man sich ja dann beim Anbau nicht mehr um die Genießbarkeit scheren, etwa indem man keine Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel und Dünger einhalten muss, oder so. Ich hab versucht mich schlau zu machen, aber noch nichts gefunden, was ihn schlechter als Futtermais machen würde. Ich hab auch nicht entdeckt ob man überhaupt äußerlich einen Unterschied sehen könnte. Kennt sich da jemand von euch näher aus?


    PS: Die moralische Diskussion, ob es okay ist Maiskolben zu stehlen oder Lebensmittel zu verfeuern oder alles mit Maismonokultur zuzupflanzen erkläre ich mal sicherheitshalber vorher zum OFF-TOPIC. ;)

  • Also - da haben wir es zwar wieder-aber -
    wenn ein Bauer verantwortlich handelt und soweit ich weiß kann man auch nicht immer das Gleiche anpflanzen (laugt den Boden aus) behandelt er seinen Acker gut - es sei denn es geht ihm nur um Provit ohne Ende egal , ob dann alles platt wird.
    Alles was auf den Acker kommt, geht ins Grundwasser und betrifft eben nicht nur den einen Acker.

    „Wir gehen eines Tages kaputt, weil wir zu faul sind, zu Fuß zu gehen.“ Reinhold Messner

  • Brauchst dir wegen Spritzmittel eigentlich keinen großen Sorgen machen in D gilt das Pflanzenschutzgesetz ---> Gute Fachliche Praxis etc.
    Außerdem reagieren die Mikroorgs. in den Biogasanlagen äußerst empfindlich auf Pestizidrückstände was bis hin zum Kippen der Anlage führen kann. Also bzgl. Spritzmittel brauchst dir nicht mehr Gedanken machen. Zumindest nicht mehr als sonst auch. ;)


    Gruß Bushdoctor

    Auch dieses Jahr bietet Bushdoc´s School of advanced Survival and Bushcraft wieder folgende Kurse an:
    -Bushcraft ohne Busch
    -Survival ohne zu überleben


  • Interessant ist aber diese Aussage von hrafnagud:


    Quote

    "Ein großes Problem was erst seit ein paar Jahren hinzugekommen ist sind die Felder für die Herstellung von Biokraftstoffen. Da diese nicht für den menschlichen Verkehr vorgesehen sind darf der Bauer da ziemlich tief in die chemische Trickkiste greifen, was er auch tut. Hast Du zufällig in der Nähe große Maisflächen?" -- hrafnagud , Montag, 11. Juni 2012, 12:29


    Mir scheint das plausibel, aber genau wissen tu ich das nicht.

  • @ BB: Ich halte diese Aussage für etwas übertrieben, denn es gibt ja nicht nur das Pflanzenschutzgesetz das zu beachten ist, sondern auch das Bodenschutzgesetzt, die Grundwasserverordnung, die Wasserrahmenrichtlinie der EU, das Pflanzeschutzittelverkehrsgestzt etc. und das ist nur ein kleiner Teil der Gesetze und Verordnungen die greifen. Jetzt kannst du dir die Gesetze zu Gemüte führen oder auch noch en paar mehr und dir dann überlege ob die Aussage zutreffend sein kann. ;)


    MfG Bushdoctor,
    der findet dass man mit pauschalen Aussagen ohne Beleg immer en bissle vorsichtig sein sollte.
    Das wäre ja das selbe, wenn man behaupten würde, Biobauern spritzen nachts :wallbash .

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  • Der im Laden erhältliche Mais wird ja auch zu 90% importiert, und im Ausland ist man da nicht so zimperlich mit Pestiziden und anderen netten Mittelchen.
    Und nur weil es das sog. Pflanzenschutzgesetz oder wie manns nennt gibt heisst das nicht gleich, dass sich auch jeder daran hält.
    Zum anderen werden auch hier in D überwiegend Hybridsamen verwendet um schnell und stabil wachsende Pflanzen zu bekommen, daraus entstammt dann der Futtermais für die Massentierhaltung.
    Das eingesetzte Saatgut ist bereits "vorbehandelt" bzw verändert...


    Der übrige Mais, welcher nicht als Futter dient wird verheizt, ebenso wie andere Getreidesorten (Weizen hauptsächlich).
    Ein Großteil der Bio Kraftstoffe, bzw. der Mais dafür stammt aus Südamerika und Asien. Läuft Hand in Hand mit der Sojabohnen Produktion. Diese werden dann weiterverarbeitet und für den europ. Markt "veredelt".
    Du kannst Dir sicher sein, dass da drin dann auch einiges an Chemiekeulen war...


    Für weiterführendes: Die Suchmaschinen bieten Dir allerlei Antworten auf Deine Frage :)
    lg

  • Ruhig Blut. Die Aussage stammt auch aus einem anderen Kontext und ist da auch raus gerissen. Ich wollte das mal einbringen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Verordnungen bei Energiepflanzen so strikt sind, wie bei Pflanzen die für den Verzehr vorgesehen sind.


    Sicherlich gibt es hier keine freie Hand, aber andere Standards. Eben nicht für den Verzehr.


    Hörte sich hier so an als gabe es da keine Unterschiede und man könne bedenkenlos schlemmen und Boerger könne seine Verunsicherung vergessen. Da kamen bei mir die Zweifel, da die Qualitätsstandards bei Lebensmitteln echt hoch sind.

  • noch dazu erwähnt:
    Wer mal wieder einkaufen geht, der schaue doch mal dezent auf die Inhaltslisten div. Nahrungsmittel.
    Der Begriff "modifizierte Maisstärke" welcher häufig zu finden ist, ist genetisch veränderter Mais, nicht mehr und nicht weniger.


    Ben, nur eine Frage:
    Wo sind die Qualitätsstandards bei Lebensmitteln bitte hoch?? In Deutschland?
    Ich bitte Dich, die Richtlinien hier sind ein absoluter Hohn. Wir haben Rattengift im Essen, oder Halogene die sich aus zentrale Nervensystem legen.
    Was glaubst, warum hier soviel billigst importiert wird? Aber egal, wollte nicht mit OT Beiträgen rummüllen, Sorry dafür-

  • Ich bin zwar kein Bauer, dafür aber ein Gärtner der schon viel mit der Landwirtschaft zu tun hatte. Ich habe selbst schon Biogas-Anlagen vertretungsweise "gefahren", habe 40ha Mais versorgt, 600 Schweine gefüttert etc.. Das ist zwar alles schon eine Weile her, und ich will auch nicht behaupten alles über den Bereich zu wissen, aber folgende Aussagen sollten +- stimmen.


    Futtermais = Energiemais = Futtermais
    Pflanzenschutz bei Futtermais = Pflanzenschutz bei Energiemais
    (hrafnagud Aussage ist da nicht richtig, ich habe sie damals auch gelesen hielt es aber nicht für nötig darauf einzugehen... mit fachfremden zu diskutieren macht keinen Spass). Bushdoctor hat wie ich gerade sehe ja schon einige der zu beachtenden Gesetze und Verordnungen genannt, auf den Seiten der Landwirtschaftsministerien sollte auch eine pdf downloadbar sein die genau aufschlüsselt wann, was, wo und wogegen gespritzt werden darf, auf Wunsch kann ich das raussuchen (die dt. Pflanzenschutzrichtlinien betreffen mich nicht weshalb ich den link nicht zur Hand habe). Die Pfsm-Hersteller haben i.d.R. hierzu auch gute Informationen im Netz.
    Auch muss man immer bedenken, Pflanzenschutz bzw. die Spritzmittel sind verdammt teuer. Es ist also im Interesse des Bauern so wenig wie möglich einzusetzen. Die negativen Auswirkungen von Pfsm auf die Biologie der Biogasanlagen wurde auch schon genannt.
    Ein anderer Punkt, speziell den Mais betreffend, ist das das Feld ab einer gewissen Bestandshöhe nicht mehr zu bearbeiten ist. Es gibt zwar spezielle Räder die den Schleppern eine grössere Bodenfreiheit geben, aber selbst das hat seine Grenzen. Zu dem Zeitpunkt wenn der Mais essbar ist, war eine Bearbeitung des Feldes seit mind. 1 Monat nicht mehr möglich (Maishäcksler mal ausgenommen). Mir ist kein Pfsm bekannt das so eine lange Wirkungszeit hat.


    Kurz zu Bushdoctors Aussage (obwohl oT):
    "wenn man behaupten würde, Biobauern spritzen nachts"
    Darauf kann man nur mit einem entschiedenen "Jain" antworten. Biobauer ist nicht gleich Biobauer, und Spritzen ist nicht gleich Spritzen. Was in welchem Verband nun erlaubt ist und was nicht.... da drüber kann man Bücher schreiben. Die schärfsten Auflagen haben die "Demeter" Bauern, und selbst die spritzen. In deren Fall handelt es sich aber nicht um Pfsm von der Stange sondern um speziell zubereitete Jauchen (Brennessel etc.) oder bspw., und das ist kein Witz, um zerstossene Bergkristalle die im Wasser verwirbelt wurden. Die biologische dynamische Landwirtschaft ( =Demeter) nach den "Richtlinien" von Rudolf Steiner ist eine Wissenschaft für sich, ich masse mir nicht an darüber zu urteilen, aber kann ein gewisses Interesse nicht verhehlen.
    Von daher, wenn ein Biobauer egal welcher Art spritzt muss das nichts verbotenes oder anrüchiges sein.


    Gruss



    Nachtrag:
    @waldkauz: modifizierte Maisstärke hat nichts mit irgendwelchen Genveränderungen zu tun, ebenso stimmen deine anderen Aussagen nur bedingt... empfehle die weitere Beschäftigung mit dem Thema, allerdings auch den Wechsel der Informationsquellen. So einen Unsinn (bitte nicht angegriffen fühlen) hört man oft auf irgendwelchen 3. klassigen, esoterisch angehauchten Amatörseiten.

  • Muss man zu allem seinen Senf dazugeben?
    Diese Themen haben die Tendenz auszuufern und dann kann man gleich ein Buch schreiben, da man bei 0 anfangen kann. Es hatte zum damaligen Zeitpunkt in meinen Augen nicht das "Gewicht" was eine Erwiderung nötig gemacht hätte.
    Gruss

  • Genau, der Bauer sagt Euch ihr könnt das Essen und los gehts. Für mich als Fachfremden ist es grundsätzlich egal was gespritzt wird, ich habe es in meiner Zeit in Mecklenburg beobachtet, ja, ab einer bestimmte Höhe geht logischerweise nichts mehr bei Mais aber wer dort jeden Tag seine Trainingsrunde fährt und beobachtet wird wie jeden Tag woanders Chemikalien ausgebracht erhöht das mein absolutes Vertrauen da ich ja weiss es gibt dafür Gesetze... Solange bis "Noterlasse" sie lockern und aufheben, davon weiss der Bürger natürlich nichts. Dieses Jahr gibt es eine Mäuseplage und die jeweiligen Lokalnachrichten waren voll mit Bauern die lautstart die chemische Keule gegen die Maus forderten und wahrscheinlich auch bekommen haben.


    Aber am Beispiel Mais, so sieht die offizielle Regelung zur Drahtwurmbekämpfung im Mais aus:
    http://www.landwirtschaftskamm…/drahtwurmbekaempfung.htm


    Dieses Santana enthält Clothianidin. Google spuckt für den Naturfreund richtig erfreuliche Artikel aus, wie den hier mit dem treffenden Namen "Bienensterben im Maisfeld" zum Beispiel:


    http://www.sueddeutsche.de/wir…ben-im-maisfeld-1.1328579


    Ich fasse mal ausschliesslich für mich ud kontrovers zusammen: Mediziner wissen nur über die rudimentärsten körperlichen Zusammenhänge unserer komplexen Körper bescheid, meiner Meinung nach kann keiner auch nur irgendetwas über die längerfristigen Folgen von solchen Chemikalien sagen. Selbst wenn alle angewendeten Mittel im gesetzlichen Rahmen angewendet werden weiss kein Mensch wie der Cocktail tatsächlich wirkt, siehe: http://www.youtube.com/watch?v=iJany5zCNzU .


    Ich finde es komisch wie damit hier umgegangen wird, ein Großteil trinkt aus Angst nur aus Tritan aber bei dem Maiskolben sind alle Bedenken plötzlich verloren? Man verwendet immer nur Totholz weil man den Baum nicht verletzen möchte aber nimmt im lockeren Plausch Schädlingsbekämpfungsmittel in Kauf solang man ja selber mal nen Kolben naschen kann? Das ist hier doch auch ein Naturforum und Naturforen sollten auch mit dem ewigen Kreislauf beschäftigen, selbst wenn ich Supi glaube das die Schädlingsbekämpfungsmittel zum Erntezeitpunkt alle flüchtig waren sind sie doch ins Gesamtsystem eingedrungen und kommen eventuell per Bumerang zurück. Die Natur versucht mit "Schädlings"befall ihr Gleichgewicht wieder herzustellen, das hat also Sinn.


    Lasst es Euch schmecken, ich esse das jedenfalls nicht.

    „Treue, die an Eisen nicht zerbrach, schmilzt auch nicht im Feuer, Hagen Tronje!”

  • :winken Hallo Miteinander!


    Schön finde ich, dass hier offen und auch kritisch diskutiert wird. Unschön finde ich, dass dies
    in einigen Beiträgen wohl unter Ausschluss der Tatsache stattfindet, dass wir alle verschiedene
    Menschen sind. Mit verschiedenen Prioritäten, Bedürfnissen und auch Informationsquellen.
    Anstatt sich gegenseitig zu ergänzen, wird in diesem Thread stellenweise die Linie verfolgt
    „Ich hab Recht und du nicht!“ :motz Es gibt Argumente Für und Wider.


    Ich bin im Außendienst und über 50% meiner Kunden sind Landwirte. Konventionell, demeter,
    bioland....alles dabei! Ich weiß, dass konventionelle Landwirte fassweise z.B. Glyphosat ausbringen.


    Glyphosat ist ein nicht-selektives Unkrautvernichtungsmittel zur „Bodenvorbereitung“, das, je nach
    Bodenwerten, Halbwertszeiten von bis zu 197 Tagen hat! Im Mittel ca. 32 Tage.
    Ich spreche von HALBwertszeiten!!! Trotzdem esse ich gelegentlich mal einen Maiskolben vom Feld.
    Ich sehe das allerdings als Beschaffung von Survivalnahrung, denn wenn ich ehrlich bin, taugt das Zeug
    eh nur als Notnahrung! Durch die Anforderungen als Futtermittel und Biomasse, ist der Stärkegehalt so
    hochgezüchtet, dass die Kolben einfach nur "trocken, hart und staubig“ sind! Aber meine Fresse, wem´s
    schmeckt...soll doch jeder so glücklich sein, wie er es für richtig hält!


    Ich rauche auch, ich trinke auch mal Alkohol, esse, wie wahrscheinlich 90% aller Mitteleuropäer, zu viel
    Kochsalz und esse aus dem Alu-Koschi. Meine Eier (....die ESSBAREN :unschuld ) kommen nicht immer vom
    Huhn um die Ecke und auf meinen Tomaten steht gelegentlich auch mal „Holland“ drauf!
    ...den Antibiotikagehalt meines Grillbauches vom Schwein will ich gar nicht erst ermitteln lassen.
    Ich habe zwar einen Freund, der selbstständiger Metzger ist, aber immer hat der auch nicht offen!
    Die Dosis macht das Gift!


    Wer löst den sofort ABC-Alarm aus, weil ein Oltimer ohne Kat und mit Abgaswerten eines
    brennenden Rohöltankers vorbeifährt? Ich nicht, aber ich werde jeden Menschen ernsthaft respektieren,
    der das tut, weil es eben SEINE Priorität ist, nix Giftiges einzuatmen!


    Zu sogenannten "Studien" hab ich meine eigene Meinung: Wer hat sie in Auftrag gegeben, wer hat sie
    bezahlt? Unter welchen Bedingungen haben sie stattgefunden, wer oder was waren die Probanten.
    Wir neigen (in Deutschland, Europa?) dazu, immer alles wasserdicht und ohne Netz und doppelten Boden
    "beweisen" können zu wollen. Aber über Langzeitstudien können wir uns noch so lange und ambitioniert den
    Kopf zerbrechen. Bis ein Ergebnis präsentationsfähig ist, wurde schon zweimal der Wirkstoffgehalt geändert,
    drei neue Produkte eingeführt, fünf Gegenstudien ins Rollen gebracht, usw, usw!


    Ich weise hier niemanden zurecht, das maße ich mir nicht an! Ich möchte nur manche Menschen zum
    Nachdenken animieren und die Frage in den Raum stellen:
    "Ist der bereichernde und kameradschaftliche Aspekt hier nicht wichtiger, als Rechthaberei ?!"


    In diesem Sinne.


    Alex „Lederstrumpf“

    __________________________________________________________________________________________________________
    Wer immer mit der Herde geht, kann nur den Ärschen folgen!

  • Hallo liebe Mitforisten,


    dies ist mein erster Beitrag, schade, dass es gleich einer zu so einem hochgekochten Thread wird...


    Ich möchte mich für die Beiträge von Supi und Lederstrumpf bedanken. Der Beitrag von Lederstrumpf hat mich überhaupt erst animiert, hier eine Antwort zu erstellen. Denn ich sehe es genauso wie er.


    Ich möchte gleich vorwegschieben: Ich bin Landwirt. Hier also mein Angebot, falls Ihr fachbezogene Fragen habt (und nicht einfach nur medial halbgargekochte vermeintlich persönliche Meinungen) könnt Ihr sie mir also gerne stellen. Vielleicht wäre ein extra Thread zum Thema Landwirtschaft eine Idee (hab nun nicht geguckt, ob es so etwas schon gibt).
    Erbärmlich finde ich es, wenn ganze Berufsgruppen pauschal als [ ] geldgierig, [ ] umweltzerstörend, [ ] doof [ ] oder ähnliches (zutreffendes bitte ankreuzen) verunglimpft werden. Ich beziehe mich hier auf ddie Antwort von hrafnagud:

    Quote

    Genau, der Bauer sagt Euch ihr könnt das Essen und los gehts.

    Das kann man auch auf andere Situationen ummünzen: Der Arzt sagt, dieses Antibiotika mußte nehmen und los gehts. Oder Autoverkäufer oder was weiß ich - müssen diese Berufsgruppen nun verunglimpft werden. Ich bitte daher um eine Versachlichung der Debatte. Übrigens glaube ich auch nicht, dass beipielsweise alle Auswirkungen der Autoabgase auf den menschlichen Organismus vollständig erforscht wurden (so dies überhaupt möglich wäre). Also hört bitte damit auf, Autofahren und so...


    Ich baue keinen Mais an. Biogasanlagen mag ich nicht. Aber da ich einigermaßen weiß, wie er behandelt wird, würde ich mir keine Sorgen machen, wenn ich irgendwo einen geliehenen Maiskolben nasche. Ich esse auch meinen eigenen Weizen, direkt aus dem Drescher oder Silo - kein Problem. Ach so, wo ich gerade bei "behandelt" bin, bezogen auf Waldkauz:

    Quote

    Zum anderen werden auch hier in D überwiegend Hybridsamen verwendet um
    schnell und stabil wachsende Pflanzen zu bekommen, daraus entstammt dann
    der Futtermais für die Massentierhaltung.


    Das eingesetzte Saatgut ist bereits "vorbehandelt" bzw verändert...

    Ich hab mich bei dem Satz fast kringelig gelacht - Hybridsaat bedeutet nichts anderes als eine Kreuzung zwischen 2 Inzuchtlinien zur Förderung des Heterosiseffektes (bessere Leistung als die Elterngeneration bei bestimmten Eigenschaften). Gibt's auch in der Tierhaltung, weiß nicht, was daran auszusetzen ist. Vorbehandelt ist jedes Saatgut, auch für Biobetriebe - hier sollte man vielleicht konkreter werden. Und verändert - was genau ist denn jetzt damit gemeint? Gentechnik? In D Gott sei Dank ziemlich ausgeschlossen...


    Warum meint eigtl. jeder, er kennt sich mit Landwirtschaft voll gut aus? Wenn es so einfach ist, hätte ich mir mein Studium ja schenken können... Nur weil ich mal einem Chirurgen zugeschaut oder im Spiegel über Chirurgie gelesen habe, meine ich doch auch nicht gleich, eine Operation am offen Herzen durchführen zu können...


    Versteht mich bitte nicht falsch - ich freue mich, dass hier so viele Naturfreunde konstruktiv diskutieren und man kann gerne anderer Meinung sein. Das bereichert und eröffnet einem selbst manchmal ganz neue Denkwege. Aber bitte nicht persönlich werden, sondern den anderen und seine Tätigkeit zunächst respektieren - wenn er beweist, dass er ein Volla.*.h ist, kann man ihn immer noch wüst beschimpfen.


    Davon abgesehen: Kennt Ihr eigentlich ein paar Bauern persönlich? Würde mich interessieren, wenn es auch OT ist...

  • Wenn wir schon dabei sind, und die Wortfitzelchen auseinanderreissen wollen:
    Das Anbauverbot von gentechnisch verändertem Mais in D betrifft die Sorte MON810 der US Firma Monsanto, sowie Bt-Mais.
    So genau wollen wir dann doch auch sein, nicht wahr?
    Dann noch zu "modifiziert" usw.
    In der EU muss gentechnisch veränderter Mais in Lebensmitteln kenntlich gemacht werden, beispielsweise mit dem Hinweis genetisch veränderter Mais oder aus genetisch verändertem Mais[37]. Chemisch modifizierte Lebensmittelzusatzstoffe (Zusatzstoffe der zweiten Generation) aus gentechnisch verändertem Mais, wie etwa modifizierte Maisstärke, müssen nicht gesondert gekennzeichnet werden. Nicht ausgezeichnet werden bisher zudem tierische Produkte, die durch Verfütterung von gentechnisch verändertem Mais gewonnen werden. Dieser kann seit August 2005 zu diesem Zwecke in der EU importiert werden.


    Fakt ist auch, man kann nicht jeden Landwirt oder Bauern o.ä. als gleich ansehen. Es gibt überall Solche und Solche.
    Viele Landwirte sind auch gezwungen, irgendwelchen "Mist" anzubauen, weil es dafür Subventionen gibt, ebenso wie für Brachland.
    Dies ist von Bundesland zu Bundesland verschieden; und dann nochmal innerhalb der EU Länder wieder von Land zu Land usw.
    Dies sollte mal ebenso berücksichtigt werden.
    Waldener, ich weiß auch, was Hybriden sind, auch dass sie nicht wirklich für eine "Zweitsaat" genutzt werden können, wie unzählige Bsp. aus der EU oder Afrika zeigen. Nicht nur auf Mais bezogen, sämtliches Saatgut.
    Man muss dazu keine Agrartechnik o.ä. studiert haben, oder sich als Landwirt benennen.
    Einige andere Kommentare hie sind auch grenzwertig, nur mal nebenbei...


    Das Thema hier ist ansich nicht ganz einfach oder nur schwer zu diskutieren, eben weil wir uns da stellenweise in div. "Grauzonen" befinden. Jeder der sich mal ein klein wenig mit Ernährung befasst, kommt auch hier irgendwann beim Mais mit an.
    Man sollte mal nicht vergessen, daß diese Pflanze in unseren Breitengraden eig. garnicht heimisch ist.. Naja, die Kartoffeln ja auch nicht.
    Ich masse mir nicht an, irgendwie mit dem Lexikon des Wissnes geboren zu sein, aber stellenweise kommen hier einfach nur "Lehrbuchansichten" durch.
    Wie die Realität bei all dem dann letztlich ist, ist wieder ein ganz anderes Thema.
    In D gibts ja auch keine Folter, nicht?! Und Arbeitslose haben wir auch nur 3 Millionen.. Jaja, ist schon eine schöne Blumenwiese..
    In diesem Sinne
    lg

  • Nun, Waldkauz, diese Aussagen kann ich so nicht im Raume stehen lassen. Ich hoffe aber, mein Lehrbuchwissen aus 15 Jahren landwirtschaftlicher Praxis reicht Dir aus, mit spannenderen Wissensvermurkselungen aus div. Magazinen etc. kann ich leider nicht mithalten.


    Zunächst die Faktenlage zum Gv-Mais, da wir durchaus so genau sein wollen: In der EU sind 24 Maissorten als Futtermittel zugelassen. Dies betrifft v.a. Importmais, da ansonsten die Futterversorgung für einige Mühlen/Betriebe wegbrechen könnte. Für den Anbau zugelassen sind ganze 2 Sorten, ausser dem Mon810 noch T25 von Bayer. Der Anbau vom Mon810 ist in D verboten. Es könnte also potentiell der T25 irgendwo angebaut werden, jedoch muß man sich dann registrieren lassen und ist dann öffentlich als GV-Anbauer einsehbar, was durch öff. Druck einem Quasi-Anbauverbot gleichkommt. Dies ist auch so erwünscht und auch absolut okay. Da die Sorte noch nicht einmal in der beschreibenden Sortenliste des BSL eingetragen ist, dürfte sie ohnehin nicht angebaut werden (http://www.bundessortenamt.de/internet30/index.php?id=164).
    Daher halte ich die Gefahr, in D einem Gv-Maiskolben über den Weg zu laufen für, sagen wir mal, sehr gering.


    Dann zum Thema "Mist" anbauen. Ich baue Weizen, Raps, Gerste, Triticale und Hafer an. Für all diese Früchte gibt es die gleichen Subventionen. Dies gilt auch für die allermeisten weiteren Ackerfrüchte, tlw. gibt es aber noch länderspez. Prämien wie Eiweißprämie o.ä. Die gleichbleibende Prämienhöhe soll nämlich genau dies, Anbau von hochsubventioniertem Mist, verhindern. Hier solltest Du wirklich Deine Datenlage aktualisieren. Das Thema top-ups klammere ich hier aus, weil es für reine Ackerbaubetriebe meist keine gibt.

    Quote

    ich weiß auch, was Hybriden sind, auch dass sie nicht wirklich für eine
    "Zweitsaat" genutzt werden können, wie unzählige Bsp. aus der EU oder
    Afrika zeigen. Nicht nur auf Mais bezogen, sämtliches Saatgut.


    Man muss dazu keine Agrartechnik o.ä. studiert haben, oder sich als Landwirt benennen.

    Nun, die Nutzung des Heterosiseffektes in dem Ausmaße bedingt nun einmal Kreuzung von 2 Inzuchtlinien - das dieser in einer möglichen 2. Generation weitestgehend verlorengeht ist zwar doof, aber ganz normal (weil die Elterngeneration ja nun nicht mehr aus wzwei Inzuchtlinien zusammengesetzt wird sondern wieder reine Inzucht ist) und für jeden Pflanzenzüchter keine Überraschung. Offenbar aber für manchen Journalisten. Die zahlreichen nicht weiter konkretisierten Beispiele untermauern also sogar noch meine Lehrbuchansichten.
    Versteh mich bitte nicht falsch: ich habe eine Weile in Afrika gearbeitet und weiß, das dieses Saatgutproblem besteht. Ich finde es ebenso schlimm wie Du. Es ist aber einfach züchterischer Fakt bei Hybriden.


    Naja, später mehr, habe noch zu arbeiten.

  • Hallo Boerger,


    ich möchte nun auch noch einmal direkt auf Deine Frage antworten. Zunächst einmal freue ich mich, dass hier Energiemais gesagt wird - ich kann das Wort Biomais nicht hören, da Energiemais mit dem, was gemeinhin mit dem Begriff "Bio" verbunden wird, von allen Feldfrüchten wohl am wenigsten zu tun hat.


    Es gibt mittlerweile Maissorten, die v.a. für die "Fütterung" von Biogasanlagen gezüchtet wurden, diese werden aber anbaumäßig ziemlich gleich behandelt wie der normale Futtermais. Futtermais wird auch noch viel verwendet, macht auch Sinn, wenn man z.B. noch nicht den Absatzweg für den Mais (Futter oder Biogas) fest geregelt hat oder mit Ertragsschwankungen kalkuliert oder ähnliches.


    Bezogen auf die Düngung wird meines Wissens nach auch kein Unterschied gemacht, siehe die Empfehlungen z.B. der Landwirtschaftskammern (etwa kurz und bündig hier: http://www.landwirtschaftskamm…s/n-duengung-mais-pdf.pdf, weitere Infos zum Maisanbau auch hier: http://www.lksh.de/landwirtsch…ze/mais-sorten-anbau-etc/). Da beim Mais alles gleich zu Anfang passiert, wüßte ich auch nicht, wo da Probleme auftauchen sollten.


    Bezogen auf den Pflanzenschutzeinsatz wurde hier schon einiges zum PSM-Recht geschrieben, was auch zutrifft. Es ist tatsächlich so. Ich ernte bei Laien, und das ist nicht bös gemeint, auch immer Erstaunen, wenn ich erkläre, dass ich meinen Brotweizen genauso behandle wie meinen Futterweizen (der Brotweizen braucht höchstens später noch etwas mehr Stickstoff, um seinen Mindest-Rohproteingehalt für gute Backeigenschaften zu erreichen - das wäre dann aber auch alles). Der Mais ist tatsächlich schnell zu hoch für Pflanzenschutzmaßnahmen, wobei man mittlerweile ja schon Mais mit sogenannten Fahrgassen sieht. Diese sind aber normalerweise für den späteren Gülleeinsatz gedacht.


    Ich kann die Bedenken zwar nachvollziehen, würde mir persönlich aber wie bereits geschrieben derzeit keine Sorgen machen. Derzeit bedeutet mit der geltenden Rechtslage und den verwendeten Sorten und Mitteln. Übrigens wurde hier ja mehrfach der Verdacht geäußert, es würden auch Dünge-/PS-Mittel eingesetzt, die eigtl. nicht zugelassen wären oder vielleicht auch in höheren Dosen. Dies mag in Einzelfällen vielleicht mal zutreffen, aber die Kontrollen des PSM-(Pflanzenschutzmittel)-Einsatzes sind wirklich sehr genau und auch auf alle möglichen Mittel ausgelegt. Die Kontrolleure sind hier derzeit z.B. gerade untwerwegs und ziehen Proben wegen Abstandsregelungen und Wetterauflagen für Wirkstoffe wie Clomazone (Rapsherbizid). Schmu machen ist da schon sehr sehr mutig...


    Fazit: Ich esse das Zeug weiterhin, alleine schon, weil ich es den Biogasanlagen nicht gönne :zensiert Und moralisch ist der Verzehr auch gerade noch zu rechtfertigen, wenn man nicht unbedingt mit ganzen Bushcrafter-Horden vorbeigeströmt kommt - Verluste durch Wildschweine sind um mehrere Potenzen höher!


    Schöne Grüße,
    Waldner

  • Servus!
    Ich denke, es ist wie überall eine Sache von Angebot und Nachfrage.


    Biomasse soll unendlich vorhanden sein, billig und natürlich ohne Chemie angebaut werden.
    (Sprit und Strom darf ja nicht NOCH teurer werden!)
    Schweinefilet darf nicht über 10 €/kg kosten, aber bitte....Mastbetriebe???...Antibiotika???....so eine Sauerei!
    Milch darf im TetraPack keine 60 Cent kosten, aber bitte regional erzeugt, silagefreie Bio-Fütterung und
    ohne Kraftfutterzusätze erzeugt!
    Brötchen im Aldi zu nicht mal 20 Cent kaufen wollen und sich dann empören, dass der Weizen gespritzt wird!


    Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Da wo "billig, billig, billig" gewünscht wird, muss dies eben mit irgendwas erkauft werden!
    Wir geben mehrere Hundert Euro für einen Satz Alu-Kompletträder aus, aber das Freilandei ist uns zu teuer!!!
    Solange wir das kaufen, wird es das geben!


    So long! Alex "Lederstrumpf"

    __________________________________________________________________________________________________________
    Wer immer mit der Herde geht, kann nur den Ärschen folgen!

  • Offenbar bin ich also doch nicht der einzige der Futtermais als deutlich leckerer empfindet als diesen dämlichen Zuckermais aus dem Laden.
    Ich hab das immer für so ne deutsche Eigenart gehalten, weil ihr ja zumindest für mich als Osteuropäer oft kulinarisch "fancy" seid. (Wie z.B. diese seltsame Eigenart Popcorn mit Zucker zu essen). Vielleicht hat das aber auch andere Gründe.
    Kann mich mal jemand aufklären wieso man im Laden den Futtermais überhaupt nicht kaufen kann?