An der bayerisch-thüringischen Grenze nach Tschechien - TEIL 1

  • Die letzten Tage bin ich an der bayerisch-thüringischen Grenze unterwegs gewesen. Eigentlich wollte ich bis nach Tschechien laufen, musste aber leider kurz vor der Hälfte (Sonneberg) eine Pause einlegen. Ich habe aber fest vor die übrige Strecke noch im September zu laufen, daher könnte ihr euch schonmal auf Teil 2 freuen.


    Der Weg
    Die ehemalige Grenze wird auch als grünes Band bezeichnet - sie besteht selbst aus vielen Biotopen und grenzt auch an zahlreiche Naturschutzgebiete. Die Mittelgebirgslandschaft, die man dabei durchquert reicht von sanften Hügeln im unterfränkischen Grenzbereich bis sehr bergig an der Grenze zum thüringer Wald. Natürlich gibt es auch einige historische Sehenswürdigkeiten, allen voran die Hinterlassenschaften der Grenzsicherung. Man trifft kaum auf Ortschaften direkt an der Grenze, zur Verpflegung muss man daher ein paar Umwege machen. Zum Übernachten im freien findet man sehr viele gute Stellen. Entlang dem sogenannten Todesstreifen führt durchgängig der Kolonnenweg - meist zweispurig ausgelegte Betonplatten. Dieser sollte mich bis nach Tschechien führen.


    Meine Wanderung
    Strahlender Sonnenschein ist mitnichten das beste Wanderwetter, zumal 4 Liter Wasser im Rucksack sich arg bemerkbar machen. Doch egal, das Gewicht des Wassers nimmt von Natur aus im Verlauf der Tour ab. Ich startete von der Haustür aus, durchquerte Mellrichstadt und bewegte mich quasi in Luftlinie Richtung Nord-Osten auf die Grenze zu.


    Die Mittagssonne brannte heiß herab und ich wäre froh gewesen wenn der erste Teil im Wald verlaufen wäre. Endlich am Kolonnenweg konnte vom Weg nichts mehr schief gehen, dachte ich mir. Doch so frei und schön wie hier zu sehen fand ich ihn nur selten vor.


    Weiter im Programm gings über die Autobahn, und immer weiter in Richtung der Gleichberge
    .
    Interessant auf der Grenzbrücke der Milz(dem Bach): in Thüringen, ein Begradigtes in Betonplatten gezwängtes Rinnsal - in Bayern ein wilder, mäandrierender Bachlauf. Mein Nachtlager baute ich in der Nähe von Milz (dem Ort) im Wald auf. Ich hatte meine DD-Hammock dabei - perfekt um im Wald sein Plätzchen zu suchen. Hier ein Blick früh morgens aus der Hängematte auf mein Ziel:


    Die Gleichberge liegen zugegebenermaßen nicht auf der Grenze. Aber da ich auch etwas Abwechslung wollte... Besser ich wäre auf der Grenze geblieben, denn alles was ich an Kartenmaterial dabei hatte, war eine Ausgedruckte Google-Maps Übersichtskarte, wo am Wegesrand Proviant zu erwerben wäre. Kurzum - ich war am Gleichberg aufgeschmissen. Zunächst ging ich nach dem Prinzip: "Immer der steilste Anstieg führt zum Gipfel" nach. Leider falsch und ich landete in einer Sackgasse. Zu faul wieder zurück zu laufen verfolgte ich die Taktik weiter durchs Dickicht am Berg. Wer die Landschaftsarchitektur in den neuen Bundesländern nicht kennt, dem sei mal ein vergleichender Blick auf eine Satellitenkarte empfohlen. Im Gegensatz zum Westen, wo ein Feinmaschiges Netz an Feld- und Wirtschaftswegen existiert, ist dieses im Osten so nicht der Fall. Also kämpfte ich mich etwa 100 Höhenmeter durch Brennesseln und Brombeeren bis ich am Rand eines Steinbruchs rauskam. Der übrige Weg zum Gipfel war kaum besser. Wenigstens hatte ich so meine Survival-Komponente mit erfüllt, als ich am Antennenmast des Gipfels ankam. Ich fand zwei Zecken, versorgte Kratz- und Stichwunden, und weiter gings bergab, wieder der Grenze entgegen.

    Die Aussicht war nicht so dolle, da eigentlich immer der Wald im Weg war, sonst hätte sie vielleicht etwas für die Strapazen entschädigt.


    Am folgenden Tag gab es Regen, der bis in den frühen Nachmittag andauerte. Ich blieb komplett trocken, dank meines Tarps. Da ich weiter wollte packte ich mittags dann das noch feuchte Zeug zusammen, warf meinen Poncho über und zog weiter. Jetzt machten die Regenbremsen ihren Namen alle Ehre. Ich kam trotz Mückenschutz auf 7 Stiche (Hauptsächlich durchs T-Shirt an Schultern und Zwischen Rücken und Rucksack). Allerdings rächte ich mich fürchterlich, indem ich mindestens 30 Stück zerquetschte die sich auf meinen Poncho gesetzt haben. Die kurze Zeit, als die Sonne herauskam, es aber noch nicht schwül war, empfand ich als sehr angenehm.
    Der Kolonnenweg wurde dann immer schwieriger. Ich kannte eigentlich immer nur die blanken Betonplatten - teilweise musste man aber danach Graben, um zu schauen ob man noch richtig läuft, oder man stand gleich im meterhohen Gras.

    Dieses landschaftlich reizvolle Detail wurde mir dann auch zum Verhängnis. Irgendwann waren meine Schuhe so durchnässt, dass sich eine Blase an der Ferse meldete.


    An dieser Stelle hab ich die Tour dann vorerst pausiert. Ich denke es war die bessere Wahl anstatt die nächsten Tage nur halbe Strecke zu machen. Zumal das Wetter jetzt übers Wochenende auch recht heiß wird. Ich bin also zum nächsten Bahnhof ins Werratal und von dort aus nach Hause. Frisch geduscht mit kühlem Wasser auf der Terrasse - das schönste überhaupt wenn man die einfachsten Dinge nach selbst so einer kurzen Tour zu schätzen weiß.


    Nachdem ich im September noch genug Zeit habe werde ich dann Teil zwei angehen. Dann allerdings mit besserem Kartenwerk, damit ich nicht wieder so improvisieren muss. Auch mein Schuhwerk wird vorher nochmal etwas nachimprägniert. Der offizielle Grenzwanderweg führt nicht immer an der Grenze entlang - dennoch werde ich wohl dann im September diesen gehen, auch wenn er etwas länger ist.