Techniken, Werkzeug und Erzeugnisse zum Thema Flint Bearbeitung

  • Hallo ihr Lieben,


    Heute möchte ich einmal das Thema "Flint Knapping/ Bearbeitung von Flint hier ins Forum einbringen.
    Keines Wegs bin ich ein Profi in dieser Sache :eek
    Ich denke aber das es in Ordnung geht, einen Beitrag dazu verfassen zu dürfen :D dazu braucht es ja nicht erst professionelle Fertigkeiten ;)
    Zumindest in diesem Beitrag soll es hauptsächlich darum gehen wiedermal das Beobachten, Lernen und Machen zu animieren.
    Der Fortschritt in diesen Dingen kommt schlicht aus Praxis und Lerneffekt- vom Tun heraus , deshalb wird hier zu mindest vorerst keine extrem ausführliche Schritt für Schritt Anleitung vorzufinden sein!
    Es wurde ja in manch anderen Fäden schon mal erwähnt, dass vieles was "spontan" passiert, nicht sogleich aufgezeichnet werden kann, deshalb kann ich hier auch mehr oder weniger nur Bilder einbringen die ich erst nach dem eigentlichen Tun fotografiert habe.
    Jeder der in einer Beschäftigung aufgeht kennt diese Erfahrung selbst, man ist voll und ganz in der monentanen Sache versunken, da denkt man nicht so oft daran jeden Schritt einzeln zu dokumentieren.
    Gerne möchte ich ein paar persönlich gemachte Erfahrungen diesbezüglich mit Euch teilen und hoffe das der Ein oder Andere zum Thema etwas beitragen kann bzw. das ihr euch evtl. bei Interesse mal damit auseinander setzt :daumen
    Im Kontext zum Thema ist jede Ergänzung und auch Vorstellung gewisser Resultate herzlich :willkommen , denn es soll nicht "Mein" Thread werden sondern einer von Unseren :bcplove , doch lasst uns bitte auch hier Versuchen im Zusammenhang mit dem eigentlichen Thema zu bleiben, Danke!


    Also los :)
    Als erstes kommen wir mal zum "Arbeitsschutz" :


    Ganz wichtig bei der Arbeit mit Flint und Glas, es sollte die Bearbeitungsstelle möglichst an einem speziell dafür auserkohrenen Platz angelegt werden, nicht unbedingt im Lagerabteil wo die meisten Leute stets kreuz und quer laufen, ansonsten kann es zu bösen Verletzungen kommen!
    Feuerstein und Glas sind extrem scharf, deshalb seid vorsichtig!
    Wenn ihr die Möglichkeit habt legt den Bearbeitungsplatz mit einer Decke oder ähnlichen großzügig aus, da manche Abschläge ziemlich weit herumfliegen können und es ist im Nachhinein auch einfacher, nach getaner Arbeit den Platz aufzuräumen.
    Für euch persönlich solltet ihr Lederhandschuhe, Lederpolster und Schutzbrille in Erwägung ziehen, auch dieser Grund erschließt sich irgendwann sicherlich von selbst, soweit muss es aber nicht kommen!
    Nochmal das Material mit dem ihr arbeitet ist Scharf!


    Kommen wir nun zu der eigentlichen Sache:


    Im Fall , das nicht genügend bzw. qualitatives Feuersteinrohmaterial vorhanden sein sollte, würde ich jedem Beginner dazu raten, erst einmal mit Glas zu üben und davon wird der Großteil dieses Beitrages nun handeln.
    Am besten eignet sich dazu ein Flaschenboden, nur hier stellt sich meist die erste Frage:


    Wie bekomme ich den Boden möglichst im ganzen aus dem restlichen Teil der Flasche?


    Dazu mag es wiederum ganz unterschiedliche Möglichkeiten geben, doch ich bringe hier mal die mir am einfachsten Erscheinenden ein.
    Durch diese Mehtode entsteht zumindest realtiv wenig Bruch im Gegensatz zum Zertrümmern der Flaschen auf gut Glück.


    bushcraftportal.net/gallery/index.php?image/2774/


    Wie im ersten Bild zu sehen kann man dafür eine stabilere Schraube oder größeren Nagel hernehmen.
    Im nächsten Schritt "schmeißt" ihr die Schraube/Nagel mit dem Kopf voran in die Flasche.
    Dann geht ihr über eine weiche Unterlage, es wird die Flasche in die Hand genommen, der Daumen verschliesst die Flaschenöffnung und nun Schütteln.
    Wenn ihr alles richtig gemacht habt, gibts einen kleinen Blopp, der Boden fliegt auf die weiche Unterlage und ihr hab den Flaschenboden hoffentlich im ganzen vor euch liegen.
    Ohne Unterlage kann es euch passieren, das der Glasboden zerspringt :squirrel
    Allerdings passiert es manchmal, das der Boden trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nur dreiviertelst herausspringt, auch daraus lässt sich noch ne Pfeilspitze rausklopfen.
    Bei allen bisher beschriebenen und auch bei dem was noch kommt, hilft eben letzten Endes nur die Erfahrung und das Beobachten weiter.
    Funktionieren tut die Methode jedenfalls, siehe da:


    bushcraftportal.net/gallery/index.php?image/2522/


    Auf der rechten Seite sind dabei 2 Flaschenböden zu sehen, genauso in der Art kommen sie mit der oben erwähnten Technik heraus.
    Die Pfeilspitzen auf dem selben Bild sind natürlich nicht aus den selbigen Böden, denn ich habe festgestellt das diese Art von Flaschenböden realtiv ungeeignet sind.
    Diese Böden sind schlicht zu gewölbt um daraus ne vernünftige "Spitze" rauszubekommen, dabei kommt höchstens sowas zustande :


    bushcraftportal.net/gallery/index.php?image/2773/


    Wie ihr selbst sehen könnt völlig krumm, da ja die ungefähre Form bei solch relativ dünnen Ausgangsmaterial nicht so Arg herausgearbeitet werden kann wie Beispielsweise aus einem guten Abschlag von einer Flintknolle, haut das nicht hin.
    Auf dem Bild seht ihr auch gleich, dass auf dem Boden ne Nummer eingraviert war, wiederum ein Manko, dort wird aller Wahrscheinlichkeit das Glas brechen noch bevor ihr ne Spitze vollenden könnt.
    Die meisten Flaschenböden sind ja auch irgendwie an den unteren Rändern gestreift, das sollte natürlich auch nicht gerade in der herausgearbeiteten Spitze auftauchen, also zu allerst weg damit!
    Probiert ruhig all das mal selber aus, so lernt ihr das Verhalten der Materialien am besten kennen.
    Man sollte sich sowieso keine Illusionen machen, es wird einen Haufen Scherben und Zertrümmertes geben ob mit Glas oder Flint!
    Deshalb rate ich euch am Anfang zum Glas, das zu verhauen frisst nicht so wie wenn man einen raren Feuerstein zerklopft und vom Bruchverhalten kommt es an Flint auch relativ nahe, noch näher kommts an Obsidian!
    Also gleich mal mit eingeworfen, die ganze Geschichte hier ist nicht unbedingt was für Ungeduldige und Leute die Denken, dass man gleich aus den ersten Versuchen ne Spitze rausbekommt, wobei es beim Glas doch eher funktionieren wird, die oben abgebildeten Pfeilspitzen sind aus meinen ersten Versuchen mit Glas!
    Damals habe ich in Benneckenstein einfach die ganzen Flaschen im Wald und den Gebäuden herumliegen sehen und hab die dann einfach spontan aufgesammelt und ab gings in die "Glasverarbeitungsfabrik" abseits des Lagerplatzes, dort wurde dann echt Stundenlang geklopft und zerklopft :D
    Dabei fiel mir noch etwas weiteres in Bezug auf das Material Glasboden auf, jedes Glas mit unterschiedlicher Farbe reagierte anders bzw. liesen sich einige farbige Gläser scheinbar weniger gut bearbeiten.
    Braunes Glas war nach meiner Beobachtung am leichtesten und besten zu bearbeiten, sprich es ging viel weniger zu Bruch, grünes Glas war schon etwas Schwieriger , ging aber auch noch und weißes Glas ging relativ schnell zu Bruch, da war es am schwierigsten was ordentliches herauszubekommen.
    Die meisten der oben abgebildeten Pfeilspitzen habe ich Aufgrund der nicht vorhandenen "fachmännischen Ausrüstung" außer den Hammersteinen , Größtenteils nur mit ganz oben abgebildeter Schraube geflaked also geklopft und gepikert.
    In Benneckenstein war ja was solche Materialien angeht, einiges reichlich vorhanden und darum gehts ja auch, dass zu nutzen was man vor Ort vorfindet und im Notfall auch damit was machen können!
    Es funktioniert also auch die Kombi -Primitive Skills mit den Materialien die sich aus Hinterlassenschaften der Zivilisation finden lassen!
    Zum Bruchverhalten wärend des Klopfen kann ich nun aber realtiv wenig so schildern das man damit in der Praxis was damit richtig gut Anfangen könnte, weil das wirklich mit praktischer Erfahrung verbunden ist.
    Da sollte man vor Ort während der praktischen Arbeit seine Lehren ziehen, dabei aber nicht verzweifeln, es führt kein Weg dran vorbei, nur mit Geduld und Ausdauer kommt man bei diesem Thema voran, aber es wird klappen, soviel kann ich euch sagen!
    Bei jedem "richtigen" Stein/Glas werden sich individuelle Punkte finden lassen, die für den Anfangshieb geeignet sind, kombiniert mit dem Winkel, der Wucht und einigen anderen Aspekten kommt dann das Resultat des Schlags zu stande.
    Hat man Beispielsweise erfolgreich einen leicht gewölbten Abschlag von einem Flint mit geeigneter Größe abgeklopft, so geht man an diesen ran und versucht unötiges Material abzutragen.
    Am besten in dem man in wechselseitiger Weise Plattformen herausschlägt, es sollten sich muscheliger Ausbrüche mit den dazugehörigen Flakes bilden, sprich man macht einen Schlag mit einem Hammerstein bzw. mit einem Schlägel aus Geweih oder Holz an einer realtiv Scharfen Kante des Flints.
    Man verfährt so wechselseitig um das zu bearbeitende Steinstück herum, wenn man es seitlich auf Augenhöhe hält sollte eine Art Zick Zack Form um die Seite des Steins herumgehen, hat man das geschafft, gehts mit noch mehr feinarbeiten weiter und je nachdem wo noch zu viel Material im Wege ist , trägt man ab.
    So in etwa gings auch mit dem Glas wobei man da den Arbeitsschritt mit dem Abschlag aus einer größeren Masse Glas nichtmehr hat, in dem Fall stellt sozusagen der Boden den Abschlag dar den man im Fall von Gestein erst aus der Gesteinsmasse ausschlagen müsste.
    Wie ihr bereits merken könnt bringt es nicht viel in der Theorie darüber zu reden, es führt kein Weg dran vorbei, dass ganze Thema ist komplett von Praxis abhängig.
    Die Pfeilspitzen oder Klingenform ist eigentlich schon in dem Stein drin ;) nur muss man sie aus dem Stein herausholen, dass ist wie bei einem Künstler der eine Statue aus Stein oder Holz herausschlägt, im Inneren muss sich beim Bearbeiter erstmal ein Bild des Produktes aufbauen, sozusagen eine "Vorstellung" des Ergebnisses und auch ein gewisses Feingefühl welches man mit Worten nicht so richtig beschreiben kann, der Rest kommt mit der Zeit und Erfahrung.
    Bei jeder Gelegenheit in Bezug auf Steine die sich euch bietet, probiert mal die unterschiedlichsten Gesteinsarten aus, also beim nächsten Ausflug an einen Fluss mit Kiesbett oder ähnlichen nehmt euch mal paar Steine und klopft mit anderen einfach darauf herum, ohne eine bewußte Technik zu verwenden.
    Lernt und beobachtet Beispielsweise das Bruchverhalten bzw. ob sich diverse Steine überhaupt irgendwie verändern lassen, mit der Zeit bekommt man mit, welches Gestein sich für was nutzen lassen könnte!
    Es ist ja nicht nur Flint der zur Herstellung von Geräten,Werkzeugen und Waffen genutzt wurde, Quarz, Quarzit, Obsidian, Jaspis, Achate und noch einige Arten mehr, lassen sich durch Flint Knapping bearbeiten!
    Zum Thema Werkzeug zu Flintbearbeitung, bring ich mal noch folgende Bilder ein:


    bushcraftportal.net/gallery/index.php?image/2772/


    bushcraftportal.net/gallery/index.php?image/2769/


    Auf diesen Bildern seht ihr meiner derzeitige "Ausrüstung/das Werkzeug" welches ich für die Bearbeitung von Flint und Glas nun her nehme.
    Die Hammersteine in verschiedener Stärke und Form, verwende ich meist für gröbere Arbeiten, wie Flakes aus einem größeren Feuerstein herauszuschlagen, wohingeben das Geweihstück vor allem für die Feinarbeit zur Verwendung kommt.
    Bisher hab ich das Geweih lediglich zum sog. Pressure Flaking hergenommen, was bedeutet, das man mit der Spitze eines Geweihstückes einzelne Stückchen Stein an realtiv dünnen Stellen eines Abschlages unter Kraftaufwand herausdrückt, so bekommt man sehr scharfe Kanten in Glas und Flintspitzen.
    Wenn man ein ordentliches Geweihstück hat, kann man das dickere Ende welches eigentlich mit dem Schädel verbunden ist entweder oberhalb des Schädels absägen oder den Schädelrest bis auf das Geweih runterfeilen und anschließend etwas abrunden.
    Dadurch erhält man schöne Schlägel die je nach Geweihart, auch gröberes Gesteinsmaterial bearbeiten können, allerdings muss man bei solchem Naturmaterial dann, regelmäßig nachfeilen bzw. Schleifen da mit der Zeit durch das Steinebehauen, diverse Einbuchtungen in dem Geweihschlägeln auftreten und diese dann auch das Bruchverhalten beeinflussen können.
    Die Ausrüstung ist ebenfalls von Steinbearbeiter zu Steinbearbeiter unterschiedlich , manch einer hat ein riesiges Arsenal an Hammersteinen und Klöppeln in den unterschiedlichsten Formen und Größen, doch auch das ergibt sich mit der Zeit aus den Erfahrungen der Praxis und wofür man seine Vorlieben entwickelt.
    So nun noch ein Motivationsbildchen zum Flintklopfen, meine erste realtiv gut gelungene Flintspitze, die ich letze Woche aus relativ "minderwertigen" Material herausgehauen habe :


    bushcraftportal.net/gallery/index.php?image/2768/


    Der Rohstein war am Anfang etwa Faustgroß und es gab Arg viele Abschläge die nicht geeignet waren, ergo ein haufen Schutt für so eine Spitze, ein Profi würde sich darüber Schlapp lachen, ich fühl mich unheimlich glücklich endlich einen größeren Fortschritt erzielt zu haben als nur Kilos an Steinschutt zu produzieren :D


    LG,
    Rauchquarz

  • Wow!
    Ein so "schwieriges" Thema so Gut zu beschreiben ... ist schon was!
    DANKE dafür;
    und auch für die eingefügten Bilder ... die den Text auflockern und das beschriebene anschaulich verdeutlichen.
    (ohne die Bilder würde mich dieser Beitrag mit sooo viel Text doch ein wenig abschrecken ...)


    Gruß
    Michael

  • Hallo Ben,


    Das Feuerschlagen mit den "traditionellen" Schlageisen konnte ich bisher noch nicht testen, da ich selber noch keins habe.
    Aber mal Objektiv betrachtet, ist es ja eigentlich auch nicht der Feuerstein der die Funken abgibt sondern aus dem Eisen werden winzige Splitterchen durch die scharfe Kante des Steins herausgerissen, diese sind es die den Funken ausmachen.
    Als müsste "theoretisch" auch anderes Material gehen, dass muss nur auch fest genug dafür sein- in Bezug auf Glas weis ich momentan nicht in wiefern es durch das entlangziehen des Feuereisens an den jeweiligen Stellen aussplittern würde.
    Wäre ja aber mal wieder ne schöne Aufgabe, das mal zu testet!
    Mit nem modernen Feuerstahl ala Lmxy oder Milchtes kann man auf jeden Fall in Kombination mit Glas die Fünkchen erzeugen, bloss da ist es ja eh generell leichter nen Span abzutragen da der Stahl realtiv leicht ist.
    Versuchs mal und probier mal die Sachen aus, du musst bei Glas ja nichtmal ne sonderliche Bearbeitung durchführen, reicht wenn es scharfkantig ist, aber sei Vorsichtig, du weißtja mit was du da arbeitest!
    Ergebnisse dazu könnte man auch hier in einem Thread einbringen, schliesslich finden wir Heutzutage auch Glas in der Natur ;)


    LG,
    Rauchquarz