Der spirituelle Aspekt im Bushcraft

  • Ein ziemlich und häufig vernachlässigter Aspekt im Bereich des "Bushcrafting" ist die spirituelle Komponente, welche aber dennoch ein wichtiges Thema ist, bzw. sein sollte.
    Es geht hierbei nicht um irgendwelchen dogmatischen Religionsfanatismus oder gar Götzenverehrung, sondern vielmehr die Tatsache, dass die Natur als Solches, also in Ihrer Gesamtheit mit all den Tieren und Pflanzen, lebendig ist; ja dass sie lebt.
    All die primitiven Techniken usw. welchen doch allzuoft gern nachgeeifert wird wären nichts, ohne auch das spirituelle Wesen zu berücksichtigen.
    Sämtliche indigene Völker der Vergangenheit und Gegenwart leben dies in Ihrem Alltag, in Ihrem Dasein, auf ihre eigene, ganz unterschiedliche Art und Weise aus. Zeremonien, Feierlichkeiten und Rituale zu den unterschiedlichen naturreligiösen Feiertagen;
    die Verehrung von Naturgeistern, Pflanzen und Tiergeistern uavm. waren integriert in die Abläufe des Lebens unserer Ahnen.
    In unserer heutigen schnellebigen Welt, vor allem in westlichen bzw. technisch entwickelten Industrienationen ist dies alles mittlerweile (leider) fast völlig in Vergessenheit geraten.
    Doch es soll hier nun weniger um das gehen, was vor vielen hundert Jahren noch alltäglicher Brauch gewesen ist. Vielmehr sei ins Auge zu fassen, wie auch wir heutzutage einen gewissen Beitrag leisten können, um der Natur "Danke" zu sagen.
    Gerade wer sich häufig draussen aufhält sollte öfter einmal in sich gehen, und sich gedanklich dafür bedanken, dass er z.B. gerade in diesem Moment sich an jenem Platz aufhalten kann.
    Wir nehmen beim draußen "Spielen" vieles als eine Selbstverständlichkeit hin/an, was eher keine ist.
    Bsp: Man ist in der Natur und es wird kalt. Man will ein Feuer machen, um sich zu wärmen. Was fehlt uns also? Holz, und dieses ist in Wald und Flur reichlich vorhanden. Also, kann & sollte man, wenn man schon vom Wald sich "bedient", wenigstens im Kopf Danke dafür sagen; kurz inne halten.
    Auch Nahrung finden wir zuhauf; und just wenn wir als Menschen Hunger verspüren, findet sich auch etwas essbares, Also auch hier kann und sollte man Danke sagen.
    Dies sind alles nur kleine Beispiele, es gäbe noch weitaus mehrere zu benennen, aber jeder Einzelne wird und sollte für sich allein entscheiden, was er davon befolgt, und was nicht.


    In anderen Kulturen herrscht noch das verständliche "Geben und Nehmen", und die Begrifflichkeiten von einem "naturbewußten Leben" sind nicht nur bloße Floskeln, sondern fleischgewordene Normalität.
    Man opfert so z.B. Tabak, oder hinterläßt ein kleines persönliches Geschenk am Lagerplatz; so bspw. einen Stein, oder eine Kette, oder man bringt einen Teil der Speise dar. Oder oder oder.
    Sicher leben wir hier alle nicht mehr in einem Wald und es fehlt dadurch auch eher ein praxisbezogener Teil unserer Selbst, welcher das Verständnis der oben angesprochenen Spirituellen Seite aufleben läßt.
    Doch wieviele hier tragen Schmuckstücke und Symbole alter Kulturen? So bspw. Mjöllnir, kelt. Spiralen, Triskelen, oder Ankh, Wikingersymbole usw usf.
    Alles Symbole, welchem der spirituelle, naturverehrende Kontext eben jener Kulturen und Völker zugrunde liegt / lag.
    Und ohne jetzt auch weiter großartige Ausschweife unternehmen zu wollen, noch ein abschliessender Satz:


    "Bushcraft ist nicht nur mit primitiven Techniken und Improvisationstalent in der Natur zu sein und einer "romantisch verklärten" heilen Welt nachzuträumen, es ist auch gelebtes Eins-Sein mit all den Wesen welche dort draussen leben.
    Es ist das spirituelle Verschmelzen von Pflanze-Tier-Mensch in seiner gesamten Form; eine liebevolle Einheit im Geiste!"


    Mit diesem Thread ist warscheinlich gerade einmal die sog. "Spitze des Eisberges" angesprochen worden, ist gerade dieses Thema warsch. das am weitreichendsten und verzweigtesten was es gibt.
    Doch ich hoffe, somit einen wenigstens kleinen Denkanstoß geben zu können.

  • Du hast das hervorragend ausgedrückt und mir aus der Seele "gesprochen", denn wir alle nehmen viel zuviel aus der Natur damit es uns gutgeht.
    Aber leider geben wir ihr meistens nichts zurück. Es ist für die "zivilisierte" (?) Menschheit nicht relevant was man alles der Natur antut...hauptsache es geht einem selbst super. Deswegen versuche auch ich meine Mitmenschen im Alltag der Natur und dadurch eigentlich sich selbst wieder näher zu bringen indem ich sie z.B. auf für sie bisher banale Dinge aufmerksam mache ( kleine Käfer auf der Wiese usw.).


    Im Einklang mit der Natur zu leben heißt als allererstes einmal sie auch zu achten und zu akzeptieren und damit haben leider so einige (speziell Großstadtbewohner) ihre Probleme.

  • Vielen Dank Waldkauz für dieses Thema wenn auch es sicher ein recht schwieriges ist.


    Ich selbst sehe es auch so, daß eine „gewisse Form von Geisteshaltung“ sehr unterschätzt und auch vernachlässigt wird, wenn man sich in der Natur bewegt. Ob man Nahrung, Zunder oder Schutz finden will, sich ohne weitere Hilfsmittel orientieren kann oder sich auch Energie schonend zu bewegen vermag – überall wird es einem leichter fallen wenn man sich geistig mehr und mehr einen tieferen Zugang zur Natur schafft.
    Je mehr man das übt wird man merken wie sich die Wahrnehmung und die ganze Haltung ändert, ebenso wie die Aufmerksamkeit.


    Lieben Gruß,
    Ilves

  • Man muss der Natur ja nicht unbedingt Gaben oder Geschenke darbringen. :beten Es reicht, wenn man sich im Klaren ist, was einem selbst eigentlich geschenkt wird und dies zu schätzen weiß.


    Das Spirituelle an der Natur beginnt ja schon damit wie man sie wahrnimmt. Ich merke oft wie die Natur einfach als etwas Selbstverständliches angesehen wird und es für viele egal ist wie man sie behandelt.


    Z.B. der Gedanke: Das kleine bisschen Dreck wird schon kein Problem sein.


    Deswegen regt es mich immer auf wenn man auf Wanderwegen, etc. Verpackungen von irgendwelchen Zuckerln und anderen Naschereien findet, die achtlos weg geworfen wurden. :haue Ich finde so etwas rücksichtslos gegenüber seinen Mitmenschen, die sich dann mit
    verdreckten und vermüllten Wäldern herumschlagen müssen. Auch ist es sehr kurzsichtig und egoistisch, sich nicht um die Zukunft zu scheren.


    Was kann der nächste Wanderer oder Spaziergänger dafür, dass sein Vorgänger sich nicht um die Umwelt gekümmert hat und seinen Schmutz achtlos zurück gelassen hat.


    Genieße ich die Natur versuche ich alles so zurück zu lassen, wie ich es vorgefunden habe.
    LG Weili

  • Für mich ist das draussen sein nicht nur eine Art des Entspannens, sondern auch einen Weg mich bewust eins zu sein mit der Natur, mir meinen Platz dort zu lernen. Ich weiss ich bin nicht alleine, den ich verspühre überall um mich herum eine Anwesendheid die weiter geht als das Leben wie wir das kennen.
    Immer wenn ich draussen bin, lege ich nach kurzer Zeit eine Pause ein, setzte mich hin und will einfach nur sein und spühren. Ich öffne mich mit Herz und Seele meiner Umgebung und versuche die Geister des Waldes zu fühlen. Manchmal klappt das, manchmal auch nicht....
    Und jedesmal wenn ich gegessen und getrunken habe, hinterlasse ich den letzten Happen oder den letzten Schluck dem Wald. Eine kleine Opfergabe an das was hier in der Folklore das "småfolk" genannt wird. Für mich aber ist das meiner Art mich bewust zu bedanken für alles was der Wald und Mutter Erde mich geschenkt haben, sei es Wasser, Holz, den Anblick der Tiere und Pflanzen oder nur der Wind der mein Geist befreit hat von Sorgen oder meinen Körper erfrischt hat..

  • Lieber Waldkauz,


    ich danke dir, dass du dieses Thema eröffnet hast!


    Und ich stimme dir vollkommen zu, dem was du geschrieben hast, ist kaum etwas zuzufügen. Aber man kann dem Ganzen jetzt mit vielen Beispielen Inhalt geben und versuchen, das Ding "Natur" aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Dabei werden wir aber immer wieder zum selben Schluss kommen.


    Für mich, grade auch als Reiki-Praktizierender, ist alles da draußen "Leben". Und es ist für mich nicht unterschiedliches, einzelnes Leben, für mich hängt alles miteinander zusammen, ist untrennbar miteinander verbunden. Auch mit mir und ich mit ihm.


    Vielleicht ein paar Aspekte zum nachdenken oder diskutieren:


    - Unser Forum hat bis jetzt 1 262 andere Themen gebraucht, um auf dieses Thema zu kommen!!! Ist es uns nun selbstverständlich oder gar nicht bewusst???



    - Viele hier sehen "Unkraut" nicht mehr als solches, freuen sich sogar, dass man einiges davon essen kann. Dieselben Leute sprechen aber immer noch von "Ungeziefer"???



    Liebe Grüße,


    Westwood

  • Waldkauz, dass ist seit langen mal wieder ein richtig Guter und tiefsinniger Beitrag!
    Erst die Verbindung von Bewußtheit bzw. Bewußtsein, dem Gewahr werden dieses Aspektes und des Auslebens in Verbindung mit den Techniken die sich über die Jahrmillionen der Menschheitsgeschichte bewährt haben, ermöglicht die Verschmelzung des Menschen mit seiner natürlichen Umgebung.
    Je mehr ein Mensch sich in diesem Zustand bewegt, desto weniger Fremdheit und Angst findet sich in Ihm wieder, wenn er sich in und mit der Natur bewegt.
    Die Abwesendheit dieses Bewußtseins bei der Mehrheit der heutigen Gesellschaft ist im großen Maße, Auslöser für Degeneration, Zerstörungswahn, Materialismus und den unzähligen Unausgewogeneheiten der sog. zivilisierten Welt.
    Naturvölker leben es seit je her in einer wohlbalancierten Form, einige Menschen aus den sog. zivilisierten Gesellschaften erfuhren seit Jahrtausenden tieferes Verständnis und Einblicke in natürliche Abläufe des Lebens.
    Wer es vermag dieses Bewußtsein ohne zu zerfragen in sich Wirken zu lassen, der kann durchaus harmonisch in der Natur mitschwingen, dieser Mensch kann Eins mit dem großen Ganzen werden.
    Streift man heute noch mit schweren Beinen und überforderten Sinnen durch die Gegend, kann man schon Morgen einen ungemein wertvollen Schatz dort in den Wäldern, den Bergen, den Flüssen und Seen heben, alles was es dazu braucht ist sich darauf einzulassen und lernwillig zu sein.
    Bäume, Steine, Tiere, Pflanzen und noch vieles andere mehr werden zu Lehrmeistern die uns helfen können, in Einklang mit uns und unserer Umgebung leben zu lernen und dies dann auch weitergeben zu können.
    Ein anderes Sehen, Verstehen und Begreifen wird uns zu Teil werden, Achtsamkeit und Demut werden sich einstellen, dies kann den Menschen der heutigen Zeit helfen "wahrhaft" zu leben und dadurch etwas zu ändern, zum Guten der Gesamtheit hin.
    Letzten Endes erfährt man den wahren Gehalt jedoch nur in dem man Raus geht und in Beziehung mit seiner Umgebung tritt.
    Bushcraft kann dabei auch eine vermittelnde und helfende Rolle spielen, dies zu erfahren und erfahrbar zu machen.
    Alles Gute!



    LG,
    Rauchquarz

  • Also erst mal vielen Dank an Waldkauz, dass du diesen Thread hier durchgekriegt hast; das ist ganz auf meiner Linie!
    Spitituelle Themen sind im BCP eigentlich nicht gerne gesehen, was mich anfangs sehr gestört hat, ich aber dann doch schnell akzeptiert habe, weil es ansonsten ein Super Forum mit ganz tollen Leuten ist!


    Am 3. Dezember hatte ich in meinem Vorstellungsthread folgendes geschrieben:

    Bei meiner Beschäftigung mit geistigen und sprituellen Dingen bin ich auf den amerikanischen Wildnisspezialisten und Autor "Tom Brown jr." gestoßen, von dem ich alle Bücher begeistert gelesen habe. Durch Tom Browns Schilderungen zieht sich stets die indianische Weltsicht, die generell nicht zwischen Materie und Geist unterscheidet, wie ein roter Faden hindurch. Da fühle ich mich zuhause, dies entspricht in etwa meiner Lebenseinstellung und auch -erfahrung.


    Diese Einstellung versuche ich möglichst zu leben. Ich erlebe im Wald eine ganz besondere immaterielle Präsenz, die mich stets meine seelischen Akkus aufladen lässt. Dementsprechend ist dann auch mein Respekt vor der Natur ausgeprägt.


    Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit dem spirituellen Aspekt der Natur näher zu befassen.
    Deshalb hatte ich auch schon ganz früh hier im Forum begonnen, die Bücher von Tom Brown jr. vorzustellen:

    Buchtipps: Reiseliteratur/Bücher von draußen/Fachliteratur


    Leider ist dieses Unterfangen etwas eingeschlafen und ich weiß auch nicht, wann ich damit weitermachen werde.
    Aber ein unbedingter Lesetipp ist Tom Brown jr. allemal.
    Und falls jemand interessiert ist, etwas von ihm auf deutsch zu lesen, schreibt mir einfach eine PN.


    LG Parzival :bcplove
    P.S. @Rauchquarz:
    Einen ganz phantastischen Beitrag hast du da geschrieben!

  • Das sind ja mal Worte und Themen die mir sehr wichtig sind, mit den Jahre immer wichtiger geworden sind!
    Ich denke das wir alle als Naturliebhaber, Bushcrafter, Survivler, ... oder wie immer wir es nennen wollen unbewußt sowiso spirituell veranlagt sind. Schliesslich wollen wir ja MIT etwas leben, mit der Natur und nicht GEGEN etwas, schon gar nicht gegen die Natur in der wir uns doch alle sehr wohl fühlen! Wir sind keine Krieger die etwas besiegen wollen, im Gegenteil, wir wollen erhalten!


    Ich weiß noch wie mir das erste Mal so richtig bewußt wurde wie wertvoll all das um uns ist.
    Da war ich so ungefähr 15 Jahre und ich war mit ein paar Kumpels für 2 Tage draussen. Wir wollten Survival spielen (Nehberg hatte gegrüßt), Feuer machen, was von draussen essen, primitives Nachtlager bauen, ... Brauche wohl nicht gross erwähnen das dies ohne jede Erfahrung voll in die Hose ging. Es war einfach nur arschkalt und wir waren froh als es rum war!


    Die beiden anderen wollten von der ganzen Sch... (Ausdruck damals) nix mehr wissen. Ich erst auch nicht. Dann wurde mir aber so langsam klar wie unglaublich toll es doch ist zuhause einfach am Knöpfchen zu drehen und es ist warm, einfach den Kühglschrank aufzumachen iund ich hab was zu essen, einfach von Papa zum Sport gefahren werden und paff schon bin ich 30 km weit weg, einfach ... Wärme, Essen einfach so da, draussen muss man richtig was dafür tun. Mir wurde da klar wie dankbar ich doch dafür sein muss aber auch welchen Preis wir alle dafür zahlen in Punkto Umweltzerstörung etc.


    Daraus resultierte dann auch schon in diesem ganz jungen Alter das ich in der Schule in Gemeinschaftskunde oder Politik ne 4 kriegte wenn ich z.B. sagte das "permanentes Wachstum nun mal nicht möglich ist", "spätestens wenn die Ressourcen verbraucht sind ist automatisch Ende". Buuuhaaa, Frevel für die technik- und öjonomiehörigen Lehrer.
    Nun, heute wissen wohl alle das ich in meinem damals jugendlichen Leichtsinn trotz schlechter Schulnote Recht hatte!


    Und letzlich hat mich das die Natur gelehrt nur weil ich damals mal 2 Tage das "eigentlich echte Leben" habe spürten müssen.
    Danke Natur.
    Ohne das wäre ich vielleicht jetzt son Typ dessen wichtigsten Dinge das neueste Smartphone, die geilste Stereoanlage, der Geländewagen, ... sind.
    NICHT FALSCH VERSTEHEN !
    Ich freue mich für jeden der dies alles hat weil er Spass dran hat!
    Nur, ich brauche das meiste davon nicht, ich fühle mich viel wohler wenn ich einen geilen Sonnenuntergang sehe, wenn ich eine grandiose Berglandschaft erleben darf, wenn ich einfach nur Zeit habe und in den blauen Himmel schauen kann, ...


    Mein Vorschlag:
    Ein Fach in der Schule in dem die Kinder an solche Dinge rangeführt werden. Die Großartigkeiten der Natur und damit deren Wertigkeiten kennenlernen. Das wäre eine Investition in unsere Zukunft die noch nicht mal was kostet aber sicher nicht nur die spätere Zufriedenheit als Erwachsene verbessert, Persönlichkeit fördert, das Zusammenleben in der Gemeinschaft fördert, sondern im Endeffekt sogar das Überleben unserer eigenen Lebensgrundlagen sichern hilft.
    Habe aber sehr wenig Hoffnung das das umgesetzt wird!


    LGs,
    Tappsi

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • Parzi,


    Die Schilderungen von Tom Brown haben da auch einiges zu beigetragen, da darin Sachen zu lesen waren die ich in einer Zeit mit nem sprituellen Tief ( ja sowas gibt es dann auch mal) praktisch in mein Erleben einfliesen lies und dadurch wieder Erfrischung und Erneuerung fand.
    Inspirativ sind gerade diese Bücherserie:


    Das Vermächtnis der Wildnis
    Großvater- ein Leben für die Wildnis
    Das Wissen der Wildnis
    Friedvolle Krieger der Wildnis


    Wobei man natürlich mit der Zeit lerne, gewisse Dinge, Lehren ein Stückweit aus den verschiedenen Quellen herauszufiltern und gegebenen Falls nicht alles vorbehaltlos zu Übernehmen.
    Persönlich stimme ich nicht immer mit allen geschilderten Dingen überein, aber das ist dann eben auch eine praktische Sache die sich auf dem Weg ergibt.
    Es ist wie im " normalen" Leben auch, man fällt und steht wieder auf und das Resultat aus alle dem, sind ungeheuer wertvolle Erfahrungen die nicht mit Gold aufzuwiegen sind und nicht extra nen Rucksack benötigen um beständig mitgetragen werden zu können.
    Mein Tief ergab sich in diesem Bereich vor allem weil ich mich nach dem ich eigentlich schon meine Erfahrungen in der Natur gesammelt hatte, durch gewisse Dogmen eines gewissen Glaubensbildes in eine Art Befangenheit geriet die mir und meinen inneren Wesen nicht gut bekamen und ich eine Weile radikal durch diverse angstmachende Dogmen alles Naturwissen und die Naturlehren aus meinem Leben ausmerzte.
    Es brauchte einige Zeit wieder in Einklang mit dem "Selbst" zu kommen um schliesslich dann auch wieder im Einklang mit dem was mich umgibt zu sein.
    Nichts ist Starr!
    Aber alles hat genau so geschehen müssen wie es geschah und im nachhinein bereue ich keinen Abschnitt meines bisherigen Lebens, denn ich durfte beständig lernen und Erfahrungen sammeln ob es Zeiten der Freude waren oder Zeiten des Unbehagens, all das machte und macht mich zu dem wer ich bin.
    Was ich aus meinem Bescheidenen Leben anderen in dieser Hinsicht mit auf den Weg geben kann, ist offen zu sein und Weitsicht zu bewahren, jedoch vor allem eine -Balance- ich nenne es eine geerdete " Spiritualität" zu leben, also auch Wachsam auf dem Weg zu sein, denn sobald etwas in Extreme fällt, dann haut da mit Sicherheit etwas nicht ganz hin!
    Aber davon kann man dann nur erzählen, die Erfahrungen muss letzten Endes ein jeder ein Stückweit zumindest für sich machen, wobei auch da, dass -für sich machen- keinesfalls Gemeinschaft ausschliessen soll!
    Balance ist wirklich das A und O würde ich persönlich immer wieder mit auf den Weg geben!
    Bei uns zumeist westlichen Menschen die wir in einer relativ unnatürlichen Umwelt aufgewachsen sind, ist bei sowas die Gefahr der Unausgewogenheit sehr groß, denn in der Welt in der wir aufgewachsen sind und auch leben, gibt es oftmals keine ordentliche Mitte, deshalb verlieren sich gerade sog. ziviliserte Menschen in auffälligen Extremen und auch diese Gefahr ist in spirutellen Dingen gegeben.



    LG,
    Rauchquarz

  • Inspirativ sind gerade diese Bücherserie:


    Das Vermächtnis der Wildnis
    Das Wissen der Wildnis
    Großvater- ein Leben für die Wildnis
    Friedvolle Krieger der Wildnis


    Wen´s interessiert: Schaut euch mal die Preise in amazon für diese deutschsprachigen Ausgaben an!
    Es gab seltsamerweise nur eine einzige Auflage der Bücher von Tom Brown jr.auf deutsch. (1994 im Ansata Verlag)
    Auf englisch sind die Bücher richtig erschwinglich.


    Wie bereits gesagt, bei Interesse PN an mich... ich habe eine Überraschung für euch.


    LG Parzival

  • Die Beiträge zu diesem Thema zeigen, das Deutschland entgegen der landläufigen Meinung nicht seine Religiösität verliert, sondern sie sich nur vom Christentum zu anderen, wie beispielsweise zu Naturreligion und Ökologismus verschiebt. Da mag der ein oder andere Aufschreien. Aber näher betrachtet sind alle Bestandteile einer Religion, die guten wie die schlechten, bereits hier im Faden angeklungen.


    Wenn es einen dazu bewegt sparsam mit Ressourcen umzugehen, und diese seinem Nächsten möglichst intakt weiterzugeben, dann ist ja alles in Ordnung. Wenn viel Sinnloses getan wird, was aber niemanden schadet - wen kümmerts? Schwierig wird es, wie bei allen Religionen, sobald man Politik draus macht. Wenn nicht mehr rationale Entscheidungsfindung stattfindet, sondern irgendein Ideal der Natur, was mit der Realität oder Vernunft nichts zu tun hat die Marschroute vorgibt und man mit "Bekehrungsversuchen" anfängt.


    Naturgottheiten - gerne in Film, Literatur und Computerspielewelt - sonst bin ich eher ein Fan der Wissenschaft. Mit einem Klacks christlicher Ethik reicht mir das vollkommen aus um sorgsam mit meiner Umwelt umzugehen.

  • Ahoi :-)


    ja, ich finde auch das so ein Thema durchaus auch in so ein Forum passt.


    Spiritualität hat für mich zuersteinmal nicht zwangsläufig etwas mit Religion zu tun.
    Das sind 2 grundlegend verschiedene Begrifflichkeiten.
    Spiritualität ist (leider mal wieder) so ein "denglischer" Begriff der, je nach Person und Weltsicht,
    alles mögliche bedeuten kann.


    Im allg wissenschaftlichen Sprachgebrauch geht es bei "Spiritualität" eher um eine Geisteshaltung und
    ist eher philosophisch-emotional als religiös ausgerichtet.


    In Bezug auf Bushcraft oder die Natur im allg kann man in vielerlei Hinsicht eine entfremdung des "modernen" Menschen
    von der Natur beobachten.
    Auch wenn dies zum Teil bereits in alten Religiösen Vorstellungen wurzelt
    (zb wird bereits im alten Testament der Mensch mehrfach über die Tiere und sinngemäß den Rest der Schöpfung erhoben),
    entfaltet dieses Weltbild erst seit der Industrialisierung seine ganze Zerstörungskraft,
    und wir sind leider noch nicht soweit das wir Bergfest feiern dürften... da ist immernoch Spielraum nach oben.
    Beispiele dafür kennen wir alle, seien es uralte Heilkräuter deren Nutzung verboten wird, an deren Wirkung die allgemeinheit
    durch die Propaganda der Pharmaindustrie sowieso keiner mehr glaubt,
    hochspezialisierte Saaten, Überfischung ect also der Raubbau an der Natur,
    alles könne wir wieder richten in unserer Technikgläubigkeit.... Technikgläubgkeit! Das ist die neue Religiön.
    Der "moderne zivilisierte" Mensch versteht sich nicht mehr als Teil der Natur, nein vielmehr wird die Natur als Gegner betrachtet
    und als Selbstbedienungladen.


    Ich glaube das jegliches draussen sein auch ein wenig mit Zivilisationsflucht zu tun hat.
    Sogar bei den Campingplatzurlaubern und Wohnmobilbesitzern, denen ist es evt nur nicht so bewusst.
    edit no1 Zitat vergessen :
    "man sieht den wald vor lauter Bäumen nicht"
    Das liegt auch daran das man erst weit genug aus dem Wald (in dem Fall der Stadt) raus sein muss um zu erkennen
    das man in einem Wald war... der zivilisatorische Abstand bei Wohnwagenbenutzern ist vermutlich nicht hoch genug...
    bei den meissten anderen Freizeitbeschäftigungen in der Natur sieht es schon anders aus...
    ob wandern, klettern, kajak fahren ect das "Naturgefühl" ist um einiges intensiver auch wenn hier noch oft der
    sportliche Aspekt im Vordergrund steht.


    Buschcraften jedoch ist nochmal eine Potenz höher... wieder in und mit der Natur leben lernen,
    sich in ihr zurechtfinden und geborgen fühlen, die Einheit wiederfinden...
    das ist durchaus ein "spirituelles" Gefühl, auch ohne irgendwelchen Götterglauben.
    Und es fühlt sich irgendwie "richtiger" an als der das was ich jeden tag draussen (edit : in der zivilisation) sehe und erlebe.


    Wurde im übrigen erst vor etwa 2h gefragt... "und, was bringt das? brauchste doch eh nicht (das feuerbohren war da das Thema)..."
    Muss es denn immer was bringen? Bringen in welcher Beziehung? Finanziell? Wirtschaftlich?
    Reicht es nicht das es der Seele gut tut sich mit solchen Dingen zu beschäftigen oder das eine gewisse Neugier befriedig wurde?
    Das sind dann so momente denen ich öfter begegne (denn die Menschen haben interesse, versuchen es aber oft ins lächerliche zu ziehen),
    wo ich merke das bereits ein zu großer Abstand besteht zwischen mir und "denen" und man es nicht in 2 Sätzen erklären kann,
    weil es eben umfassend ist, geistig ist und ja oke...
    ... damit in gewisser weisse Spirituell :-)


    So ich habe fertig. ^^:D ersmal.... jetzt muss ich es erstmal gegenlesen uiuiuiu und die Rechtschreibfehler entfernen.
    *stubbst Ylves an :-) *


    Euer Krupp, seines Zeichens ein reinkarniertes Riesen(wald)Rindvieh .

  • Mit dem spirituellen Aspekt in der Natur kann ich nix anfangen, sofern dies irgend welche Natur oder andere Religionen anspricht.


    Das überlieferte Wissen der alten Shamanen um wertvolle Heilpflanzen, finde ich jedoch bemerkenswert und ich habe davor großen Respekt.
    Nicht aber jede Art von Zaubergedöns, in der Art und Weise wie sie dieses Wissen oft einsetzen. Natürlich verzeichnet auch dies durchaus manchmal einen beträchtlichen Heilerfolg, wenn der zu Bezaubernde daran fest glaubt. :D


    Aber ich glaube ja auch nicht an einen Gott.
    Vieleicht liegt es daran und gegen Religionen im allgemeinen, bin ich sowieso stark allergisch veranlagt.


    Ich glaube an Energie und das sie nicht verloren geht, sondern nur ein Wandlung durchlebt.


    Die lebendige, leidenschaftliche Energie in der Natur, SIE mag ich und ich fühle mich eins mit ihr.

  • Bei einem solchen Thema kann es schnell vorkommen, dass einige Worte vom Verstand des Menschen in eine "falsche" Richtung gebracht werden, neigen wir allzuoft doch auch dazu, eine spirituelle Sichtweise schnell mit Religion oder Götterglauben gleichzusetzen, bzw dies sogar, in irgendwelche "esoterische" Randrichtungen zu stecken.
    In gewissen Strömungen sog. "neuheidnischer" Gruppierungen o.ä. mag dies sicherlich zutreffen, doch solcherarts soziokulturelle Erscheinungen sollen hierbei nicht zum Thema gehören.
    Auch der oft so benannte "Umweltschutz" spielt dabei eher eine sekundäre Rolle; für einen Menschen der sich in naturnahen Gegenden aufhält sollte es eigentl. bereits eine
    Selbstverständlichkeit sein, evtl. Müll oder Zigarettenstummel etc. mitzunehmen und andererorts zu entsorgen, eben da, wo Abfälle hingehören. Das ganze hat allerdings mit diesem Thema hier, wie erwähnt, eher weniger zu tun.


    In Gebieten Nordeuropas stellt das gesamte Themenspektrum noch eine größere Stelle dar, als hier in D. bzw angrenzenden Ländern.
    In Skandinavien lebt der spirituelle Gedanke vor allem in ländlichen Gegenden weiterhin fort, ähnlich wie bereits vor hunderten von Jahren.
    Die nordische Folklore und die Überlieferungen alter "Sagen und Geschichten" sind dort weit tiefer in den Menschen verwurzelt, als manch andererorts. Auch wenn in jenen Ländern eine ebensolche industrielle Fortschreitung stattfindet, wie in anderen weiten Teilen der westlichen Welt.
    In Island gibt es sogar noch eine "Elfenbeauftragte" welche von staatlicher Seite bei z.B. neuen Bauvorhaben oder Projekten zurate gezogen wird, um die Elementarwesen nicht zu verärgern, und sich damit nicht die "Wut" von Mutter Natur zuzuziehen.
    Einige mögen solche Dinge vielleicht als Aberglaube oder Spinnerei abtun. Aber vielleicht ist ja doch etwas Wahres dran? Oder auch nicht? Wer weiß...


    Es soll nun auch nicht so sein, dass man damit soweit reicht, um eben jene im Eingangspost benannte "verklärt romantische Sichtweise" einer heilen Welt und -Alles ist Gut- Philosophie nacheifert, ja sich in Ihr verliert. Denn das wäre ebenso eine Zivilisationsflucht bzw. Abgrenzung vom essentiellen Ganzen.
    Allzuoft liest man in "bushcraftforen" von Naturliebe, und Verständnis unddergleichen mehr.
    Doch worin liegt das begründet? Woher kommt diese im Menschen innewohnende Sehnsucht nach etwas "Anderem"? Liebe Mitmenschen, diese Sehnsüchte, das Gefühl manchmal "ausbrechen" zu wollen, ja dies ist bereits ein erster, wenn auch kleiner Schritt, sich und sein Herz dem Spirituellen hin zu öffnen, diesen Pfad ein wenig zu beschreiten.
    Das Bild von "Freiheit", oft assoziiert mit Symbolen wie den Natives, oder wilder Tiere, manchmal auch Wikinger oder Kelten. Die Liste liesse sich auch hierbei wieder unendlich fortsetzen, doch zeigt es dennoch auf, dass viele "moderne" Menschen auch (manchmal) nach dem Einfachen sehnen.
    Die Trennung welche in der technisierten Gesellschaft erzeugt wird zu überwinden, und sich wieder "angeschlossen" fühlen, an etwas Ganzes, Vollkommenes.
    Und so ist selbst im doch so materialistischsten Menschen ein Funken von "Göttlichkeit", ein "spirituelles Scheinen", ob sich derjenige nun dessen bewußt ist, oder auch nicht...
    Es gibt jedenfalls Dinge zwischen Himmel und Erde, die mit blosser vernunft nicht so zu erfassen sind. Dinge von denen der Großteil der Menschen unseres jetzigen Weltenzyklus einfach "vergessen" haben/wollten, dass es sie gibt.
    Und selbst wenn vieles davon nur noch in Märchen, Legenden, Erzählungen usw. überdauert hat, so lebt es dennoch weiter, im Geist, in den Gedanken, auf anderen Ebenen unserer Wahrnehmung.
    Doch man kann nicht abstreiten oder verleugnen, DASS es lebt...

  • Also erst mal vielen Dank an Waldkauz, dass du diesen Thread hier durchgekriegt hast; das ist ganz auf meiner Linie!
    Spitituelle Themen sind im BCP eigentlich nicht gerne gesehen, was mich anfangs sehr gestört hat, ich aber dann doch schnell akzeptiert habe, weil es ansonsten ein Super Forum mit ganz tollen Leuten ist!


    Dieses Thema ist auch völlig auf meiner Linie und die innere Einstellung zu dem was man draußen treibt ist definitiv eine Betrachtung hier im Forum wert. "Nicht gerne gesehen" sind hingegen Themen die sich um Dogmen und Religionen drehen, weniger aus einer Ablehnung selbiger, als mehr aus Gründen des friedlichen Miteinanders heraus ;)


    Nein, selbst der abgeklärteste Zeitgenosse hat Gefühle, niemand ist emotionslos. Und jeder Mensch der lebt wird früher oder später spirituelle Momente erleben, Momente in denen er innehält und in sich selbst hinein hört. Momente in denen man begreift was die Umgebung mit einem macht. Die Auslöser sind bei jedem Menschen verschieden und jeder hat andere Orte an denen er diese Verbundenheit zu sich selbst spüren kann. Was Ihr ansprecht, mit der Entfremdung zur Natur, das ist ja unter anderem ein Grund für mich gewesen mich mit dem Thema "Bushcraft" zu befassen. Die meisten Menschen haben die innere Sehnsucht nach der Natur, die ja bei uns immer schwerer zu finden ist. Spiritualität wird gern verwechselt mit Esoterik, Irrglauben, Aberglauben. Meist von Menschen die versuchen immer abgeklärt zu sein, die für alles eine Erklärung suchen, die nichts geschehen lassen ohne es zu hinterfragen.


    Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen sogar Angst davor haben sich einzugestehen dass sie innere Emotionen haben die sie nicht begreifen können, weil sie sie nicht "greifen" können. Ein Grund für den von Rauchquarz angesprochenen Materialismus: Man muss etwas sehen, berühren, erklären können um die Existenz anzuerkennen. Was man nicht sehen, erklären oder berühren kann, verunsichert viele Menschen, denn sie SPÜREN das es da ist, finden aber keine Erklärung dafür. Was ist das Besondere daran, irgendwo zu sitzen und zu lauschen? Ist es die Abwesenheit des Zivilisationslärms oder die Anwesenheit der Naturgeräusche? Warum bin ich freudig erregt, obwohl ich im stärksten Gewitter sitze? Woher kommt die innere Ruhe und Zufriedenheit beim Spaziergang durch den nebligen, feuchten Herbstwald? Warum ist mir der kleine Bach mit zugewuchertem Ufer und tausenden Stechfliegen bei schwül-heißem Wetter lieber als die Liege auf dem gemähten Rasen? Diese Fragen kann man sich stellen und man kann eine Antwort suchen. Man kann aber auch einfach seine Gefühle akzeptieren und die Dinge geschehen lassen.


    Ich selbst bin ein Mensch der sich viele Gedanken und Sorgen macht, der manchmal zuviel darüber nachdenkt was passieren könnte wenn. Ich sorge mich um meine Tochter und um meine Frau obwohl es ihnen gut geht. Der Ausgleich ist nicht weit weg: ein kleines Wäldchen, innerhalb von 10 Minuten zu erreichen. Der Wald stand dort vor 150 Jahren wahrscheinlich noch nicht. Es ist kein Urwald, es ist keine unberührte Natur. Dort gibt es keine seltenen Tiere und keine verträumten Täler. Die ältesten Bäume kannten gerade noch den Kaiser Wilhelm. Dennoch ist es dort bemerkenswert still. Ich finde es immer interessant zu beobachten: Wenn man die Augen schließt und zuhört, dann verstummen die Autos auf der naheliegenden Straße, der Flugzeuglärm verblasst. Man hört Getrippel, Gezwitscher, Rauschen, Plätschern, Summen. Es ist nicht Shangri-La, aber es ist ein Ort der so anders ist. Von diesen Orten gibt es viele. Man muss nur hinhören und sich selbst nicht zu ernst nehmen. Man ist nicht mehr Protagonist, sondern nur noch Nebendarsteller. Das eigene Ego rückt in den Hintergrund. Das sind die spirituellen Momente die ich mit dem Draußensein verbinde, ob das nun Bushcraft heißt oder Sonntagsspaziergang ist irrelevant. Man muss keine Askese üben und den heiligen Berg erklimmen, man kann überall zur Ruhe kommen.


    Man erkennt das man selbst so stark eingebunden ist, so stark entfremdet ist, man erkennt seine Fehler und man lernt sie nach und nach abzustellen. Ob die Natur das einem lehrt? Ob das nur eine logische Konsequenz aus dem Betrachten seiner Gedanken ist? Es ist egal woher es kommt und warum das so ist. Was zählt ist das Ergebnis. Die Menschen verlieren zuviel Zeit und Energie beim Suchen nach Erklärungen und Lösungswegen. In der Wissenschaft ist das in Ordnung, da gehört es dazu, ebenso wie im Berufsleben. Aber warum seinen Geist und seine Seele auch noch damit belasten? Dieses ständige innere Hinterfragen passiert auch mir häufig, es ist ein Automatismus. Im Beruf muss ich nach Gründen fragen, muss Prognosen stellen, muss Risiken beurteilen und abwägen, muss sachlich sein, darf mich nicht von Emotionen leiten lassen, ja selbst dieses Forum zu administieren nötigt mir sachliche Konsequenz ab, da ich nicht weiß was die Menschen hinter den Bildschirmen bewegt. Bei der Interaktion im "professionellen" Umfeld, ist Spiritualität heutzutage fehl am Platz. Umso mehr muss man sich einen Ausgleich schaffen.


    Oftmals wird das Beispiel von Weg und Ziel herangezogen. Der Weg zu dieser inneren Einkehr, zur Selbstauseinandersetzung, zum In-sich-hineinhören, zum begreifen, zum fühlen ist völlig schnuppe. Der Weg kann steinig sein, anstrengend, bequem, unpassierbar, man sollte aber innerlich in Bewegung bleiben. Was ist das Ziel? Ich habe es oft versucht Ziele zu formulieren. Ich bin oft von mir selbst enttäuscht worden dieses Ziel nicht erreicht zu haben. Um es mal mit der Realität zu vergleichen: Die schönsten Wanderungen sind die ohne Ziel. Das Herumstreifen ohne zu wissen wo es einen hinführt. Einfach herumschlendern, ohne einen Gedanken daran zu verlieren wo man hingeht und warum man das gerade tut. Der Kopf ist frei, er muss nicht über den Weg nachdenken. Man nimmt viele Dinge anders wahr, auch bewusster.


    Das klappt nicht immer. Man muss auch Ziele stecken, keine Frage. Man kann nicht das ganze Leben und in allen Situationen umherschlendern. Aber man sollte es zwischendurch tun, denn es reinigt die Gedanken. Bei mir zumindest. Und wenn es mal wieder nicht klappt, dann muss ich mich halt wieder selber in den Hintern treten.


    Lange Haare kurzer Sinn: Wenn man sich auf die Natur einlässt und ihr lauscht, dann merkt man dass da immer noch eine Verbindung da ist. Diese Verbindung zeigt sich bei manchen Menschen in Angst und Misstrauen in anderen Menschen wiederum wirkt diese Verbindung labend und beruhigend. Diese Verbindung scheint also da zu sein, das ist nicht wegzudiskutieren. Es liegt an jedem Einzelnen was er daraus macht. Ob er das Unerklärliche meidet, oder ob er mit offenen Armen darauf zugeht.

  • Naturvölker leben es seit je her in einer wohlbalancierten Form, [...]

    Das ist so nicht richtig. Die heutigen noch exisitierenden Naturvölker mussten sich ihr Gleichgewicht mit der Natur auch über Jahrhunderte erarbeiten. Fast überall wo der Mensch neu aufgetaucht ist hat er erst mal genommen ohne nachzudenken, hat Arten ausgerottet und seine Ressourcen zerstört. Erst als diese knapp wurden kam man auf die Idee da ein bischen aufzupassen und etwas vorsichtiger mit allem umzugehen.


    Zum allgemeinen Thema.
    Man kann sich auch viel einbilden. Gemäß dem schönen Spruch"für den Buschmann ist nur das Wasser schön", gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen davon was schön ist. Für einen Barockmenschen oder Bauern vor 500 Jahren wäre ein dichter ungezähmter Wald mit wilden Tieren ein Graus.
    Es ist gar nicht so einfach zu erkennen was da draussen wirklich "wahr" ist und was wir uns einbilden und wünschen. Es ist ziemlich schwer jegliche Hintergrunderwartung und Gedanken auszuschalten und die Welt frei davon zu betrachten.
    Dennoch meine ich dass es selbst wenn, oder gerade dann wenn man sich bemüht seine kulturellen Überlagerungen auszuschalten, man immernoch etwas wahrnimmt, was da ist. Es ist an manchen Orten stärker und an manchen schwächer und oftmals tritt es an den ungewöhnlichsten Orten auf.
    Mit Worten kann ich dieses Gefühl, dieses etwas nicht erklären, es ist auch nicht immer gleich. Ich bin recht überzeugt dass da draussen noch etwas ist. Ob es gut oder schädlich ist weiß ich nicht, doch es kann einem manchmal auch gehörig Angst einjagen.

  • Hallo Aj,


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    Das ist so nicht richtig. Die heutigen noch exisitierenden Naturvölker mussten sich ihr Gleichgewicht mit der Natur auch über Jahrhunderte erarbeiten. Fast überall wo der Mensch neu aufgetaucht ist hat er erst mal genommen ohne nachzudenken, hat Arten ausgerottet und seine Ressourcen zerstört. Erst als diese knapp wurden kam man auf die Idee da ein bischen aufzupassen und etwas vorsichtiger mit allem umzugehen.


    Eigentlich bezog ich mich eher auf eine wohlbalancierte "Spiritualität" , nicht auf die Einwirkung die die Menschheit auf ihre Umwelt ausübten bzw. ausübt.
    Das ist klar, wenn ich Beispielsweise Nahrung sammeln oder jagen muss, wird es früher oder später mit den Resourcen knapper, die meisten Jäger und Sammler sind deshalb auch eher nomadisch lebend unterwegs gewesen, wurde ein Ort leergegessen gings auf zu einem anderen Resourcenreichen Platz.
    Der Unterschied liegt da vor allem auch an der Anzahl der Menschen die auf dem Planeten herumlaufen, ihrer Technik, Wirtschaft, Weltsicht und noch viel mehr.
    Wären Beispielsweise schon in der Altsteinzeit soviel Menschen auf dem Planeten herumgelaufen, dann hätte sich wahrscheinlich die ganze Sachen schon recht früh erledigt aber natürlich veränderten schon damals die wenigen Menschen ihre Umwelt, keine Frage.
    Zurück zur Erleuterung in Bezug zur sprituellen Balance, als ich das schrieb hatte ich da eher folgende Bilder im Kopf.
    Naturvölker bekommen auch mit ihrem spirituellen Denken in ihrer Umgebung noch andere wichtige Sachen gebacken, sprich es tritt da seltener auf das die nur noch den Kopf " oben im Himmelsreich" tragen ( bitte die mit Anführungsstricheln versehenen Wörter nicht auf die Goldwage legen) bzw. überhaupt eine Trennung wie es meist in unserer Gesellschaft vorkommt, vornehmen.
    sie leben weiterhin auf der "Erde" und bekommen es mal abgesehen von evtl. Misserfolgen bei der Jagd oder div. Natureinflüssen auf die Reihe ihre zutiefst menschlichen Grundbedürfnisse zu beachten.
    Ich durfte es schon oft genug hier in der "Zivilisation" erleben, das sich Menschen in ihrer "Spiritualität" verloren haben, sprich die sind total abgespaced ala " Ich bringe dir Liebe und Licht " und bekommen aber auf "materieller Ebene" dann nix mehr hin oder hängen irgendwelchen " Gurus" an, die ihnen einerseits "Besitzlosigkeit" und "Liebe" lehren und auf der anderen Seite ein dickes Privatkonto in der Schweiz besitzen, mit nem dicken Auto durch die Gegend fahren und aber die volle Kontrolle über die armen "Wichter" haben.
    Bitte nicht falsch verstehen , dass ist kein Angriff gegen irgendwelche Leute, sondern lediglich eine im gewissermaßen traurig machende Beobachtung.
    Es tut mir dann echt auch in der Seele weh, wenn man das so mitbekommt und man sieht das sowas so Arg die Menschen in Be-Gefangenheit bindet.
    Vornehmlich vorzufinden sind solche unausgewogenen Dinge vor allem im Bereich des sog. "New Age" bzw. was heutzutage meist mit "Esoterik" bezeichnet wird, wobei es aber auch nichtmal gewisse Strömungen in den größeren und bekannten Religionen ausschliesst!


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    Man kann sich auch viel einbilden. Gemäß dem schönen Spruch"für den Buschmann ist nur das Wasser schön", gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen davon was schön ist. Für einen Barockmenschen oder Bauern vor 500 Jahren wäre ein dichter ungezähmter Wald mit wilden Tieren ein Graus.


    Auch wahr, jedoch müsste man dabei auch wieder die Lebensverhältnisse und umgebenden Einflüsse mit in Betracht ziehen, ein Mensch der von klein auf in der Wildnis gelebt hat, für den war die Wildnis mit all ihren Schönheiten aber auch Gefahren bekannt und dieser sah ebenso oft die Gefahren als Ganzes dazugehörig an, wohingegen ein Bauer auf irgendeinem Gebiet des heutigen Deutschlands vor 500 Jahren , schon längst keinen großen Bezug mehr zu der "Wildnis" hatte.
    Noch viele andere Faktoren spielen dabei eine Rolle die wichtig währen um dies Objektiv vergleichen zu können, das soziale Leben eines " Buschmannes" unterscheidet sich auch arg von dem eines Bauern.
    Da wären wir im gewissen Maße auch bei dem Unterschied, zwischen Jäger/Sammler Kulturen und Ackerbau/ Viehzucht Kulturen.
    Es unterscheiden sich allein schon die Ansichten über Besitz im großen Stil, wo bei vielen Jäger und Sammlerkulturen vieles Gemeingut war, gab es oftmals bei den Bauern das Eingentumsdenken in Form von dies und jenes ist mein persönlicher Besitz.
    Man vergleiche dazu allein mal die Behausungen der jeweiligen Gruppen, in den Wohnungen von den Bauern findet man gewiss mehr materielles Gut als in einer kleinen Buschhütte eines Jäger und Sammlers.
    Besitz bindet, je mehr ich materielle Dinge habe, umso mehr Besorgnis ist damit verbunden, diese zu Schützen und zu behalten.
    Habe ich beispielsweise Besitz in Form von Schafen als Bauer der vor 500 Jahren hier lebte, dann war mit Sicherheit der Wolf die Ausgeburt des Bösen , schon allein aus dem Zusammenhang, das dieser eine Gefahr für meinen Besitz und demzufolge meine im großen Maße abhängigen Art zu Leben, welche nun mal eng im Zusammenhang mit Ackerbau und Viehzucht auftritt darstellte. aber im nicht zu unterschätzendem Maße spielte eben auch die eher " dualistische" religiöse Anschauung des Bauern vor 500 Jahren eine immense Rolle.
    Vor 500 Jahren waren auch die Bauern in unserem Gebiet komplett anders geistlich geprägt als " freie" Naturvölker.
    Mann könnte darüber auch noch Jahrelang weiterphilosphieren, doch das würde hier wieder zu weit vom eigentlichen Thema wegführen, interessant wäre es sicher alle mal, da daruch auch vieles was in unsere heutige Gessellschaft greift beleuchtet werden könnte, das gehört dann aber mal an eine andere Stelle.



    LG,
    Rauchquarz

  • Will ja nicht die gute Stimmung hier in diesen Faden zerstören, aber das Bild das so mancher hier vom "einfachen" Leben hat, strotzt ja geradezu vor Sozialromantik a la "früher war alles besser & der Fortschritt hat uns unserer wahren Natur beraubt,..."


    In der Geschichte haben die meisten Gesellschaften sich freiwillig "modernisiert". Häufig aufgrund relativ großer Unzufriedenheit mit dem jeweiligen Status quo, welcher einfach nicht konkurenzfähig genug war(technisch, wirtschaftlich aber auch häufig politisch). Dieses Schicksal wird vermutlich auch unsere heutige Gesellschaftsform irgendwann ereilen. Das ist nun mal der Lauf der Dinge.


    Warum dieser Thread im Kernbereich des Forums ist, ist mir überdies ein Rätsel. Denn Religion, und ja Spiritualität ist auch Religion!, hat ja eigentlich im Forum nichts zu suchen. Bestenfalls am Laberfeuer oder unter Sonstiges.





    Ps: macht doch mal ein kleines Gedankenexperiment.
    Eine einzige Zeitreise ist euch möglich. Ihr dürft euch sogar aussuchen in welcher Epoche ihr leben dürft. Jedoch würdet ihr alles vergessen was ihr heute wisst. Und es bestimmt der Zufall in welcher sozialen Position ihr landet.
    In welcher Epoche ginge es euch vermutlich besser als heute?