Verdunsterkühlschrank (nicht nur) für Stromausfall

  • Also ich glaub es gehört zu Vorrat und Lagerhaltung, falls ein Mod anderer ansicht ist bitte in die passende Rubrik verschieben:


    Verdunsterkühlschrank....


    Nicht nur bei Stromausfall im Sommer muß man sich was einfallen lassen , was man mit verderblicher Ware macht, Verdunsterkühlschränke sind auch praktisch beim Zelten und/oder wandern


    Es gibt viele arten sich einen Verdunsterkühlschrank zu bauen, von einfach (man nehme eine Socke oder ähnliches das sich mit Wasser gut vollsaugen kann) über die Römische Variante (Man nehme einen Tontopf dem man wässert...) bis hin zu schrankartigen Bauten aus Metall und Holz und saugfähigem Material.....


    Allen gemein ist, das die Kühlung nach dem Prinzip der Verdunstungswärme funktioniert. Was heißt das?


    Wasser benötigt um zu verdunsten viel Energie, da die Wasserstoffbrückenbindungen, die dem Wasser seine einzgartigen Fähigkeiten gibt (Oberflächenspannung, größte Dichte bei 4 °C u.a.), erst einmal überwunden werden müssen.


    Dies machen wir uns zunutze, indem wir das zu kühlende Gut in mit Wasser getränkte Tücher/Socken/Tongefäße u.ä. geben. Am besten stellt man das dann an einen schattigen Ort,nicht in die direkte Sonne, dann funktioniert es nicht richtig. Das Wasser verdunstet und entzieht dabei der Umgebung Energie, und damit auch dem zu kühlenden Gut.


    Warum nicht in der Prallen Sonne?
    Weil die Sonne dann einen Überschuß an Energie liefert, die für das Wasser einfacher aufzunehmen ist als die Energie des Kühlgutes, das Geränkte Tuch/ der Ton was auch immer, würde schnell trocknen ohne viel Energie vom Kühlgut aufgenommen zu haben.


    Zwei Arten will ich grad noch beschreiben:


    Der Sockenkühlschrank: Ich habe noch so alte Baumwollsocken, richtig dicke kratzige, die ich nimmer nicht anziehe.Aber die sind als Kühlschrank perfekt, da sie viel Wasser aufnehmen. Die Socke nass machen Flasche oder anderes hinein und in den Schatten legen...


    Man erreicht mit einer guten dicken Socke durchaus 10 ° Unterschied, wenn wind geht noch mehr


    Und mein Liebling: Der Tonkühlschrank


    Wichtig ist, das der Ton nicht glasiert ist, also er muß Wasser durchlassen....
    Variante 1: Tontopf wässern und dann Kühlgut rein ab in den Schatten
    Variante 2: Tontopf mit Wasser füllen, ein zweites Gefäß entweder einhängen (z.b. Metalltopf gute Wärmeleitung) oder das Kühlgut Wasserdicht verpacken und reinlegen.. das kann auch in die Sonne, auch wenn das nicht so einen guten effekt hat wie im Schatten, aber das Wasser tritt über längere Zeit durch die Poren aus und verdunstet, somit ist der Kühleffekt gleichmäßig über lange Zeit und verstärkt sich selbständig bis zu einem gewissen grad...


    Soo Freunde was für Verdunsterkühlschrankideen habt ihr so... Beschreibt mal wie ihr es macht oder machen würde..........

    Edited 2 times, last by Ahanit: Rechtschreibung.... Was issen das? Wer jetzt immer noch Fehler findet darf sie behalten, ich sehe da nix mehr ().

  • Sehr schöner Beitrag!
    Ich baue mir meinen verdunstungskühlschrank meistens aus ein paar biegsamen Ästen und meinem shemag, an einem Ort der nicht nur schattig sondern auch windig ist...der Wind hilft zusätzlich beim kühlen!
    Theoretisch kann man das ganze auch noch verbessern wenn man den Stoff, in meinem Fall den shemag, nass macht und in kohlestaub wälzt...somit wird dann die nutzbare Oberfläche des Tuchs vergrößert....allerdings, ich persönlich konnte kaum einen Unterschied feststellen- ausser das das Tuch dreckig war!!!

    Versteht mich nicht falsch ABER Erbswurst ohne Beef Jerky ist theoretisch möglich - Aber sinnlos!!!

    Edited once, last by wandervogel ().

  • Ich hatte mal eine Diskusion mitbekommen in der es um die Farbe des Tuches ging. Wenn man es in die Sonne legen will, sollte es ein weißes Tuch sein und im Schatten schwarz. Das mit der Sonne leuchtet mir jetzt ein. Damit die Sonne das Tuch nicht zu sehr erhitzen kann und die Flüssigkeit zu schnell verdunstet. Aber warum sollte das Tuch im Schatten schwarz sein?


    Ich hatte es schonmal versucht, hat bei mir aber nicht so gut geklappt. Ich hatte ein klatschnasses Handtuch mehrfach um eine Flasche gewickelt. Lag es an meiner Gedult das die Flasche nicht kalt wurde, oder daran das ich es mehrfach gewickelt hatte?



    Nach dem gleichen Prinzip kann man sich ne stromlose Klimaanlage verschaffen. Einfach Nasse Tücher im Zimmer aufhängen.
    Probiert habe ich es allerdings noch nicht.

    LG Rainer

    Das Beste Messer der Welt, ist das Messer, dass man dabei hat, wenn man eins braucht!

  • Mitro:
    Weiss sicher deswegen weil dann möglichst viel der Sonnenenergie refelktiert wird und das Tuch nicht so schnell heiss wird und austrocknet.


    Ich habe die Variante mit dem Tinkrug mal mehr als ein Jahr in einer Dachwohnung gehbt (keinen Kühlschrank). Habe das dann gekoppelt mit einer selbstgebauten Tropfanlage wie man sie im Urlaub für das Bewäddern von Pflanzen verwendet. So habe ich verhindert das der Tonkrug trocken wird. Das klappte so gut das darin sogar Frischmilch 2-3 Tage problemlos haltbar war und angenehm kühl zum trinken war. Habe leider keine Temperaturmessungen gemacht.

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"

  • Ich nutze wie gesagt meinen guten alten shemag der ist oliv mit schwarz - funktioniert bei sonne und schatten problemlos!

    Versteht mich nicht falsch ABER Erbswurst ohne Beef Jerky ist theoretisch möglich - Aber sinnlos!!!

  • Ich möchte das Thema gerne nochmal aufgreifen und wollte diejenigen Fragen die so einen "verdunstungs Kühlschrank" ab und zu nutzen ob sowas vllt. auch Festival tauglich ist ?


    Da ich nächstes Jahr es endlich mal schaffe mit meinen Kumpels zusammen zu Wacken zu fahren dachte ich mir so ein "Kühlschrank" ist doch sicher ne super Sache um Bier oder Fleisch länger als 1 Tag haltbar zu machen auf so einem Festival ;)


    Was denkt ihr ?


    Ich dachte mir ich buddel ein Loch indem dann z.b. der Kasten Bier rein kommt und drum herrum kommt ne nasse Wolldecke oder so... oben drauf dann noch ein nasses Tuch und fertig sollte der "Kühlschrank" sein...


    horrido
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  • Ein Erdkühlschrank funktioniert auch aber anders, der kühlt durch die Kälte des Bodens. Wenn du das Kühlgut so gut abdeckst, dass keine Luft hinkommt kann auch nichts verdunsten und somit wird es nicht kühler. Gleiches Prinzip wie ein Vapour Barrier Liner, der dich zwar im eigenen Saft im Schlafsack schmoren lässt, man aber trotzdem warm bleibt da nichts verdunstet bzw. die Daunen feucht werden lässt.

  • Zeer Pot Verdunstungskühler, Kühlung ohne Elektritzität - Off Grid Refrigeration


    Möchte hier die praktische Umsetzung eines simplen Verdunstungskühlers vorstellen, welcher mit wenig Vormaterial und ohne besondere Vorkenntnisse oder handwerkliche Fertigkeiten gebaut werden kann. Es handelt sich um den sogenannten Zeer Pot. Das Funktionsprinzip ist oberhalb bereits beschrieben - mein Dank an Ahanit! Es ist uralt und diese Teile waren in der Art bereits bei den alten Ägyptern in Gebrauch. Wie vieles andere Nützliche, wurde auch der Zeer Pot abermals entdeckt bzw. 'neu' erfunden und ist nun erfolgreich z.B. in Nordafrika in Verwendung wo es keine oder nur unzureichende Stromversorgung gibt.


    Mein Vorbild war ein etwas größeres Exemplar, welches mal bei einer Grillparty in Gebrauch war. Da ziemlich schwer und nicht besonders komfortabel zu transportieren, eignet sich diese Art von Kühler wohl eher für ein Camp oder fixen Lagerplatz und kaum für den mobilen Einsatz. Ausgangsmaterialen: 2 Terracotta Tontöpfe (unglasiert, unbeschichtet, ...), welche ineinander passen müssen, so daß ein Abstand von mehreren Zentimetern zwischen kleinem und großen Topf besteht. Weiters möglichst feiner Sand und Material zum verschließen event. vorhandener Bodenlöcher sowie Wasser und ein saugfähiges Tuch zum Abdecken des Kühlers. Material gibts für wenige Euro in jedem Baumarkt oder Gartenfachgeschäft, die afrikanische Original-Monsterausführung mit mehr als einem Meter im Durchmesser kostet dann wohl doch ein paar Euro mehr ...



    Der Bau ist denkbar einfach: Zuerst werden die Bodenlöcher verschlossen, falls wie bei meinen Töpfen doch welche vorhanden sind. Hab diese einseitig mit Klebeband verklebt und mit Silikon zugeschmiert (war zufällig von einer Reparatur übrig) und danach die zweite Seite zusätzlich wiederum mit Klebeband abgeklebt. Man kann aber auch einen passenden Kork oder Fensterkitt, Autokitt etc. benutzen. Anschließend wird der Boden des größeren Topfes mit feinem Sand befüllt und zwar so hoch, dass die oberen Ränder beider Töpfe in etwa die gleiche Höhe haben. Etwas probieren schadet nicht, aber die exakte Höhe ist schnell gefunden. Nachdem der kleine Topf im großen platziert und mittig ausgerichtet ist, wird der entstandene Raum zwischen den Töpfen ebenfalls mit Sand gefüllt. Das Befüllen soll möglichst gleichmäßig erfolgen, damit sich der kleine Topf nicht verschiebt und auch schön mittig ausgerichtet bleibt. Die Füllhöhe des Sandes kann bis ca. 1-2 cm unterhalb der Topfränder reichen. Hab noch zusätzlich versucht mit leichten Stockschlägen auf den äußeren Topf den Sand zu rütteln und damit etwas besser zu verdichten. Hat leider nicht viel gebracht, es ist kaum Sand nachgerutscht. Da Silikon verwendet wurde, habe ich mit der Wasserfüllung etwas zugewartet, damit dieses aushärten kann und auch einigermaßen abdichtet.





    Nun wird Wasser in die Sandfüllung gegossen und zwar möglichst ohne Hektik und mit Bedacht! Es soll nichts überschwappen oder gar der Sand rausgespült werden. Wasser ist dann in ausreichendem Maße vorhanden, wenn der Sand nichts mehr aufnimmt. Keinesfalls reinschütten, bis der kleinere Topf aufschwimmt und auf diese Weise weiterer Sand unter den kleinen Topf wandert und dieser dann im wahrsten Sinne des Wortes nach und nach aus dem Kühler rauswächst. Gibt die Füllhöhe des Sandes plötzlich nach, sollte man erst mal prüfen ob nicht der innere Topf bereits rausgewandert ist, bevor man neuerlich Sand nachfüllt! Im Prinzip kann der Zeer Pot nun schon mit Lebensmitteln (auch z.B. Getränke, Bierflaschen etc.) bestückt werden. Abgedeckt wird das ganze mit einem feuchten Tuch oder stilecht mit einem tönernen Deckel. Die volle Kühlleistung wird erreicht, wenn die Tontöpfe das Wasser aufsaugen und die Wände schön befeuchtet sind, was vielleicht 10-15 Minuten benötigt. Als Aufgestellungsort für diesen Kühler eignet sich besonders ein schattiger Ort mit ausreichend Luftzug, was besonders wichtig ist, z.B. am Balkon, hinter einem geöffneten Fenster, ... natürlich auch draussen am Lagerplatz z.B. auf einem Baumstumpf. Sind die Töpfe sehr porös so dass sich darunter ein Wasserlache bildet, schadet ein dichter Untersetzter, wie bei Blumentöpfen üblich sicherlich nicht.




    Die Kühlung ist in erster Linie vom vorhandenen (oder nicht vorhandenen) Luftzug abhängig und natürlich auch von der Luftfeuchtigkeit. Die Kühlwirkung wird an einen elektrischen Kühlschrank wohl kaum heranreichen. Trotzdem ist eine Temperaturdifferenz von 2°C und größer erzielbar (Umgebung / innerhalb Zeer Pot), was bereits eine Verlängerung der Genießbarkeit bei zahlreichen Lebensmitteln um mehreren Tage erlaubt. Nachgemessen hab ich bis jetzt allerdings noch nichts. Im Idealfall ist eine Kühlwirkung bzw. ein Temparaturdifferenz von mehr als 10°C realisierbar, sollte man den Angaben im Netz glauben schenken. Die Rahmenbedingungen müssen hierfür aber passen, z.B. bei guter Wässerung der Töpfe, schattigem Aufstellort, ausreichend Wind, niedrige Luftfeuchtigkeit ...

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    Tu eh nur so als würd ich mich auskennen, damit ich auch mitreden kann.
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  • Die hier beschriebene Variante mit den 2 Tonkrügen hatte ich (wie oben schon gesagt) fast baugleich. Kann bestätigen das dies sehr gut funktioniert. Ich hatte allerdings keinen Sand zwischen den beiden Krügen sondern klein gestoßene Katzenstreu. Diese hält die Feuchtigkeit zurück damit nicht soviel verdunstet (klar, mehr Verdundtung = mehr Kühlung). Hatte erst überlegt das dies eher ein Nachteil ist, die Praxis hat dann aber gezeigt das es von Vorteil ist. Ich nehme an das liegt daran das die Katzenstreu mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann und somit weniger oft Wasser nachgeladen werden muß und/oder die feuchtigkeit konstanter nach außen abgibt.
    Gemessen habe ich die Temperaturdifferenz nicht, subjektiv waren es aber mindestens 5 Grad.
    Die Milch war einfach top zum Trinken!

    Top Ausrüstung folgt nur EINEM Kriterium: "reduced to the max"