Beispielpackliste Treckingtour in Nordskandinavien

  • Der ein oder andere hier hat ja durchaus Gelüste mal eine längere Tour durch irgendwelche größeren Wildnisgebiete. Eine Treckingtour bietet sich dafür gut an. Da ich gerade selbst meine Packliste auf den neuesten Stand gebracht habe dachte ich, dass sie evtl. als Inspiration für Leute dienen kann die ähnliches vor haben, das erste mal mit Hund auf Tour gehen, etc..


    Diese Packliste stellt das dar, was ich mit Hund in Nordskandinavien vom (Spät-)Sommer bis zum ersten Schnee (also so ca. Anfang August bis Mitte Oktober) auf einer autarken 2 Wochentour auf Wegen und querfeldein für sinnvoll halte und selbst benutze. Jedes Gebiet hat seine eigenen Tücken, dort ist nicht mehr viel mit Wald, eher Gebirgswälder an der Baumgrenze, vor allem aber Tundra und Stein. Was ich in dort in diesem Zeitfenster erlebt hab lag so ca. bei -8°C bis +30°C, von Sonnenbrandwetter bis tagelang Graupel und Stürmen bis 130km/h. In zwei Wochen lege ich rund 200km zurück, auf weglosen Touren jedoch ggf. deutlich weniger. Ohne eine Ausrüstungsdiskussion vom Zaune brechen zu wollen: Auf solchen Touren muss man sich doch etwas mehr Gedanken um die Ausrüstung machen. Die Sachen müssen leicht und robust sein, sowie den Mensch befähigen ohne größere Probleme mit allen klimatischen Gegebenheiten zurechtzukommen. Probleme können dort in kürzester Zeit entstehen. Vor allem Outdoorkiller Nr.1, die Unterkühlung, ist selten fern - mir selbst ist es schon passiert, dass ich innerhalb weniger Minuten (!!!) aus dem Wohlfühlzustand in eine ordentliche Unterkühlung samt tauber & damit funktionsloser Arme gerutscht bin.


    Der Hund verursacht einiges an Zusatzgewicht: Gut 3 kg mehr bei der Ausrüstung plus die Menge Futter die er nicht selbst trägt, also nochmal ein gutes Kilo. Zur Orientierung: Er bekommt auf Tour Josera High Energy Trockenfutter und braucht bei 26kg davon bei schlechtem Wetter und hoher Belastung ca. 350 Gr/Tag.


    Auf die Marken & Modelle in der Liste muss man freilich nicht unbedingt acht geben. Die Liste hab ich ja ursprünglich für mich gebastelt und ich wollte die genauen Gewichte eintragen und mich erinnern können welches Teil ich nun genau meine. Es ist ein ilustrer Mix aus Leichtausrüstung und bleischwerem Kram, sowie aus billigen und teuren Sachen. Jeder hat andere Präferenzen, aber das Zeug ist das was sich in den meisten Fällen bereits auf mehreren Touren gut bewährt hat. Und da ich diese Dinge habe nehm ich das meiste davon auch für die heimischen Wälder...


    Manche Teile wie das PSK, 1st Aid, usw. hab ich aus Faulheit nicht ausformuliert, da das Zeug immer als fertig gepacktes Modul in der Ecke herumliegt. Bei Bedarf mach ich dazu noch extra n Thema auf... Auch will ich die Liste nicht unbedingt diskutieren - mir ist z.B. klar, dass ich da durchaus noch einiges an Gewicht einsparen kann, dass auf Solotour fernab von allem n SPOT Sinn macht, usw.. Die Liste soll aber wie gesagt der Inspiration dienen! Aber bei der Planung bitte nicht blind darauf vertrauen, dass meine Ansprüche den euren Entsprechen. Und wer n Fehler findet darf ihn behalten. ;)

    Files


    Das Lernen einzelner, isolierter Bushcraftskills ist ähnlich wie das Anhäufen von unbenutzter Ausrüstung:
    ein recht kümmerlicher Ersatz für große Abenteuer...

  • Quote

    Auch will ich die Liste nicht unbedingt diskutieren

    .. versteh ich, aber in dem Moment wo du sie hier ins forum reinstellst-machts sehr wohl Sinn wenn man etwas kritisch hinterfragt, vor allem da du sie als eine Art Beispiel -(Anleitung)- Inspiration gepostet hast, da ist es wohl im Sinne potentieller Interessenten, wenn man die ein oder andere Bemerkung dazu macht. ;)
    Ich wiel hier auch nicht auf Marken/Qualität eingehen, sondern vielmehr nur eine kurzer Bemerkung zu Sinnhaftigkeit/Quantität div. Artikel machen.
    Als Beispiel würden mir hier die Socken ins Auge springen: 6 Paar Socken (excl. Gore) sind IMO für 2 Wochen nicht nötig. Für 4 Wochen haben mir 4 Paar gereicht, wobei ein Paar grundsätzlich als Schlafsocken gedient hat. Der Rest: ein Paar an, ein Paar frische (gewaschene) und ein paar die gerade trocknen..worst case müssen halt die Schlafsocken herhalten, aber für mich hats immer gereicht. Aber ich denke, wer wert auf ausreichend trockene Socken legt, der soll so viel nehmen wie er will. Nur- wenn mal Schuhe feucht/nass sind, is wurscht ob ich mit trockenen oder feuchten Socken reinsteig, so meine Erfahrung.
    Ansonsten-gute Packliste-vor alllem in bezug was (an Artikeln) bei den Basics wirklich nötig ist- über Gewicht kann man ja immer diskutieren, aber ich denke das willst ja auch nicht ;)


    Edit: Hab die Packliste Falsch interpretiert, es sind ja insgesamt 3 Paar also vergesst was da durchgestrichen ist.! :bamm

  • danke Raven, das ist für mich sehr interessant, auch wenn ich ohne Hund unterwegs bin. Nächstes Jahr will ich ja meine Tour - allerdings nicht soooo weit nördlich - endlich machen. Zwar nur 3 Wochen, aber immerhin. Ich plane auch bereits dafür, denn man kann nie früh genug damit anfangen. ;)
    lg

  • Danke für's zeigen, Raven. :)
    Die Packliste ist sehr interessant.
    Könntest du vielleicht noch dein Erste Hilfe-Set oder dein Reperaturset etwas genauer beschreiben?
    Das wäre auch sehr interessant!


    Nimmst du nur die Petzl e+lite (ohne Ersatzbatterie?) als einzige Lichtquelle mit?
    Reicht diese von der Helligkeit her wirklich für Alles aus?
    Hast du die Petzl auch hierzulande als einzige Lichtquelle dabei?



    Gruß,
    Bushcrafter

  • Ich denke eine gute Packliste ohne unnötigen Krempel
    Zum Thema Nordskandinavien möchte ich noch ein par Sachen dazu sagen.
    Wenn man im juni-juli-august unterwegs ist, braucht man eine Taschenlampe nur mitten in der Nacht. Im Schnitt ist es bis mindestens 22:30 hell genug um Sachen zu erledigen. Ab 04:30 ist es dan auch wieder hell genug. Das gillt auch an Tage mit bewölkte Luft. Ab Anfang juli werden die Tage zwar schnell kürzer aber es bleibt genügend Restlicht.
    Antimückenmittel ist ein absolutes Muss! Die Viecher sind vies! Sogar eine Kombination von Wilmas Nordic summer und Dschungelolja ist nicht immer genug! Neben den Mücken gibt es auch noch die sgn. Knott, und beissende Fliegen. Schlafen im Offenen geht nur unter ein Netz.
    Zum Zelt muss ich sagen das Heringe nicht immer benutzt werden können. Der Boden besteht zu einem grossen Anteil aus Felsen mit einer sehr dunnen Schicht Moos oder Erde.
    So weit nördlich weicht ein Kompas ziemlich ab. Kontroliere vorher diese Abweichung, sonnst könnte man sich ziemlich verlaufen.

  • Wie wahr, volle Zustimmung Ron !!!!
    Später im Jahr werden zwar die Mücken weniger, aber dafür kommen die Hirschlausfliegen (ich denke die hast du gemeint Ron). Glaubt es oder glaubt es nicht, die sind um Nummern schlimmer als die Mücken (wenn ich um Pfingsten rum draussen arbeite und so dumm war ein T-shirt anzuziehen, und mich nicht vorher einzunebeln, komme ich ganz sicher innerhalb von 4h auf über 100 Stiche (zum Teil durch den Stoff durch), verglichen mit 1h nahkampf mit Hirschlausfliegen ist das aber harmlos). Von dem kurzen T-shirt und den kurzen Hosen (da kriechen die Hirschlausfliegen rein) kann man sich auch gleich verabschieden, es gibt angenehmere Methoden Selbstmord zu begehen als sich von den Viehchern aussaugen zu lassen. Der aufgezählte Hut "mit" Fliegennetz ist wichtig, sonst kommt man vor lauter "um sich schlagen" nicht zum laufen..


    Welches Anti-Mücken-Mittel wirkt ist bei jedem unterschiedlich, bei mir hilft nur das grüne OFF (OFF teho - heisst es bei mir, übersetzt Off kräftig). Habe dieses Jahr eine Mischung aus Kokosöl mit Lavendelöl versucht... Lavendelöl pur half einigermassen.
    WD40 hilft auch ganz gut (sehr gut sogar), oder gleich mit Diesel einreiben - nein das ist kein Witz, der Nachteil ist nur das man danach keinen Fisch mehr gefangen bekommt.
    Mückenmittel einpacken und zwar die XXL Packung für die Grossfamilie! (die Literflasche fehlt in der Gewichtsberechnung (;-) )


    Das mit den Karten ist wirklich ein Problem, die finnischen Karten die ich habe weichen um 21Grad vom magnetischen Nord ab (die haben Finnland so lange gedreht bis es in "Nord-Süd Richtung" ausgerichtet war), keine Ahnung wie das in Schweden ist. Wollte mal über eine grössere Strecke peilen und bin fast wahnsinnig geworden weil nichts da war wo es hätte sein sollen, wer da nicht das kleingedruckte richtig versteht oder die Karte wirklich "lesen" kann... kommt ehr in Grönland raus als an seinem eigentlichen Ziel.


    Kreuzottern sind auch nicht zu vernachlässigen, man sinkt teils 20cm +x in die Flechten und das Moos ein, da sieht man garnichts, noch nicht mal nach dem Biss. Bis zum Arzt sind es dann ja auch noch ein paar Tage wenn man Pech hat. Von daher, hohe Schuhe (wo ich mal wieder bei den Gummistiefeln wäre) und lange Hosen aus einem kräftigen Stoff sind Pflicht (auch wegen der Mücken etc.).


    Gruss



    P.s. Die Explosion von Tunguska dürfte ein Begriff sein, wenn nicht...
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tunguska-Ereignis


    Eine halb Ernst gemeinte Theorie lautet das es eine Verpuffung war bei der sich ein Mückenschwarm entzündete. Wie gesagt, "halb Ernst", aber manchmal könnte man dran glauben.

  • Hej Supi,
    nein, nicht nur die Hirschlausfliege Lipoptena cervi (hier nennt man die Älgfluga) sondern auch die chrysops relictus. Und Knott sind simuliidae.
    Einfach mal googlen.


    Was am Lagerfeurer auch hilft, ist das schwelen (hoffe das ist richtig) lassen von Elchkot. Muss also qualmen, nicht brennen.
    Riecht irgendwie nach Salbei oder sowas ähnliches.


  • Edit: Hab die Packliste Falsch interpretiert, es sind ja insgesamt 3 Paar also vergesst was da durchgestrichen ist.! :bamm

    Es sind in der Tat 6 Paar Socken, allerdings muss man beachten, dass ich Lundhags trag - also Schuhe ohne jegliches Futter. Darin trägt man immer 2-3 Paar Socken übereinander, ergo sind es nur 2 "Satz" Socken und die Kombi ist dauerhaft trockener & bequemer und zudem leichter als als n vergleichbarer Treckingstiefel. Denn wenn das Wasser da tatsächlich mal von oben reinläuft kippt man sie aus, zieht neue Sochen an und die Füße sind wieder langfristig trocken. Schlafsocken hab ich nicht, mir ist fast immer zu warm. Die Goresocken benutz ich immer abends im Camp in den Sandalen wann immer es leicht ungemütlich wird. Darin kann man prima die feuchten Socken des Tages trockentragen und ist auchabends ohne die schweren Treter warm und trocken unterwegs. Trockentragen ist für mich ohnehin das Mittel der wahl, denn im Zelt oder gar Schlafsack wird das nix.

    Hab ich das überlesen oder Rechnest du den Proviant selbst nicht mit ein?

    Steht oben in der Zusammenfassung: Proviant Mensch: 5,400 kg & Proviant Hund: 5,100 kg - jeweils für gut 2 Wochen. Wobei man sagen muss, dass ich n ziemlich sparsamer Esser bin.

    Könntest du vielleicht noch dein Erste Hilfe-Set oder dein Reperaturset etwas genauer beschreiben?


    Nimmst du nur die Petzl e+lite (ohne Ersatzbatterie?) als einzige Lichtquelle mit?
    Reicht diese von der Helligkeit her wirklich für Alles aus?
    Hast du die Petzl auch hierzulande als einzige Lichtquelle dabei?

    Zum Reparaturset hab ich hier schonmal was geschrieben: http://bushcraftportal.net/for…x.php?thread/&postID=6859 Die aktuelle Variante ist etwas abgespeckt. 1st Aid kommt die Tage! Zur Lampe hat Ron ja schon was gesagt, wobei ich gestehen muss, dass ich noch ne ITP EOS A3 im PSK dabei habe (bis 95 Lumen im Miniformat, tolles Spielzeug), je ein Satz Ersatzbatterien liegt im Reperaturset. Und ja, ich komm damit auch hierzulande gut zurecht, aber ich hab auch ne extrem gute Nachtsicht...

    Antimückenmittel ist ein absolutes Muss! Die Viecher sind vies! Sogar eine Kombination von Wilmas Nordic summer und Dschungelolja ist nicht immer genug! Neben den Mücken gibt es auch noch die sgn. Knott, und beissende Fliegen. Schlafen im Offenen geht nur unter ein Netz.


    So weit nördlich weicht ein Kompas ziemlich ab. Kontroliere vorher diese Abweichung, sonnst könnte man sich ziemlich verlaufen.

    Mit Mücken & Co hatte ich bisher glücklicherweise fast nie Probleme und das obwohl ich schon im Hochommer in Sumpfgebieten in Jämtland gearbeitet habe - die Biester mögen mich einfach nicht. :dance Das Zedan reicht daher bei mir vollkommen aus und ist wenigstens keine Chemiekeule.


    Die Missweisung in Schweden ist verdammt gering. Hab gerade in die F´frischen Karten geguckt: in Sälen sind es aktuell ca. 4° (+0,1°/Jahr), im Sarek sind es auch nur 7°. Wenn man bedenkt, dass man ohnehin ein Messgenauigkeit von mindestens +/-3° bei nem normalen Marschkompass hat ist das fast vernachlässigbar gering.


    Das Lernen einzelner, isolierter Bushcraftskills ist ähnlich wie das Anhäufen von unbenutzter Ausrüstung:
    ein recht kümmerlicher Ersatz für große Abenteuer...