Ablösen von Buchenrinde

  • Hallo Zusammen,


    ich habe am Wochenende eine Buche gefunden, die frisch umgestürzt war und wollte die Rinde in grossen Stücken für die Abdeckung eines Schelters benutzen. Leider ging die Rinde furchtbar schlecht ab und ist an verschiedenen Stellen nach den ersten ca. 10 cm (die sich hervorragend ablösen liessen) eingerissen.


    Die Buche war noch so frisch, dass sie grüne Blätter hatte, ich schätze, dass sie da vor nicht mehr als einer Woche umgestürzt ist. Ich habe es mit Beklopfen der Rinde versucht, mit den Fingern, Holzspateln und dem Messer. Trotzdem war es schlicht unmöglich, sie in einem grossen Stück vom Baum abzuziehen, wie ich es eigentlich erhofft hatte.


    Hat jemand eine Idee oder einen geheimen Trick in der Kiste, wie man die Rinde in einem Stück runterbekommt?


    Viele Grüsse,
    MadFly :)

  • Hi MadFly,


    ist immer etwas schwer, wenn man nicht am Objekt steht. Aber spontan kann ich sagen, daß mit großen Messern Rinde recht gut abgelöst werden kann, wenn man sie wie ein Zieheisen benutzt.
    Ist die Rinde dicker, kann man auch versuchen mit einem abgeflachten Stück Holz drunter zu gehen und damit die Rinde quasi „abzuhebeln“ / „abzuschaben“.
    Gut ist halt bei solchen Aktionen auch, wenn man zu zweit arbeiten kann: der eine löst die Rinde, der andere zieht sie nach oben hin ab.


    Kannst du beschreiben, wo genau das Problem beim ablösen gelegen haben mag?



    Einen lieben Gruß,
    Ilves

  • Ich hab mal noch ein paar Bilder hochgeladen, vielleicht werden dann die Probleme deutlicher:


    Der erste Teil ging super - man konnte einfach mit den Fingern drunter fahren und abhebeln:




    Ab einem bestimmten Punkt war dann Schluss - mit dem Messer gings noch ganz gut, aber man musste die Rinde knicken, um nach unten zu kommen... Dabei ist sie dann immer gebrochen. Ein anderes Problem waren die kleinen Ästchen - aber ich glaube, dass sind einfach "Sollbruchstellen". Man musste echt aufpassen, dass sich dort nicht grosse Risse bildeten:




    Hier dann das Endresultat (hinterer Teil des Bildes) - lange Borke mit einer maximalen Breite von 10 bis 15 cm...




    Ich hätte vorher nicht geglaubt, dass die Rinde so brüchig ist! Vielleicht haben wir auch nur zu schnell gearbeitet? Allerdings haben wir zu fünft sicherlich eine 3/4 Stunde am Baum zugebracht...


    benbushcraft : Ich nehm sonst auch immer die olle Rinde - ist auch deutlich weniger Arbeit :) Wir haben das einfach mal ausprobiert, weil das Verfahren in verschiedenen Büchern beschrieben wird (allerdings dort zur Herstellung von Gefässen). In den Büchern wird dann auch darauf hingewiesen, dass man das nicht mit lebenden Bäumen machen soll, da sie sonst eingehen... Lässt doch darauf schliessen, dass es eigentlich funktionieren müsste!?


    Viele Grüsse,
    MadFly ^^

  • Ja, hasste recht ^^


    Spontan fällt mir nur ein die Rinde abzuklopfen. Funktioniert bei Weidenzweigen. Aber bei der Dicke komm ich ins Zweifeln.


    Für allein wäre das aber nix. 3 Mann brauchen eine 3/4 Stunde, einer 2 1/4 Stunden.

  • Jep, der Zeitaufwand ist enorm - hätte ich auch nicht gedacht. In der Zeit hat man sicher ohne grossen Aufwand genügend alte Rindenstücke gesammelt. Aber wie gesagt, es war ein Versuch...


    Das mit dem Abklopfen haben wir auch probiert, allerdings waren die Stellen dann umso brüchiger...


    VG MadFly :)

  • Grüß dich MadFly,


    vielen Dank für die Bilder – jetzt sieht man schon viel besser um was es ging.
    Du beschreibst:

    Der erste Teil ging super - man konnte einfach mit den Fingern drunter fahren und abhebeln...
    ab einem bestimmten Punkt war dann Schluss - mit dem Messer gings noch ganz gut, aber man musste die Rinde knicken, um nach unten zu kommen... Dabei ist sie dann immer gebrochen.


    Das dürfte genau das Problem gewesen sein: mit den Fingern hast du einfach eine viel größere Fläche um auf einer größeren Fläche die Hebelkraft zum Abziehen der Rinde wirken zu lassen. Die Fläche der Messerklinge dürfte einfach nicht ausgereicht haben. Recht starkes und zudem steifes Material (beides jetzt freilich relativ gesehen) auf kleiner Fläche angehebelt bricht schneller als wenn man dasselbe Material großflächiger behandelt (Druckverteilung).
    Versuche das Ganze einfach noch einmal mit einem Eiskratzer - oder Pfannenwender - ähnlichem Werkzeug / Hilfsmittel und gehe breitflächig und vorsichtig unter die Rinde. Dabei sollte nicht zu stark gehebelt werden sondern sich die Rinde durch die Zugkraft lösen welche der Helfer durch das hochziehen der Rinde auslöst. Das müßte zumindest besser klappen als vorher.


    Ich hoffe, ich konnte mit meiner einfachen und laienhaften Erklärung einigermaßen rüberbringen was ich meine :)


    Einen lieben Gruß,
    Ilves

  • Hallo Ilves,


    das ist eine gute Idee - ich werds mal so probieren! Hätt ich ja auch mal selbst drauf kommen können :bamm ...
    Eiskratzer und Pfannenwender hab ich ja eh immer einstecken :lol ...


    Ich hatte mir zwar was geschnitzt, um das Messer zu schonen, aber das war wahrscheinlich nicht breit genug...


    Thx und Liebe Grüsse,
    MadFly :)

  • Ich kann mich erinnern, von Rindenkanus nordamerikanischer Indianer gelesen zu haben. Irgendwie müssen die die Rinde ja auch im Ganzen vom Stamm bekommen haben, muss ja dicht sein.
    Wie das gemacht wird weiß ich allerdings nicht.

    By de Alexander


    Hoffe das Beste aber rechne mit dem Schlimmsten, so kannst du kaum überrascht / enttäuscht werden ...

  • Ich hab bei den Jungs der Survival Schule Österreich angefragt, da die kürzlich ein Video hochgeladen haben, bei dem sie für eine Hütte Rinde abgetragen haben. Hier die Antwort vom Sepp:

    Quote

    Hallo Benedikt, das schepsen der Rinde geht im Frühjahr am besten, die Stämme waren gut im Saft ; ) und mit Keilförmigen Holzstöcken haben wir die Rinde "abgeschabt" Lieber Gruß Sepp

    Quelle: http://www.youtube.com/all_comments?threaded=1&v=LwjzzFYtmIo

  • Hallo Benedikt:) ...


    Keilförmige Holzstückchen - das klingt super!!! Da bekommt man sicher sogar noch festere Rinde ab.


    Auf dem Video sieht mans auch gut. Unser Baum war allerdings etwas schmaler - vielleicht war es deshalb schwieriger drunter zu kommen... Ich frag mich, ob das so auch geklappt hätte??? Leider liegt der Baum in Mecklenburg - da werd ich sicher erst im Sommer wieder hin kommen, sonst würd ich mich gleich noch mal ransetzten.


    VG MadFly :winken

  • Du hast dort eine Hainbuche und keine Buche geschält. Aber bei allen beiden ist das ablösen der Rinde schwer weil, beide botanisch gesehen keine Borke besitzen. Rinde von Buchen und Hainbuchen eignet sich nicht um etwas vernünftiges draus zu machen, viel zu brüchig.

  • Hallo AJ,


    danke für die Info! Woran genau erkennst Du das eigentlich? Die sichtbaren Laubblätter auf den Bildern sind von kleineren Schösslingen in der unmittelbaren Umgebung... Ists an der Rinde ersichtlich?


    Das Gefühl mit dem viel zu brüchig hatte ich eindeutig auch :lol ...
    Was vernünfiges sollte eigentlich gar nicht draus entstehen - war als Abdeckung für ein Shelter gedacht...


    VG MadFly :)